seit 4 Tagen in Cincinnati, heute ist Donnerstag
Ich habe den Jetlag noch nicht ganz überwunden, aber ich halte mich wacker. Ich bin abends um neun schon ziemlich müde und wache morgens zwischen 6 und sieben auf.Ich wohne momentan bei meiner Chefin. Sie hat ein hübches Haus (mit geschliffenen, gläsernen Türknaufen) in der Nähe der Uni. Sie wohnt dort mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn, welcher einfach goldig ist. Der Kleine ist sehr lebhaft, in anderen Worten sehr anstrengend, aber süß. Lockenköpfchen und große braune Augen.
Am Montag bin ich mit in die Uni gefahren und habe gleich eine Menge sehr nette Leute kennengelernt.
Ich muß sagen, ich war etwas enttäuscht, als ich die Biologie zum ersten Mal betreten habe. Ich habe einen flachen, hellen Bau mit topmoderner Einrichtung erwartet, stattdessen ist es ein achtstöckiges, dunkles, bunkerartiges Haus mit langen Gängen, die zum Verlaufen einladen, und die Laboreinrichtung ist vergleichbar mit der in der Rostocker Zoologie, also über drei Generationen vererbte Geräte und provisorische Konstruktionen. Zur Toilette muß man ne Weile laufen, und wenn man Tageslicht haben will, muß man ein paar Gänge weiter zur Treppe gehen.

Rieveschl Hall
Meine Kollegen sind Srdjan aus Bosnien-Herzegowina, der ebenfalls an der Promotion arbeitet, KK (Kurzform für einen sehr komplizierten Namen) aus Indien, der demnächst seinen Master verteidigt (wie Diplom in Deutschland), Sarah, eine Psychologie-Studentin, die hier Praktikum macht, Heather, die TA, die aber gerade im Urlaub ist, und Elke, unsere Chefin, gebürtige Österreicherin.
Am ersten Tag hat mich Elke erstmal im Biologie-Studienbüro angemeldet. Danach bin ich über den Campus gelaufen, um das Auslands-Studentenbüro zu suchen. Der Campus ist sehr groß und ist ständig voll mit Baustellen. Jemand hat mir erzählt, daß sich die Studenten darüber lustig machen und meinen, die Abkürzung "UC" (University of Cincinnati) stehe für "under construction" ("im Bau"). Die Unigebäude sehen hier alle unterschiedlich aus, aber Hauptsache groß. Und überall sind Trinkbrunnen.
Danach habe ich bei der Polizei (hier Abteilung für öffentliche Sicherheit) meinen neuen Studentenausweis gekriegt (furchtbares Foto) und die nötigen Schlüssel beantragt. Mittagessen mit meiner Chefin und 2 anderen Biologen aus diesem Stockwerk, John und Theresa.
Am Nachmittag hat Srdjan mir angeboten, mich durch die Gegend zu fahren und nach Wohnungen Ausschau zu halten. Ich habe Glück, daß ich im Sommer hergekommen bin. Der Großteil der Studenten kommt erst im September, so habe ich jetzt die Auswahl zwischen dutzenden von Angeboten. Das muß man sich so vorstellen: die Häuser in der Gegend sind entweder alte Holzhäuser (sehr hübsch), in denen einzelne Zimmer des oberen Stockwerkes vermietet werden oder Apartmentkomplexe. Zur Zeit steht teilweise vor jedem dritten Haus ein "zu vermieten"-Schild auf dem Rasen. Srdjan hat mich also in der Gegend herumgefahren und ich habe alle Telefonnummer von Häusern aufgeschrieben, die mir gefielen. Von der Uni aus habe ich dann einige angerufen und Besichtigungstermine ausgemacht.
(So wie es aussieht, sind hier alle schon verheiratet, außer Sarah und ich, und Sarah ist höchstens 22 Jahre alt. Da kommt auf meinen armen Schatzi noch was zu...!)
Am Dienstag war ich wieder im Studienbüro und habe Papiere ausgefüllt. Anschließend habe ich noch einige Termine für die Wohnungssuche gemacht. Nachmittags dann die ersten beiden Wohnungsbesichtigungen, beide in der gleichen Straße, nahe der Biologie. Beide in einem Haus mit 2 Apartments je Stockwerk, insgesamt 8, meine (natürlich) ganz oben, beide etwa zum gleichen Preis, 1-Raum-Wohnungen.
Die erste Wohnung war eigentlich schon ganz nett. Richtiger Holzfußboden. Das Wohnzimmer gleich hinter der Eingangstür, rechts das Schlafzimmer und links die Küche, komplett eingerichtet, geradezu das Badezimmer mit Wanne. Reichlich in die Wände integrierte Schränke. Mit Klimaanlage im Wohnzimmer. Die zweite Wohnung sah etwa genauso aus, das Schlafzimmer war ein wenig kleiner, das Bad zwischen Küche und Schlafzimmer. Allerdings hatte diese in der Küche einen Hintereingang mit Feuertreppe (ich war begeistert!) und die Klimaanlage im Schlafzimmer. Und ich habe Anrecht auf einen Parkplatz hinter dem Haus.
