ich werde langsam cool ... fortgesetzt
Am Samstag hat das Büro für Auslandsstudenten eine Fahrt auf dem Ohio River organisiert. Ich hatte mir keine Karte gekauft, aber die Kanadierin meinte, es werden sicher nicht alle Leute auftauchen und ich könnte doch noch mitfahren. Habe tatsächlich Glück gehabt.
Wir waren mehr als einhundert Leute. Alle von Freitag abend waren dabei, außerderm noch die mysteriöse Deutsche und ein Mädel aus Belgien, die ich schon bei der Kaffeestunde getroffen hatte.
Wir wurden in drei (original gelbe!) Schulbusse geladen und zur Anlegestelle gefahren. Ich habe es wieder mal so bereut, keine Batterien für meinen Fotoapparat gekauft zu haben. Unterwegs haben sie uns ein Spiel erklärt, daß sie sich für uns ausgedacht hatten. Wir haben jeder einen Papierstreifen mit fünf Symbolen gekriegt, Herzen für die Frauen, Rauten (Verzeihung - “Diamanten”) für die Männer. Wir sollten nun mit dem andern Geschlecht eine Unterhaltung beginnen und Fragen stellen. Wenn es uns gelingt, daß der/die andere mit “nein” antwortet, muß er/sie einen Diamanten/Herz rausrücken. Wer zum Schluß die meisten gesammelt hat, kriegt einen Preis. Das Mädchen aus Venezuela hat auch gleich angefangen, und hatte nach 5 Minuten schon den ersten Diamanten. Die Belgierin hat vorgeschlagen, die Männer zu fragen, ob sie schwul wären, und auf diese Weise kräftig zu sammeln. Ich habe das gleich an meinem Vordermann aufprobiert. Hat funktioniert.
Ich habe festgestellt, daß mein Bus voll war mit deutschsprachigen Studenten. Mindestens sieben Leute, inklusive mir selbst. Tja, wir sind überall!
Es ging Richtung Downtown und dann über den Ohio River, zu einer Anlegestelle für Rundfahrtschiffe für Touristen. Mit von der Partie war auch ein Inder, den ich vorher schon getroffen hatte. Ich denke, er ist körperlich behindert, denn er hat eine sehr gedehnte Art zu sprechen und eine unsymmetrische Augenstellung (ein Auge dreht sich immer nach oben). Das ist auch der einzige Inder, den ich bisher getroffen habe, der NICHT total schüchtern ist. Normalerweise schauen die kaum in die Richtung einer (naja, nicht-indischen) Frau und setzen dabei ein verschüchtertes Lächeln auf. Aber nicht dieser. Er starrt den Frauen ganz ungeniert in den Ausschnitt.
Er kam dann zu mir und fragte mich, ob ich aus Deutschland kommen würde. Ich sagte, ja. Er erzählte, daß er gerade ein Herz von einem chinesischen Mädchen eingesammelt habe und hat sich breit grinsend seinen Papierstreifen angesehen. Da habe ich ihn gefragt, ob er denn aus Deutschland käme und er sagte nein. Da hatte ich meinen zweiten Diamanten. Seine halbherzigen Versuche, die Frauen zu einem Nein zu kriegen, konnte man den ganzen Abend lang beobachten (zum Bespiel, ob ich in der Schule Rugby gespielt habe. Das wird in England gespielt, Mensch!).
Unsere Gruppe, nur aus Frauen bestehend, denn der Mexikaner hatte sich zu einer anderen Gruppe gesellt, hat sich dann auf dem Deck Plätze gesucht. Nach einer Weile hat sich ein Franzose zu uns gesetzt. Ich habe gehört, er spielt Klavier und Gitarre und soll wirklich gut sein. Ich hoffe, ich komme mal dazu, ihn zu sehen.
Als es langsam dunkel wurde, ging es runter zum Essen. Wir haben eine Reihe Tische zusammengestellt, damit wir alle zusammen sitzen konnten. Das Essen war wirklich gut und der Nachtisch (Käsekuchen, eine “Spezialität” hier) war einfach großartig. Neben mir saß ein Junge, hier geboren aber von asiatischer Abstimmung, der viel über Cincinnati erzählt hat. Unter anderem hat er erklärt, woher der Name “Bearcats” (“Bärkatzen”) der Uni Footballmannschaft kommt. Weil bearcat ja keine richtige Tierart ist. Vor ich-weiß-nicht-mehr-wieviel Jahren hatte die Mannschaft einen Trainer mit dem Hinternamen Bear. Damals hießen sie noch “Wildcats” (Wildkatzen). Es fand ein Spiel statt zwischen den Cincinnati-Wildcats und einer Mannschaft aus der Nachbarstadt, die allerdings auch Wildcats hieß. Da soll der Trainer wohl gesagt haben, daß er keine Wildcats braucht, denn er hätte die Bearcats. Der Name ist hängengeblieben.
