krank zur Valentinsparty
Wir haben auf dem Campus ein neues "Fitness-Studio". Das sogenannte Recreation Center, mit Feldern für irgendwas (zu groß für Basketball), Laufbahnen, Kletterwänden, Geräten und Gewichten, und einer Schwimmhalle. Letzten Sonntag wollten wir letztere ausprobieren. Es gibt zwei verschiedene Becken, ein richtiges, tiefes Schwimmbecken und eins mit hüfthohem Wasser zum Plantschen. Das große Becken hat am Rand keinen Absatz; wenn man also ausgepowert ist und einene Pause machen will (nach anderthalb Bahnen), muß man sich am Rand festkrallen, um nicht zu sinken. Das Wasser ist auch viel kälter. Ich bin trotzdem ein paar Bahnen geschwommen, wegen Sport machen und so. Dann wieder zurück in das andere Becken. Dort gibt es nämlich auch einen beheizten Whirlpool :P. Ich habe mich auch auf einen der Schwimmringe gelegt und habe mich durch den Strömungskanal treiben lassen. Und immer mal wieder ins heiße Becken zum Aufwärmen.
Danach waren wir Pizza essen. Und dann noch bei Veronica zu Hause und haben einen Film gesehen. Ich hatte einen tollen Tag!
Aber dann: Am Dienstag bin ich aufgewacht, mein Kopf war zu schwer zum Anheben und ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um aufzustehen. Mir war total schwindelig und ich mußte mich erstmal wieder hinlegen, weil ich sonst umgekippt wäre. Hatte die Nacht davor kaum geschlafen. Eigentlich hätte ich in die Uni gehen müssen, weil ich Sprechstunde hatte. Stattdessen habe ich den Professor angerufen und gesagt, ich wäre krank. Ich habe mich dann nochmal für 3 Stunden schlafen gelegt. Am Nachmittag mußte ich dann doch in die Uni, weil ich eine Vorlesung mit anschließendem Praktikum hatte. Und am Donnerstag eine Prüfung in dem Kurs, also wäre es keine gute Idee gewesen, nicht hinzugehen.
Ich habe mit Veronica gesprochen, und ihr gings an dem Tag genauso. Die Jungs, mit denen wir schwimmen waren, sind kerngesund. Wir beiden Mädels sind schon die ganze Woche krank. Ich habe aber wenigstens kein Fieber, Vero hats da schlimmer erwischt. Bei mir ist es Husten. Und meine Stimme klingt nach Erkältung. Oh je, und ich muß damit unterrichten. Ist eh schon schwer genug, laut genug zu sprechen, um die Lüftung zu übertönen (die man nicht abschalten kann). Wenn das so weiter geht, kann ich nur noch auf die Präsentation zeigen, ein wichtiges Gesicht machen, und meine Studenten selber lesen lassen.
Veronica und ich hatten uns gedacht, eine Valentinsparty zu organisieren.

Sie wollte dann auch gleich eine Orgie haben (ich war jedenfalls dabei), aber wir haben uns dann doch dagegen entschieden. Trotzdem, ich meinte, es wäre ganz lustig, wenn alle irgendein Kleidungsstück in pink tragen. Also haben wir diese Regel aufgestellt. Schließlich ist der Valentinstag absolut pink!
Gestern, also Samstag, fand dann die Party statt. Am Anfang waren wir ganz wenige Leute. Das ist eigentlich immer so. Wenn man sagt, die Party fängt um 10 an, kommt kaum jemand vor 11.30 Uhr.

Das Büro für internationale Studenten macht gern Veranstaltungen, in denen es irgendwelche Spiele gibt, bei denen man sich näher kommen soll. Nicht im Sinne von Pärchen, sondern einfach mit anderen Leuten reden. Das Ganze läuft dann für gewöhnlich sehr zurückhaltend ab, weil die

meisten der Studenten Inder sind, und die heften den Blick eher auf den Boden als auf ein weibliches Gegenüber.
Uns unterhalten tun wir sowieso, also hatte ich die Idee, irgendwelche Herzchenspiele zu machen, wegen Valentinstag. Ganz im Sinne des ISSO. Ich habe Herzchenaufkleber besorgt, und jeder sollte drei kriegen und die an irgendjemandem feststecken. Am Besten an drei verschiedenen Leuten. Die Herzchen wurden allerdings ziemlich wahllos verteilt; ich selber hatten zum Schluß Herzen von Leuten, deren Name ich nicht kannte. Und letztendlich hatte jeder mehr als drei, ich hatte genug für alle.
Am Ende wurden wir vom Sicherheitspersonal rausgeschmissen. Die meinten, wir hätten genug gefeiert.
Meine Stimme war letztendlich völlig hinüber; ich konnte nur noch krächzen.
massenhaft Kultur

Am Freitag bin ich doch tatsächlich mal zu Hause geblieben. Ich habe mir was Leckeres zu Essen gekocht, habe eine Riesenportion gegessen, ... und bin dann auf meinem Sofa eingeschlafen.
Am Samstag war ich allerdings fast den ganzen Tag nicht daheim. Volles Programm: mit einem Kollegen aus der Biologie in den Botanische Garten (er ist Botaniker, hatte also meinen eigenen Führer dabei), danach haben wir Frühstück gegessen und sind anschließend in ein Kunstmuseum gegangen.

