Sonntag, Juni 25, 2006

Nashville, Tennessee - die selbsternannte "Stadt der Musik"

Sandrine, die aus Frankreich kommt, will die freien Tage im Sommer dazu nutzen, sich die Staaten ein wenig anzusehen. Da sie die ganzen Touren mit dem Auto unternehmen will, können natürlich noch Leute mitkommen. Mike und ich haben uns gleich dafür gemeldet. Wir sind an einem Samstag Morgen losgefahren; der Plan war, entweder am selben Tag zurückzufahren (Fahrt dauert ca. 5 h), oder in einem Hotel zu übernachten und am Sonntag gemütlich zurückzukehren. Nachdem die beiden mich abgeholt haben, teilte uns Sandrine mit, daß sie noch ein paar andere Franzosen für den Ausflug interessiert hätten, sie wisse aber nicht, wieviele. Es waren drei! In anderen Worten, vier Leute auf dem Rücksitz. Macht aber nix, schließlich trägt das immens zum gegenseitigen Kennenlernen bei. Ich war so froh, daß keiner von uns übergewichtig war. Ich habe trotzdem fast die ganze Fahrt mit einer Hinterbacke in der Luft verbracht. Bei jedem Stop haben wir Positionen gewechselt, um die ideale Konstellation zu finden. Elsa, eine der Französinnen, die recht schmal gebaut ist, mußte letztendlich in der Mitte zwischen den Beinen von jemand anderem sitzen.
Auf der Rückfahrt habe ich Mike auf den Beifahrersitz verbannt. Der hat einfach die breitesten Schultern.

In Nashville angekommen, haben wir uns erstmal nach einem Restaurant umgesehen. Wir sind in einer Bar gelandet, in der live Country Musik gespielt wurde. Eine der Seitenwände war mit Regalen gesäumt, die von hinten beleuchtet und mit Cowboystiefeln vollgestellt waren. Traditionelles amerikanischen Mittagessen - Hamburger und Pommes.

Nashville ist DIE Stadt des Country. Da steht natürlich ein Besuch im Country Museum an. Auch wenn ich kein Fan von Country bin (und am Ende des Tages wirklich genug davon hatte), ist es interessant, etwas über die Entwicklung eines Musikgenres zu lernen. Ursprüglich entstanden in den Südstaaten der USA, Country ist eine Mischung aus Volksmusik, keltischer Musik, Blues, Gospel und ein wenig Jazz. Elvis Presley wird mit Country assoziiert, und außerdem auch Ray Charles. Heute ist das ein Millionengeschäft. Die Ausstellung bestand zu einem großen Teil aus Musikinstrumenten, goldenen oder platinen Schallplatten, Kleidungsstücken und sonstigen Besitztümern von Country Persönlichkeiten. Elvis Presleys Lieblingslimousine war ausgestattet mit einer Minibar, einem vergoldeten Fernseher, und einem Telefon. Ein anderer Mensch (habe seinen Namen vergessen) hatte sein Cabrio reichlich mit silbernen Schusswaffen verzieren lassen; das fand ich schon fast krank. Eine Schrotflinte vorn auf der Motorhaube und hinten auf dem Kofferraum, an den Seiten Pistolen und Handschusswaffen als Türöffner, innen und außen, Pistolen auf dem Handschuhfach und hinter jedem der Sitze in einem Halter. Amerikaner, tss.
In Nashville, jedenfalls im Stadtzentrum, hört man von überall Country Musik aus dem Läden schallen. Natürlich gibt es auch reichlich Souvenirshops. Ich habe Elvis gesehen! Er hat vorbeigehende Mädels with 'Babe' angeredet. Nun sagt nochmal einer, der wäre tot.

Im Souvenirshop des Museums habe ich eine Postkarte vom Parthenon-Tempel gefunden. Häh? Genau! Da steht tatsächlich eine Replikation dieses Tempels in einem Park in Nashville. Nicht das kaputte Ding, sondern wie er vor was-weiß-ich-wievielen-Jahren ausgesehen hat. Nur, daß er nicht bunt ist. Angeblich steht sogar die Göttin Athena drin. Wir konnten allerdings nicht reingehen und nachsehen, wir waren schon außerhalb der Besuchszeit. Auf der Karte, die wir hatten, sah die Entfernung zwischen dem Museum und dem Park nicht so groß aus, also haben wir beschlossen, zu Fuß zu gehen. Hah, hat mehr 'ne Stunde gedauert, nicht mal inklusive dem obligatorischen Verlaufen in einer fremden Stadt. Bei der Gelegenheit haben wir uns aber den Campus der Uni ansehen können. Wunderschön! Die Uni ist nicht sehr groß, und die einzelnen Gebäude stehen verteilt in einem kleinen Park, man kann schon fast sagen, Wäldchen. Ich habe noch nie soviele Eichhörnchen auf einem Haufen gesehen.

Nach all der Bildung und dem Herumlaufen hatten wir natürlich wieder Hunger. Zurücklaufen war keine Option, also haben wir den Bus genommen. Downtown angekommen war alles voll mit Menschen. Wir wollten einfach ein nettes Restaurant finden, aber keine Chance. Überall standen Leute an. Und Downtown Nashville hat Dutzende von Restaurants! Weil wir zu sechst waren, hätten wir nirgends einen Tisch unter anderthalb Stunden Wartezeit bekommen. Wir sind zwei Stunden herumgelaufen und haben uns dann verzweifelterweise mit Pizza begnügen müssen (dieses "Restaurant" war fast leer, hmm).
Danach wollten sich die Franzosen betrinken. Wir haben eine Bar mit Live Musik gefunden, die zum Glück nicht nur Country spielte. Die Hälfte der Anwesenden trug Harley-Davidson-Shirts und Minipli oder weißblonde Dauerwelle, und ich kam mir mit meinem rosa Oberteil fast deplatziert vor ;). Ich und die beiden Jungs waren zu müde, um noch irgendwelchen Bewegungen zu machen, aber die anderen drei Mädels haben auf der Tanzfläche ziemlich abgerockt. Kurz vor 1 Uhr morgens sind wir zurück zum Auto und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht.
Sandrine ist gefahren, alle anderen sind fast augenblicklich ins Koma gefallen. Ich bin zwischendurch nur einmal aufgewacht, als wir eine Pause gemacht haben. Allerdings, wenn man sich mit drei anderen den Rücksitz teilt, ist es besser, die ganze Zeit über zu Schlafen. Dann merkt man wenigstens nicht, wie einem die Knochen wehtun. Aber der ganze Ausflug hat sich wenigstens gelohnt. Nächste Woche New York!