Dann wurde es langsam Zeit für die Herzen/Diamanten Preisverleihung. Die Venezuelanerin (heißt das so?) wurde jetzt richtig nervös, denn sie wollte unbedingt gewinnen. Wir alle haben ihr unsere verdienten Diamanten gegeben, und außerdem hat er Mexikaner alle seine Diamanten herausgerückt. Danach ist sie aufgeprungen und hat sie an die anderen Jungs herangeschmissen. Ab und zu kam sie wieder an den Tisch und hat ihre Diamenten gezählt. Wir haben ihr dann auch noch geholfen, weitere zu sammeln. Die indischen Jungs werden sehr nervös, wenn sie von zwei oder mehr selbstbewußten Frauen umgeben sind, die sie vollquatschen. Die haben uns die Zettel auch ohne viel Gerede gegeben.
Der Franzose hat alle unsere Herzen gekriegt.
Zum Schluß hatten beide über 50 Stück.
Die beiden haben dann tatsächlich auch gewonnen. Die Venezuelanerin ist herumgesprungen und hat geschrien, daß sie uns alle lieben würde ;). Die beiden wurden dann zu König und Königin gekrönt (sie hatte ein “Diadem” mit rosa Federn, er hatte eine aufblasbare Krone). Sie mußten dann den ersten Tanz zusammen machen. Die beiden geschafft, viele Leute zum Mittanzen zu animieren, etwas, woran die Organisatoren ziemlich gescheitert waren.
Etwa eine Stunde später haben wir angelegt. Wir haben beschlossen, noch nicht nach Hause zu fahren, sondern in der Innenstadt zu bleiben. Dort sollte es einen Club mit Live Musik geben. Wir sind dann mit neun Leuten losgezogen: der Mexikaner, der Franzose, die Kanadierin, die Venezuelanerin, die Kolumbianerin, die Belgierin und wir beiden Mädels aus Deutschland, und ein Deuscher, den wir auf dem Schiff getroffen hatten. Später kam noch ein Amerikaner dazu, den die Venezuelanerin extra angerufen hatte, damit der kommt. Den Rumänen wollten wir auch dabeihaben, aber er war nicht ans Telefon zu kriegen.
In der Innenstadt war tatsächlich Live Musik, aber überall. An dem Tag fand eine Art Festival statt. Man konnte eine Eintrittskarte kaufen, mit der man dann in alle Klubs reinkam. Dort gab es Bands verschiedener Musikrichtungen, die live gespielt haben. Gleichzeitig wurden auch ihre CD`s verkauft. Oftmals sehr laut. In manchen Klubs wurden am Eingang Ohrstöpsel ausgegeben. Irgendwann liefen wir zehn alle mit den gelben Gummistöpseln im Ohr herum. Sah lustig aus. (Keine Batterien gekauft, ahh!)
Es gab einen Künstler namens Gabriel James, dessen CD ich mir gekauft habe, denn ich fand ihn wirklich gut. Und Bemerkung am Rande: er hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit meinem liebsten Onkel Mario! Sogar dieselbe Körpergröße und die selbe Menge (haha, UNmenge paßt besser) Haare auf dem Kopf.
Wir waren drei Stunden oder so zwischen den verschiedenen Klubs unterwegs. Ich habe mich prächtig amüsiert.
ich werde langsam cool
Ich war am Freitag bei der Coffee Hour ("Kaffeestunde"). Das ist ein Treffen für alle internationalen Studenten, das jeden Freitag Nachmittag stattfindet, organisiert vom Büro für Auslandsstudenten. Es gibt Kaffee und Kekse, und Spiele, auf die besonders die Inder abfahren. Wir anderen kommen eigentlich nur wegen dem kostenlosen Essen ;).
