das wäre ja beinah schief gegangen
Ich bin ja seit einigen Wochen Mitglied in einer internationalen Studentenorganisation. Wir nennen uns "Cultural Connections" (dt: "kulturelle Verbindungen"), und wir haben eigentlich nur wenige, echte Mitglieder. Damit meine ich diejenigen, die tatsächlich zu den Meetings kommen.Unser erster, selbstorganisierter Abend war dem Thema 'Salsa' zugeschrieben. Der Teil mit dem Tanzen. Zu diesem Anlass habe ich meine Latino-Freunde eingespannt, denn die sind ja bekanntlich genetisch dazu vorprogrammiert. John hat sich bereit erklärt, den DJ zu mimen, und Daniel V. (aus Mexiko) hat die Tanzinstruktionen geliefert.
Gestern hat das Ganze stattgefunden. Wir hatten einen großen Raum in der Uni reserviert. Das war einer von jenen Räumen, die durch verschiebbare Wände in kleinere Bereiche eingeteilt sind. Wir hatten uns gedacht, daß wir nur 2/3 des Raumes aufmachen, damit es nicht so leer aussieht, wenn nicht so viele Leute da sind. Sollten mehr Leute erscheinen, könnten wir immernoch die letzte Wand entfernen. Jede dieser Abteilungen hat ein eigenes Podium. Das ist die technische Basisstation, die man mit einem Computer verbindet und so das Licht, den Projektor, Lautsprecher und solches steuern kann.
Und wie soll es anders sein, aller Anfang ist schwer. John hatte mich gefragt, ob wir die Technik nicht einen Tag vorher testen sollten, aber ich war schwer überzeugt, daß das nicht nötig wäre. Er ist wie verabredet eine halbe Stunde vor Beginn erschienen, und wir haben angefangen, seinen Laptop mit dem Podium des mittleren Raumes zu verkabeln. Projektor hat funktioniert, aber es kam nichts aus den Lautsprechern. Nach ewigen Herumfummeln und Kabel überprüfen (eine halbe Stunde nach offiziellen Beginn) hat sich herausgestellt, daß es überhaupt kein Kabel gab, das das Podium mit den Lautsprechern verbindet.
Zu dieser Zeit waren schon die ersten Leute da. Ich habe alle zum Buffett geschickt und mich für die technischen Probleme entschuldigt.
In der Zwischenzeit haben sich mein Daniel und ein paar andere zusammen getan und sind zum Haus der Kolumbianer gefahren, um Johns Lautsprecher zu holen. Für den Fall, daß wir es nicht hinkriegen.
Wir haben es dann mit dem zweitem Podium versucht, im ersten Raum. Dieses Podium ließ sich garnicht erst starten. Wir haben das mittlere Podium herübergeschoben, nur um feststellen zu müssen, daß das auch nicht geht, weil das Schaltbrett im Boden (mit all den Steckplätzen) und ein Podium jeweils spezifisch aufeinander abgestimmt sind.
Letzte Chance, Podium in der letzten Raumabteilung (die wir vorher zugemacht hatten). Dem armen John war längst die Lust vergangen. Irena, unsere Clubpräsidentin (und, übrigens, Ehefrau meines Laborpartners Srdjan), wollte schon aufgeben.
Johns Laptop wurde an das Podium angeschlossen, und mit dem Projektor verbunden. Die Verbindung ist nötig, um das Podium kontrollieren zu können. Leider hat der Computer kein Signal vom Projektor empfangen, und wir mußten den Laptop einige Male neu starten, um die Verbindung zu etablieren. Der Computer ist allerdings schon etwas älter, und es dauert eine Weile, bis er herunter- und wieder hochgefahren ist. Manchmal fuhr er garnicht erst vollständig hoch. Der Projektor bleibt ebenfalls nur für fünf Minuten an, wenn er keine Antwort von einem Computer kriegt. Er schaltet dann automatisch ab, und muß erstmal abkühlen, bevor man ihn wieder anschalten kann. Das dauert einige Minuten. Computer und Projektor sind also um die Wette hoch- und heruntergefahren, haben sich aber nie getroffen....
In der Zwischenzeit haben einige der Gäste aufgegeben und sind gegangen. Die Party war offiziell schon fast eine Stunde im Gange. Und noch immer keine Musik.
Unser Instruktor hat vorgeschlagen, schonmal mit den Schritten anzufangen, um die Leute zu beschäftigen. Das war eine großartige Idee! Die Leute im Raum haben sich aufgestellt und sind Daniels Anweisungen gefolgt, und schienen viel Spaß zu haben. Die Tatsache, daß wir keine Musik hatten, war im diesem Augenblick nebensächlich. Die meisten der Gäste waren indische Jungs. Als es dann zu den Partnerübungen kam, blieb ihnen aus Mangel an Mädels nichts anderes übrig, als ihren männlichen Nachbar zu nehmen. Zuerst taten sie etwas geziert, aber später, als mehr Mädels zur Verfügung standen, haben sich die Jungs trotzdem lieber an ihren männlichen Freunden festgehalten. (Kein Wunder, daß in Indien viele Hochzeiten immernoch arrangiert werden müssen - die Jungs kriegen das ja allein nicht hin!)
Gerade als Daniel mit den Übungen fertig war, kamen die Jungs mit den Lautsprechern zurück. Was'n Timing! Die gerade gelernten Schritte konnten nun in einer lebensechten Situation erprobt werden.
Die nächsten zwei Stunden liefen glatt über die Bühne. Es haben zeitweise mehr Leute getanzt als in der Ecke gesessen. Ich habe mir meinen Schatzi gegriffen und eine flotte Sohle auf die Auslegware gelegt.
Gegen 10 Uhr sind die meisten Leuten nach Hause (oder zu einer anderen Party) gegangen und wir hatten nur noch eine Handvoll Leute übrig. DJ John war extrem gelangweilt, für so wenig Leute zu spielen. Um 11 haben wir zusammengepackt, und haben die letzten vier Leute nach Hause geschickt.
Im Großen und Ganzen war es ein gelungener Abend, glaube ich. Einige Leuten haben mir gesagt, daß sie viel Spaß hatten, und daß wir alles gut organisiert hätten. Also nicht schlecht für den ersten Versuch! Wir haben jedenfalls beschlossen, nächsten Monat oder so nochmal eine solche Party zu schmeißen. Dann bringen wir auch gleich zu Anfang unsere eigenen Lautsprecher mit.

0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home