die erste Woche
Ich werde ja von der Uni dafür bezahlt, daß ich Studenten unterrichte. Die graduierten Studenten, also die hier ihr Diplom oder den Doktor machen, sind zuständig für die Praktika. In meinem Fall ist es Freshman Biology (Basiskurs für Biologen).Ich habe zwei Kurse pro Woche. Es sind dreihundertoderso Studenten, die diesen Kurs belegen, also laufen immer 3 Praktika parallel, vormittags uns nachmittags. Wir alle (heißt, alle Lehrer) haben zwischen 20 und 25 Leute pro Kurs.
Dienstag Nachmittag durfte ich das erste Mal Lehrerin spielen. 22 Achtzehn- und Neunzehnjährige, die total gelangweilt aussahen; und ich war total nervös. Ich muß sagen, es lief nicht besonders gut. Ich bin mit der Sprache ins Holpern gekommen, habe den Stundenplan durcheinandergebracht, ein paar Dinge vergessen, die ich machen sollte, und nicht alles geschafft. Die werden sich sicher gefragt haben, was ich da vorn mache. Ich habe es allerdings auch geschafft, meine Studenten zum Mitmachen zu animieren.
Ich war am Ende so erledigt, daß ich nicht mal die Kraft hatte, mir selbst Vorwürfe zu machen, daß ich schlecht war.
Es war ziemlich anstrengend, denn der Kurs dauert fast drei Stunden. Ich mußte mir anschließend erstmal etwas Energie in Form eines Schokoriegels zuführen. Die technische Assistentin hat mir aber versichert, daß das erste Mal immer mies läuft, das zweite Mal dann aber deutlich besser.
Und so war es dann auch. Mein zweiter Kurs ist Donnerstag nachmittags. 24 Studenten. Diesmal habe ich mich an den Plan gehalten, mein Englisch war besser (natürlich bin ich noch nicht perfekt), meine Studenten haben mitgearbeitet und auch was gelernt (hatte ich den Eindruck). Und ich habe alle Aufgaben vollständig abgearbeitet. Es hat mir sogar Spaß gemacht. Ich war zufrieden mit mir.
Ich habe auf dem Campus einer meiner Studenten aus dem Dienstagskurs getroffen. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihn seinen Augen eine traurige Vorstellung abgegeben habe. Er meinte, daß ich so schlecht nicht gewesen bin, denn er hat verstanden, was ich ihm beibringen wollte. Das hat mich auch wieder aufgemuntert.
Fällt es auf, daß ich ständig von “meinen Studenten” rede? Ich liebe das. Ich fühle mich so verantwortungsbewußt und autoritär!

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