Ich habe mich mit einer Kollegin aus der Biologie verabredet, dort hinzugehen. Sie kommt aus Kanada. Wir sind ungefähr zur gleichen Zeit nach Cincinnati gekommen und arbeiten beide im selben Stockwerk (ihr Büro ist nur ein Stück den Flur runter), trotzdem haben wir uns erst letzte Woche bei den Einführungsveranstaltungen der Biologie kennengelernt. Sie hat mich dort einigen Leuten vorgestellt. Mehrere Leute hatten mir schon erzählt, sie würden ein Mädel aus Rostock kennen. Ich habe dann am Freitag auch endlich dieses mysteriöse Mädchen getroffen. Irgendwie kannte jeder jeden, nur ich kannte kaum jemanden. Eigentlich nur die Kanadierin, der Rumäne war auch da. Ich bin seit zweieinhalb Monaten hier und habe den Großteil meiner Freizeit allein zu Hause verbracht, anstatt auszugehen und Leute zu treffen. Da habe ich beschlossen, mich einfach an diese Leute hier ranzuhängen. Abends sollte irgendwo eine Party mit live Musik sein, zu der wollten sie hingehen.
Am Freitag war allerdings auch Grillabend für die Biologie. Die Kanadierin, ihre Mitbewohnerin (aus Venezuela) und ich sind erstmal dort hingegangen. Es war nur ein kleiner Teil der Biologie da. Wir haben gegessen, ein wenig geredet und die Hochzeitsfotos einer anderen Biologin angesehen. Ich habe gesagt, daß ich bemerkt habe, daß soviele schon verheiratet oder wenigstens verlobt sind und daß ich mir deswegen irgendwie zurückgeblieben vorkomme. Fanden sie ganz witzig.
Wir sind nicht sehr lange geblieben.
Schnell zurück nach Hause und mich umgezogen. Dann habe ich mich mit den beiden Mädels am verabredeten Punkt getroffen und wir wollten zu der live Party gehen. Erstmal haben wir das Gebäude nicht gefunden. Wir waren auf dem Gelände einer neuen "Wohnsiedlung" (also Studentenwohnheim bestehend aus vielen kleineren Häusern anstatt dem üblichen Hochhaus - sieht aus wie die Touristen-Bungalows in Disneyland) und sind dort noch auf zwei Leute gestoßen, einen jungen Mann aus Mexiko (war auch bei der Kaffeestunde) und ein Mädel aus Kolumbien. Zusammen haben wir uns dann bis zum richtigen Haus durchgefragt.
Das ist ein Gemeinschaftshaus speziell für spanisch und französich sprechende Menschen. Dort fand die Party im Keller statt. Es waren zwar auch einige junge Menschen da, aber der Altersdurchschnitt lag bei ungefähr 55. Dort war eine unglaublich alte Frau, die stark gebückt ging und deshalb nur 1,40 m hoch war. Und eine junge Frau, die nur aus Haut und Knochen bestand. Wir haben uns alle nur angeguckt. Die Kolumbianerin meinte, sie würde hier nur zwei Arten von Amerikanern sehen, entweder fett oder spindeldürr.
Die Musik war auch nicht so gut, also sind wir schnell wieder gegangen, allerdings nicht ohne am Buffet vorbeizugehen.
Auf dem Weg nach draußen bin ich an einer älteren Frau vorbeigekommen, die gerade sagte, wie großartig die Party doch wäre. Hehe, wie unterschiedlich doch Geschmäcker sind.
Ein paar Leute, Lehrer aus dem Spanischinstitut (und allesamt aus Südamerika) sind gleich mitgekommen. Wir sind runter in eine Bar auf der Ludlow (Straße). Dort haben wir eine ganze Weile gesessen und uns unterhalten. Dann sind wir noch rüber (zu viert) auf die andere Straßenseite, um was zu Essen. Wir haben fast eine halbe Stunde darauf warten müssen, aber wenigstens war es gut. Wir haben da noch eine Weile verbracht und sind wieder zurück zur Bar. Dort warteten schon die anderen auf uns und haben sich beschwert, daß wir so lange weg waren.
Anschließend sind wir nach Hause gegangen, vier von uns (also wir vier aus dem Restaurant) wohnen nicht weit auseinander und wir mußten auch in dieselbe Richtung. Die Kanadierin und die aus Venezuela sind zuerst angekommen. Der Mexikaner hat mich dann direkt vor meiner Tür abgeliefert. Ich war halb 1 zu Hause.
