Mittwoch, Juni 28, 2006

ich habs hinter mir

Gestern um 11 Uhr hatte ich mein erstes Komitee-Treffen. Als Diplomand/Doktorrand ist man verpflichtet, sich einen Betreuerstab aus drei bzw. fünf Professoren zusammenzustellen, und sich mit den einmal pro Jahr (normalerweise im Sommerquarter) zu treffen und die Diplom-/Doktorarbeit zu besprechen. Im ersten Jahr stellt man das Projekt vor, in darauffolgenden Jahren dann den Fortschritt. Das allererste Treffen ist natürlich sehr wichtig, denn man muß erstmal diese Leute als Betreuer rekrutieren. Dazu sollte man sein Projekt so interessant wie möglich machen.

Bei den Amerikanern funktioniert das nach einem einfachen Konzept: baue nette Animationen ein. Meine Profs in Rostock konnten Präsentationen nicht ausstehen, bei denen irgendwas blinkt, oder von der Seite reinschwebt oder sonst irgendwelche hektischen Bewegungen macht. Meine Profs hier waren hin und weg von meiner Präsentation. Nicht, daß es hektisch war. Ich habe ein paar niedliche, aber brauchbare Animationen eingebaut. Zum Beispiel verliebt dreinblickende Insektenmännchen, die sich ihrer Angebeteten nähern - wie romantisch ;).

Schwer beeindruckt habe ich meine Profs erstmal mit dem Frühstück, das ich vorbereitet habe. Dr. John (einer meiner Betreuer; er hat das Labor nebenan. damit man ihn von Kolumbi-John unterscheiden kann, nenne ich ihn 'Dr. John') hat über mein kleines Büfett lustig gemacht. Er meinte, es wäre typisch deutsch, Käse und Wurst zum Frühstück aufzutischen. (Jetzt keinen falschen Eindruck kriegen, Dr. John ist cool!) Ich erinnere mich, daß Mike das auch mal gesagt hatte, als wir zusammen bei mir zu Hause gefrühstückt haben.

Der Vortrag an sich lief sehr gut. Meine Nervosität war weg, sobald ich angefangen hatte zu reden. Zwischendurch wurden immer mal Fragen gestellt, die ich ohne Probleme beantworten konnte. Anschließend haben wir alle zusammen eine Art wissenschaftlichen Smalltalk gehabt. Sie fragten, wie ich mir meine Zukunft als Wissenschaftlerin vorstellen würde, und wir diskutierten, welche Kurse ich noch belegen sollte. Dazu kamen einige nette Anekdoten von diesem und jenem Prof. Das ganze Treffen ging einfacher über die Bühne, also ich mir das vorgestellt hatte.

Ich habe bei der Gelegenheit um Erlaubnis gefragt (und die auch bekommen), einen Sprachkurs zu machen. Da man hier für alle Kurse bezahlen muß und die Uni meine Studiengebühren übernimmt, brauche ich die Zustimmung meines Komitees, wenn ich einen Kurs belegen will, der außerhalb meines eigentlichen Faches liegt. Scherzkeks Dr. John hat natürlich wieder einen Kommentar abgegeben. Er sagte, ich würde schon lange genug in diesem Land leben, um zu verstehen, daß Amerikaner bemüht sind, keine andere Sprache als ihre eigene zu sprechen.