Ich bin nun erst 4 Tage hier, habe aber schnell mitgekriegt, wie wichtig eine Klimaanlage ist. Es ist kaum ein Sonnenstrahl zu sehen, aber die Luft ist so schwer, daß man ständig am Schwitzen ist. Es hat die letzten 2 Tage geregnet, aber nur als ganz feiner Nieselregen, der keinerlei abkühlende Wirkung hat. Also eine Klimaanlage, besonders wenn sie im Schlafzimmer ist, ist schon ´ne feine Sache.
In den USA bestehen Ein-Raumwohnungen übrigens nicht nur aus einem Zimmer, sondern 2, denn hier wird nur die Anzahl der Schlafzimmer gezählt. Eine Wohnung hat etwa 50 bis 60 Quadratmeter. Die Küchen sind in der Regel schon möbliert, auf jeden Fall haben sie einen Kühlschrank und einen Herd, der meist mit Gas betrieben wird. Diese beiden Geräte sind unglaublich groß, mindestens 1 Meter in der Breite!
Am Mittwoch habe ich meine Schlüssel bekommen. Die werden für jeden frisch angefertigt, und nach Abgabe wohl wieder vernichtet.
Ich war in der Gesundheitsabteilung und mußte wieder reichlich Zettel ausfüllen. Für mein Gesundheitszeugnis ist ein Tuberkulose-Test nötig, also habe ich noch eine Spritze gekriegt. Eigentlich habe ich den gerade erst in Rostock machen lassen, war negativ, aber naja. Ich habe natürlich die Anmeldung für die Krankenversicherung verpaßt, deshalb muß ich mich zur Überbrückung woanders versichern. Ab September gilt die Uni-Versicherung, die dann auch automatisch von meinem Gehalt abgezogen wird. Darum muß ich mich dann nicht mehr kümmern.
Mittags wieder eine Wohnungsbesichtigung. Diesmal ein Apartmentkomplex, mit einem schönen Pool. Allerdings war dieser der einzig hervorzuhebene Punkt. Mir wurden zwei verschiedene Apartments gezeigt, komplett mit Teppich. Das Erste war ein wenig größer, aber die Küche wirkte heruntergekommen. Eigentlich das ganze Apartment. Eigentlich beide. Das Zweite, kleinere, war außerdem im Untergeschoss und daher sehr dunkel. Gefiel mir garnicht.
Abends die zweite Besichtigung. Wieder ein Apartmentkomplex mit Pool. Die Appartments (mit Teppich) waren an sich nicht schlecht, wenn auch die Küche sehr eng war, aber der ganze Komplex wirkte dann doch zu überfüllt. Da sind 100 oder mehr bewohnte Apartments und ich mag doch lieber in einem kleineren Haus wohnen.
Außerdem mein erstes elektronisches Gerät erworben: einen Wecker mit Digitalanzeige!
Heute, Donnerstag, habe ich als Erstes ein Bankkonto eröffnet.
Am frühen Nachmittag eine Wohnungsbesichtigung. Ein großes Haus, inmitten eines kleinen Geschäftsviertels, in dem alles zu finden ist, was man braucht. Sehr weiter Flur, Eintritt durch die Eingangstür nur mit Code möglich. Zwei verschiedene Apartments, Holzboden, beide eigentlich nett. Das erste im Untergeschoß. Küche und Bad waren ziemlich eng, und das Schlafzimmer war recht klein. Vorteil: Thermostat für Selbstregulation der Temperatur (alle anderen hatten "automatischen Betrieb" durch Vermieter). Die zweite war teurer und größer, aber im 3. Stock und mit Geschirrspüler in der Küche und Kamin im Wohnzimmer.
Die ersten beiden und die letzte Wohnung, die ich mir angesehen habe, zwischen denen werde ich wählen. Das Problem der Letzten ist, daß sie so teuer ist. Sie kostet 525 $, Strom, Wasser und Heizung muß ich noch extra zahlen. Macht zusammen 650 $.
Die Erste werden ich doch nicht nehmen, wegen der Klimaanlage ;).
Dann wird es wohl die Zweite sein. 450 $ inkl. Wasser und Heizung. Strom extra. Da komme ich insgesamt auf etwa 480 $. Und nur 15 Minuten Fußweg bis zur Uni.
Ich habe heute schonmal etwas für meine zukünftige Wohnung gekauft. Meine Wohnungseinrichtung besteht jetzt aus einem Schlafsack, ein wenig Geschirr und Besteck, einem Duschvorhang und einem Wäschesack.
Auch das noch, mein Tuberkulose-Test scheint positiv zu reagieren....

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