Parties und American Football
Ich habe die letzten beiden Wochen hier nichts zu Papier gebracht. Ich war entweder zu uninspiriert, oder zu müde, oder zu beschäftigt.
Inzwischen gab es einige Veranstaltungen für die neuen Studenten, zu denen ich hingegangen bin. Zuerst das Treffen für die neuen internationalen Studenten. Ich denke, davon habe ich erzählt. Es gab Kaffee und Getränke, später ein kleines Paket mit Essen. Und einen Timer für dieses Schuljahr. 6 Dollar gespart.
Es folgte das Treffen für alle neuen graduierten Studenten. Wieder kostenlos Essen und Trinken gekriegt und zum Schluss wurden Preise vergeben. Ich habe (natürlich) nichts gewonnen, aber zumindest jemand an meinem Tisch. Ich habe mit drei Leuten zusammen gesessen. Ein Mädel namens Melissa von hier, die Geschichte der Kriminalistik (oder so) studiert, Mihai aus Rumänien, ein Wirtschaftler und Eric aus China, Bauingenieur. Wir haben uns verabredet, am nächsten Tag gemeinsam zu dem ersten Football Spiel der Saison der Uni-Mannschaft zu gehen, auf dem Campus. Studenten der Uni haben freien Eintritt.
Dann eine Einführungsveranstaltung für die neuen in der Biologie. Dazwischen Essen.
Außerdem einen Workshop für angehende, neue Lehrer. Es gab Süßes und Kekse und Getränke in der Pause.
Ich habe beschlossen, immer zu so was hinzugehen. Macht Spaß und man kriegt was zu Essen.
Morgen Abend trifft sich die Biologie im Park nebenan (andere Straßenseite) zum Grillen.
Wir hatten für das Football Spiel keinen genauen Treffpunkt ausgemacht, wir wollten uns einfach vor dem Stadion treffen. Ich bin etwa spät dran gewesen. Leider trafen sich ALLE Leute vor dem Stadion, und ich konnte meine Leute absolut nicht finden. Ich habe mich dann auf eine Bank gesetzt und das Spiel allein angesehen.
Hmm, einerseits ist das Spiel uninteressant, aber andererseits kann es auch spannend sein, wenn es um die letzten paar Meter geht. Jedenfalls, so ein Spiel ist ein riesiger Aufwand. Permanent lächelnde Cheerleader in kurzen Röckchen (meine Tochter trägt so was nicht!) werden von muskelbepackten Männern durch die Luft gewirbelt (beeindruckend, wie HOCH die sie werfen) oder hüpfen mehr oder weniger planlos herum und schütteln ihre bunten Puschel. Als Cheerleader muss man unbedingt lange Haare haben. Außerdem haben sie riesige Kapellen aufgefahren (die der Uni und die einer Highschool), die alle Uniformen trugen, inklusive großer Feder auf dem Hut, und blitzblanken Instrumenten. Sogar ein paar große Xylophone. Auf dem Spielfeld tummeln sich immer elf Spieler von einer Mannschaft, es warten aber noch schätzungsweise dreißig Spieler am Rand, um ausgewechselt zu werden. Das Spiel hatte alles, wie im Fernsehen. Das Stadion umringt von Fressbuden. Leute mit Zuckerwatte, Eis und dergleichen, die zwischen den Sitzreihen rumliefen und ihr Zeug verkauften. Brüllende Fans. Rentner, die alles schon mal besser gesehen haben neunzehnhundertweißdergeier. Einen obligatorisch unzufriedenen Trainer (der im Profil wie Kevin Costner aussah), der die meiste Zeit entweder die Hände auf die Hüften stützte oder einem seiner Meinung nach unfähigen Spieler gestikulierte. Mehrere Schiedsrichter, die sich allerdings gut vertragen haben (sind vielleicht alle von dieser Uni) und einem „Haupt“schiedsrichter, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Günni Arlt hatte, bis hin zur Stimme und Körpergröße. In der Halbzeit wurden irgendwelche ältlichen Footballspieler von vor 30 Jahren auf den Rasen zum Winken geschickt. Ein kleines Feuerwerk zu Beginn und wenn unsere Mannschaft gepunktet hat. Riesige Reklametafel.
