Abenteuer Radfahren
Gestern habe ich die Telefongesellschaft angerufen und gefragt, warum mein Telefon noch nicht funktioniere. Nach mehrmaligem Weiterleiten sagte mir endlich jemand, daß es an meiner Sozialversicherungsnummer läge. Ich habe von der Uni erstmal eine Vorläufige bekommen (die gleiche wie meine Matrikelnummer). In den USA gibt es keine Personalausweise. Man identifiziert sich entweder über die Fahrerlaubnis oder eben über die Sozialversicherungsnummer. Meine Nummer konnte mir bei der Überprüfung aber nicht zugewiesen werden, weil die eben nur vorläufig und nicht offiziell ist. Die Lösung wäre, in das Büro in der Innenstadt zu kommen und mich auszuweisen, dann würde der Telefonanschluß auch freigeschaltet werden.Damit ich nicht immer jemanden fragen muß, ob der- oder diejenige mich irgendwo hinfahren kann, habe ich beschlossen, mit dem Rad zu fahren. Ich habe mir die Strecke ausgedruckt. Waren etwa 3 Meilen, also weniger als 5 Kilometer.
Heute morgen habe ich mich auf den Weg gemacht. Ich wußte, auf welcher Streckenabschnitts-Straße ich landen sollte, weil die kannte ich schon, also habe ich eine Abkürzung genommen. Schonmal großer Fehler, denn nun wußte ich nicht mehr, ob ich von meiner momentanen Kreuzung aus nach links oder rechts abbiegen mußte, um entlang der momentanen auf die nächste Straße zu kommen. Wenigstens wußte ich ungefähr die Richtung, also bin ich mal mutig in die nächste größere Straße eingebogen. Dort habe ich leider kein Namensschild gefunden. Also habe ich jemanden nach dem Weg gefragt. Immer die Straße runter (etwa 30% Gefälle, also wirklich steil!) bis zum Ende des Hügels und dann rechts.
Links und rechts am Straßenrand waren nun schon an jeder Kreuzung mehr oder weniger große Ansammlungen von schwarzen jungen Männern zu sehen, die einfach nur dastanden und die Straße beobachtet haben.
Unten angekommen habe ich die Straße nicht gesehen (mußte eine breite Straße sein) und wieder jemanden gefragt. Tatsächlich war ich nur eine Kreuzung zu weit, also kurzes Stück zurück. Die angewiesene Straße genommen. Und ich bin wirklich auf der gewünschten Streckenabschnitts-Straße gelandet. Hmm, von hier nach rechts oder links? Da ich sowieso schon entgegen meiner Streckenanweisungen gefahren war, war es doch nicht ganz so leicht. Denn ich hatte natürlich auch keinen Stadtplan dabei!
Ich habe mich für links entschieden. Bin der Straße gefolgt; nach 1,5 km ist diese tatsächlich in eine andere Straße übergegangen, wie auf meinem Plan. Von da an konnte ich mich wieder nach meinem Zettel richten. Zwei Ecken weiter und ich war da.
Die Innenstadt besteht hier nur aus Bürogebäuden.
Das Gebäude der Telefongesellschaft war nicht zu verfehlen, sehr gründlich beschriftet. Ich habe mein Rad angeschlossen und habe dann bemerkt, wie mich drei Mitarbeiter amüsiert beobachtet haben. Gut, ich habe auf dem Hinweg nicht ein einziges anderes Fahrrad gesehen. Und ich war durchgeschwitzt und knallrot im Gesicht vor lauter Anstrengung, und es standen mir die Haare nach allen Seiten ab.
Die Stadt ist mit ihren Hügeln alles andere als radfahrerfreundlich.
Drinnen bin ich zum Schalter. Meinen Paß und meine Bestellnummer gereicht. Telefon wird heute Nachtmittag freigeschaltet, das Internet nächsten Montag und ich bekomme noch das Modem zugeschickt.
Zurück aufs Fahrrad. Die nächsten zwei Kreuzungen habe ich noch hingekriegt. Danach war in völlig orientierungslos, dank meines väterlicherseits genetisch-vererbten Orientierungssinns ;). Aber egal, ich bin ja eine Frau und habe keine Probleme damit, nach dem Weg zu fragen. O.K., einfach geradeaus, zwei Kreuzungen weiter.
Gerade dann habe ich festgestellt, daß ich mich gerade auf der Main Street befinde, die Adresse, um meine richtige Sozialversicherungsnummer zu kriegen. Ich dachte, das wäre ganz woanders. Schön, daß meine Formulare dazu auf meinem Schreibtisch in der Uni liegen....
An der Kreuzung angekommen. Wieder das Problem mit dem Abbiegen. Auf dem Hinweg bin ich rechts abgebogen, also wäre jetzt links die bessere Wahl. Bin die Straße entlang gefahren und habe absolut nichts Bekanntes gesehen. Wieder nachgefragt. Der Mann meinte, ich wäre gaanz weit weg, ich solle das nächste Mal lieber mit dem Bus fahren. Erstmal die Straße runter bis zum Ende und dann wieder jemanden fragen. O.K., Straße runter. Und hey, Moment, die Kreuzung kam mir bekannt vor. Plötzlich wußte ich wieder, wo ich war! Links abgebogen in die Straße mit den schwarzen jungen Männern (einer hat gerade ein dickes Bündel Geld gezählt). Dann habe ich diese 30% Gefälle-auf-dem-Rückweg-natürlich-STEIGUNG-Straße nicht gleich gefunden. Also wieder jemanden gefragt; ich war sogar nicht weit entfernt. Das Mädel meinte dann noch zu mir, ich solle aufpassen, weil ich mich gerade in einer gefährlichen Gegend befände.
30%-Steigung-Straße erreicht. Ich bin dann abgestiegen und habe geschoben, denn ich war schon völlig außer Atem. Ich kam an einem Mann vorbei, der mich gefragt hat, warum ich nicht fahren würde. Ich trotzdem weiter den Hügel herauf geschoben, mit mindestens 1,025 km/h! Zum Glück schien mir die Straße auf dem Rückweg kürzer als hin. Oben angekommen (und mich geärgert, daß ich nichts zu Trinken dabei hatte) rechts rum und ich war schon fast an der Uni.
Ich glaube, ich werde doch lieber jemanden bitten, mich wegen meiner Sozialversicherungsnummer mit dem Auto zu fahren.
Und das Gas funktioniert in meiner Wohnung immernoch nicht, dabei habe ich gestern schon angerufen.

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