Die Spieler müssen nun die Gegenmannschaft davon abhalten, weiter nach vorn durchzudringen, also näher zum Tor oder-wie-auch-immer-das-heißt. Die einfachste Möglichkeit ist eben, sie über den Haufen zu rennen. Fünf Spieler wurden vom Platz gebracht, aber wenigstens konnten vier davon ohne Hilfestellung laufen. Und man hilft den Spielern der Gegenmannschaft nicht beim Aufstehen, auch wenn man direkt an ihnen vorbei geht.
Cincinnati hat 7 zu 3 gewonnen.
Das Maskottchen fand ich gruselig. Die Football-Mannschaft von Cincinnati heißt „Bearcats“. Dieses Tier gibt es nicht, und es gibt auch keine vernünftige Übersetzung. Im Prinzip ist es eine Kreuzung aus Katze und Bär. Das Maskottchen ist schwarz und hat einen riesigen Katzenbär-Kopf. Besonders der Kopf ist unheimlich. Der stand da und hielt eines der Cheerleader im Arm, die dicke schwarze Tatze um ihre Schultern gelegt, während der Kopf sie weit überragte. *schüttel*
Ich gucke zu viele Werwolf-Filme.
Kleine Anmerkung noch. Neben mir saß eine Frau um die 65. Sie trug Ohrringe mit der Aufschrift Bearcats und eine Cincinnati Jacke. Einen Wimpel hatte sie auch dabei. Als auf der Reklametafel ein dreidimensionales C (für Cincinnati) erschien, welches sich schnell gedreht hat, war sie ganz fasziniert und hat schnell ihren Sitznachbar darauf aufmerksam gemacht. Dann hat sie wieder (mit offenem Mund) auf das C gestarrt. Ich dachte nur – Hallo?! Das ist ein blöder, sich drehender Buchstabe! Willkommen in einer technisierten Welt!
Habe ich erwähnt, dass ich wieder einen Englischtest machen musste? Diesmal ging es um meine Eignung als Lehrerin. Ich musste unter anderem eine Testvorlesung vorbereiten. Der ganze Test hat 20 Minuten gedauert. Ging schnell herum. Ich hatte nicht mal ein Drittel meiner Vorlesung geschafft. Ob ich bestanden habe? Who knows. Die Ergebnisse sollen heute da sein.
Ich bin jedenfalls schon mal eingeteilt zum Unterrichten. Zweimal die Woche. Biologie für Anfänger. Mensch, ich komme mir so autoritär vor!
wieder so allein
Heute habe ich Lukas wieder am Flughafen abgeliefert. Er konnte leider nur 10 Tage hier bleiben, aber ist besser als nichts! Das nächste Mal sehen wir uns dann zu Weihnachten. Dann werde ich ihn besuchen, und zwar ziemlich wahrscheinlich in Tokio!
Wir haben uns hier umgesehen bzw umgehört, ob er vielleicht noch ein Betriebspraktikum hier machen könnte, oder sein Studium hier beenden, oder richtig zu arbeiten nach dem Studium. Ich denke, seine Chancen stehen gut. Und ich wäre überglücklich, wenn er herziehen würde!
Auf dem Rückweg staute sich der Verkehr auf der Gegenfahrbahn wegen einem Autounfall. Sah böse aus. Ein Auto hatte sich überschlagen und lag auf dem Dach mit zerquetschtem Passagierraum, ein anderes war im Seitengraben gelandet.
Am Dienstag haben wir es doch geschafft, ein Auto erschwinglich zu mieten. Das haben wir dann genutzt, um durch die Gegend zu fahren und die ganzen Firmen zu suchen, für die sich Lukas interessiert hat.
Am Mittwoch wollten wir nach Indianapolis, eine Stadt etwa 100 Meilen von hier. Wir sind erst spät losgefahren, weil ich mittags in der Uni war. Auf der Hälfte der Strecke habe ich die Lust verloren. Wir wären mindestens 90 Minuten unterwegs, um in die Stadt zu kommen, und könnten höchstens 2 Stunden bleiben, damit wir nicht in völliger Dunkelheit zurückfinden mußten. Und ich war viel zu müde zum Fahren. Also haben wir die nächstbeste Ausfahrt genommen und sind Essen gegangen.
Auf dem Rückweg wollten wir über die Landstraße fahren statt Autobahn. Die Gegend hier ist im Vergleich zu Deutschland eher spärlich ausgeschildert. So sind wir (diesmal Lukas am Steuer, ich daneben glücklich mit einem Schokoriegel) nach Gefühl gefahren. Leider hatten wir nur eine "Cincinnati und Umgebung"-Karte dabei, also tja, was soll ich sagen: wir sind letzendlich im angrenzenden Bundesstaat gelandet. Wir haben eine ganze Weile einfach geradeaus fahren müssen, um ein Schild zu finden, welches uns wieder zur Umgebung von Cincinnati geführt hat. Wir waren dann halb 11 und eine halbe Tankfüllung später wieder zu Hause.
Am Donnerstag lief eine Einführungsveranstaltung für alle internationalen Studenten. Es begann um 8 Uhr morgens. Ich habe Lukas überredet mitzukommen, weil mir Srdjan erzählt hatte, diese Einführung beinhaltet auch eine Stadtrundfahrt im Bus. Es sind weit weniger europäische Studenten hier eingeschrieben als asiatische, besonders viele aus Indien. Wir saßen am Tisch mit einer Österreicherin, zwei Franzosen (Männchen und Weibchen; er hat auch in Paris am Flughafen festgesessen, weil er sein I-20-Formular nicht dabei hatte - wie ich damals), einem Chinesen, einem Mädel aus Pakistan oder Indien, und einem schon etwas älteren (heißt, über 30) Mann aus Indien. Lukas ist nach 2 Stunden nach Hause gegangen und hat sich wieder Schlafen gelegt. Ich bin auch nicht ganz bis zum Ende geblieben, habe mich bis dahin aber sehr amüsiert. Der Franzose hat unserem ganzen Tisch unterhalten. Das Treffen selbst war auch witzig, aber das meiste von dem, was uns gesagt wurde, wußte ich schon (weil, bin ja schon 2 Monate hier).
Mein Computer geht wieder. Wahrscheinlich ist er immernoch nicht ganz in Ordnung, denn wir wissen nicht, woran es denn gelegen hat. Ich habe mich für die Methode des Türeintretens entschieden und einfach die Festplatte formatiert und anschließend alles neu installiert.
Eine witzige Sache: der Inder, der bei der Einführungsveranstaltung mit mir am Tisch saß, ist heute in die Wohnung nebenan eingezogen. Mitsamt Frau und Kind und Mutter.
nicht mehr so allein
Mein Lukas ist am Mittwoch nach Cincinnati gekommen. Ich habe mir ein Auto von Elke geliehen, um ihn vom Flughafen abzuholen.
Selbstverständlich habe ich mich gleich erstmal verfahren. Hier in den USA sind die Strassen bzw Abfahrten anders ausgeschildert als in Deutschland, habe ich festgestellt. Heisst, man biegt nicht hinter dem Schild ab, sondern vor dem Schild. So habe ich meine Abfahrt auf die Autobahn verpasst. Ich habe nicht schnell genug reagiert, und musste geradeaus weiterfahren. Habe lange kein Schild gesehen, welches wieder auf eine Abfahrt hinwies. Nach 15 Minuten Fahren in die falsche Richtung habe ich dann an einer Tankstelle angehalten und nach dem Weg gefragt.
Auf dem Flughafen habe ich mich wieder nicht zurecht gefunden. Ich habe keine Hinweise auf die Parkplätze gesehen, also bin ich den Schildern zum Terminal gefolgt, an dem Lukas ankommen sollte. Dort konnte man natürlich nicht parken, sondern nur kurz zum Einladen halten. Ich musste also weiterfahren. Dort kam dann schon das Flughafen-Ausgangs-Schild. Ich habe ein Polizeiauto gesehen und habe daneben angehalten und nach dem Parkhaus gefragt. Man kann es zwar neben den Terminals sehen, tatsächlich muss man fast eine ganze Runde um das Flughafengelände drehen, um in das Parkhaus zu kommen, das ist alles Einbahnstrasse. Schnell noch zum Terminal gesprintet, weil ich war schon reichlich spät dran war. Zwei Minuten später kam Lukas dann auch schon.
Zu meiner Verteidigung: ich war das Erste Mal allein mit dem Auto hier unterwegs, sonst sass ich immer auf dem Rücksitz und habe mir die Gegend angesehen und nicht die Strasse. Und musste nun gleichzeitig Schilder lesen, auf die Karte gucken und nicht in andere Autos krachen.
Die Ampels stehen hier nicht direkt an den Kreuzungen, sondern hängen in der Luft gegenüber der Kreuzung. Man muss also wieder vor der Ampel abbiegen. Man darf trotz rotem Signal aber auch beliebig rechts abbiegen (wenn Strasse frei), es sei denn, es wird explizit darauf hingewiesen, es nicht zu machen. Überall stehen Stoppschilder. Die werden hier auch tatsächlich respektiert, nicht wie bei uns, wo diese gleichbedeutend mit Vorfahrt-beachten-Schildern gehandelt werden. Wenn man hier ein Stoppschild überfährt, kann das unter Umständen polizeitechnisch böse ausgehen. Genauso das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit. Ich habe gehört, man kann sich bis zu einer Nacht im Gefängnis einfangen (neben der Geldstrafe), wenn man beim Rasen erwischt wird. Rasen heisst hier (Stadtautobahn) mehr als 65 Meilen pro Stunde (sind etwa 100 km/h). Ausserdem gibt es eher wenige Vorfahrts- bzw Nebenstrassen. Wenn man an einer kleineren Kreuzung ankommt, ohne eine Ampel, müssen alle an ihrem Stoppschild anhalten und derjenige, der zuerst da war, darf auch zuerst fahren.
Ich muss sagen, die Autofahrer sind hier sehr kolant. Man wird nicht plötzlich von jemandem links überholt, der mal keine 3 Sekunden warten konnte (natürlich auf der Gegenfahrbahn) oder böse angehupt, wenn man einen Fehler macht. Auch halten die Autos grundsätzlich für Fussgänger.
Handys am Steuer sind hier nicht verboten, deshalb sieht man ständig Leute telefonieren. Allerdings haben die meisten Autos hier Automatikgetriebe, weshalb man auch eine Hand frei hat fürs Telefon. Und es besteht keine Helmpflicht auf Motorrädern.
Auf dem Rückweg vom Flughafen haben wir uns schonwieder verfahren. Noch eine Verkehrsanmerkung für amerikanische Stadtautobahnen: manche Ausfahrten sind LINKS. Wir sind glatt daran vorbei, mit einer ooh-Expression auf dem Gesicht :).
Auto bei Elke abgegeben und zu Fuss zurück. Man ist etwa 25 Minuten unterwegs von dort zu meiner Wohnung. Ich wollte Lukas aber gern die Ludlow Avenue zeigen, durch die wir hindurch mussten. Das ist eine Hauptverkehrsstrasse in meinem Stadtteil, auf der es so ziemlich alles gibt, was man braucht, und das mit romantischem Flair (schöne Häuser). Dort ist ein Supermarkt, eine Drogerie, diverse Restaurants (indisch, thailändisch, italienisch, Cincinnati-typisches Chili, Subway, Eis), einige Bekleidungsgeschäfte, ein Blumenladen, ein Möbelgeschäft, mindestens einen esoterischen Laden, ein kleines Kino (mit Markise, auf dem die aktuellen Filme stehen), einen Buchladen und eine kleine, öffentliche Bibliothek, ein Friseur, mehrere Banken und eine Bar. Das alles über 3 Blocks verteilt.
Am nächsten Tag sind wir in die Uni gegangen. Ich hatte noch ein wenig im Labor zu tun und wollte mir ausserdem meinen Gehaltsscheck abholen. Dann sind wir rüber in die Informatik und haben uns erkundigt, welche Möglichkeiten es hier für Lukas gäbe. Die Leute waren wieder einmal sehr hilfsbereit, was Lukas sehr gefreut hat. Mal sehen, was wir draus machen können.
Zurück in die Ludlow. Ich haben meinen Scheck zur Bank gebracht und dann haben wir ein paar von den Läden besucht. Und Kinokarten für "The Constant Gardener" gekauft. Nochmal nach Hause, um Essen zu kochen und dann ins Kino. Der Film war ausser von zwei anderen Mädels nur von Rentnern besucht.
Lukas wollte unbedingt ein Auto mieten, damit wir hier rumfahren können. Er hat eine Vermietung gefunden, die ziemlich billig sein soll und trotzdem gut in der Wertung abschneidet. Sie heisst "rent a heap", was soviel heisst wie "miete eine Schrottmühle". Die vermieten sehr alte Autos (deshalb billig), die sie im Falle eines Unfalls auch selber reparieren. Wir haben beschlossen, mit dem Bus hinzufahren. Zuerst Richtung Downtown und von dort aus in einen anderen Bus wieder nach Norden zu der Autovermietung. Nach über einer Stunde sind wir dann angekommen. Tja, leider konnten wir dann nichts mieten, weil wir keine Autoversicherung hatten. Normalerweise kriegt man die zusammen mit dem Auto bei der Vermietung, aber in dem Fall nicht. Ein Anruf bei einer Autoversicherung (wir dachten, schnell eine abzuschließen) war dann erfolglos, weil man keine kurzzeitigen Abschlüsse (also für 1 Woche) machen kann. Wieder in den Bus Richtung Downtown. Dort sind wir dann herumgelaufen und haben uns die Innenstadt angesehen. Ich bin zuvor erst zweimal wegen Behördengängen dort gewesen, aber hatte nie Zeit, mir alles anzusehen. Ich habe es tatsächlich geschafft, KEINEN Einkaufsbummel draus zu machen, Lukas zuliebe, der für sowas keine Geduld hat. Wir haben auch das Touristenzentrum besucht und nach weiteren Autovermietungen gefragt. Eine davon haben wir gefunden und nach den Preisen gefragt. War dann doch (mit Versicherung) reichlich teuer.
Lukas hatte die Idee mit dem Auto aber noch nicht ganz aufgegeben. Er sagte, am Flughafen gäbe es diverse Autovermietungen, die teilweise günstig sein sollen. Ich habe also wieder Elke angerufen, um mir ihr Auto zu leihen.
Ich war die ganze Zeit dafür, kein Auto zu mieten, sondern das von Elke zu nehmen (was sie mir angeboten hatte), weil wir für das nur das Benzin bezahlen müssen. Wir könnten das solange benutzen, bis sich Elke´s Babies bemerkbar machen (was jeden Tag passieren kann). Aber Lukas wollte lieber eins mieten.
Wir sind also am Samstag wieder zum Flughafen gefahren, diesmal ohne Verirrungen. Es hat sich rausgestellt, dass die Autos dort genauso viel kosten wir in der Innenstadt. Fehlanzeige.
Danach sind wir noch einkaufen gefahren. Für Lukas natürlich hart an der Schmerzgrenze.
Zu Hause angekommen habe ich leider feststellen müssen, dass irgendwas mit meinem Computer nicht stimmt. Was genau der Fehler ist, konnte mir Lukas nicht sagen (das kommt davon, dass ich mir einen Software-Spezialisten geangelt habe).
Eigentlich wollten wir gern mit Srdjan und Irena ausgehen, aber ich habe die beiden partout nicht ans Telefon gekriegt, also sind wir an dem Abend wieder ins Kino gegangen, zu "Broken Flowers". Danach waren wir eine ganze Weile spazieren.
Gestern, Sonntag, fand hier in Cincinnati das sogenannte "Riverfest" statt, anlässlich des Labordays heute. Dazu gibts irgendwelche Feierlichkeiten in der Stadt und eine abendliches Feuerwerk am Ohio River (Downtown). Irena uns Srdjan wollten nicht mitkommen, also sind wir zwei allein mit dem Bus in die Stadt gefahren. Halb Cincinnati war da. Direkt am Fluss wurde Essen verkauft, aber natürlich zu überhöhten Preisen. Wir haben beschlossen, in der Stadt erstmal was zu essen und dann zurückzukommen, wenn das Feuerwerk starten sollte.
Das Feuerwerk hat ziemlich lange gedauert, mindestens 20 Minuten, und war sehr hübsch anzusehen. Beeindruckend war auch das Echo, dass von den ganzen Hochhäusern zurückgeworfen wurde.
An den Bushaltestellen hatten sich natürlich wahre Menschenmassen angesammelt. Die meisten Leute sind mit dem Auto gekommen, aber das lässt immernoch genug Leute für den Bus übrig. Auf den ersten haben wir verzichtet, der war einfach zu voll. Wir haben uns gedacht, dem nächsten einfach entgegenzugehen, um vielleicht früher einsteigen zu können und noch einen Platz abzukriegen. Tatsächlich haben wir einen gefunden, der auch mitten auf der Strasse Leute hat einsteigen lassen (bei dem Stau in der Stadt verständlich). Wieder an der ursprünglichen Haltestelle angekommen, waren inzwischen drei oder vier Busse vorgefahren, um die Leute wegzubringen. Letztendlich lief es also doch besser.
Leider haben wir meinen Computer immernoch nicht zum Laufen gekriegt (3 ganze Tage!). Wahrscheinlich muss ich den doch zur Reparatur bringen. Hmpf.