(Foto rechts: Afrikanische Puppe; Foto links: Spätes Ägypten, die Figuren sind etwa 2 cm groß).
Dort wurden wir kurz vor 5 rausgeschmissen, weil erstens das Museum um diese Zeit schließt and außerdem dort eine Hochzeit stattfinden sollte. Allein die Blumenbouques sahen nach sehr viel Geld aus. Das halbe Museum wurde speziell für den Anlaß gemietet, was bestimmt nicht billig war.
Die Braut kam rein als wir gerade rausgingen. Sie sah aus wie Anfang 20. Der Bräutigam stand draußen vor der Tür. Der war so in den Vierzigern. Wie gesagt, sehr kostspielige Hochzeit ;). Irgendwas mache ich falsch in meiner Männerwahl...
Wir sind dann außerdem noch herumgefahren und haben uns reiche-Leute-Häuser angesehen. Wenn ich meinen zukünftigen Ehemann gefunden habe, ziehe ich in das da:

Am Abend war ich auf dem Campus. Diese Woche wurden "die Vagina Monologe" aufgeführt. Es war unterhaltsam, und gleichzeitig schockierend. Schockierend nicht, weil sie über Vaginas geredet haben, sondern der Teil über Mißbrauch und Vergewaltigung. Ich denke, ein großer Teil der Männer im Publikum haben sich geschämt, ein Mann zu sein ;).
Ich hatte mir an diesem Tag soviel kulturelle Bildung zu Gute kommen lassen, da muß man auch darüber reden. Und wo kann man das besser als auf einer Party?!
Ich bin allerdings nur bis um 2 oder so geblieben, ich war nicht mehr so fit. Das Haus war voll mit Leuten aus allen möglichen Ländern!

Das sieht irgendwie nach Deutschland aus, oder? Fand ich jedenfalls, (und habe einen Moment lang Heimweh gehabt).

mein Gewicht in Insekten
Ich belege dieses Quarter einen Zoologiekurs. Am Dienstag hatten wir lebende Blutegel da. Der Prof sagte, es würde sich immer jemand finden, der sich einen ansetzt und sich so in den Mittelpunkt der Klasse stellt. Nu ratet mal wer!?
Uns wurde gesagt, die Egel hätten eine ganze Woche gehungert und würden sicher gleich auf uns anspringen. Ich habe meinen Egel erstmal eine Weile gepokt, aber er hat sich immer nur zusammengekringelt. Aber ich muß sagen, die fühlen sich wirklich sehr weich an. Nach einer Weile, mein Finger wurde schon ganz schrumpelig, habe ich dann versucht, meinen Egel aus dem Wasser zu hebeln. Er hat auch nicht angebissen. Dann habe ich ihn herausgenommen und direkt auf meine Handfläche gelegt. Er ist zwischen Hand und Unterarm herumgekrochen, aber er hat wieder nichts gemacht. Ich habe gedacht, ich habe ihn durch mein Herumfummeln vielleicht nur nervös gemacht und habe mir einen neuen genommen und auf meinen Arm gesetzt. Der wollte auch nicht knabbern. Ich war so enttäuscht! Am Donnerstag haben wir in dem Kurs eine Prüfung geschrieben. Danach sind wir mit dem Prof in den Zoo, wahrscheinlich zum Abreagieren gedacht. Ins Insektarium. Ich hatte gehofft, wir dürfen da mal was anfassen (die haben Fauchschaben, und auch Vogelspinnen, Skorpione und diese süßen Tausendfüßler aus Afrika), aber der Verantwortliche hatte keine Zeit für eine Führung. Es gibt dort auch die große, tropischen „bullet ants“, übersetzt etwa „(Gewehr-)Kugelameisen“. Die heißen so, weil ein Biss von denen sehr schmerzhaft sein soll; es fühlt sich an, als wäre man angeschossen worden. Der Prof hat erzählt, letztes Jahr wollte ein Student unbedingt gebissen werden. Später hat sich herausgestellt, er wollte auf diese Weise nur der Prüfung entgehen…
(Übrigens, im Deutschen heißen die „24-Stunden-Ameisen“, weil der Schmerz bis zu 24 h anhalten kann.)
Die haben dort auch eine Waage, die einem das Gewicht in Insekten anzeigt. Ich wiege 27 Millionen Insekten! Das letzte Mal habe ich 30 Millionen gewogen. Das bedeutet, ich habe DREI MILLIONEN Insekten abgenommen. Das ist doch mal eine interessante Art, das eigene Gewicht zu sehen. Und den Abnehmerfolg zu betonen!
Danach habe ich mich zu meinem wöchentlichen Filmabend begeben. Wir haben einen Film aus Venezuela gesehen – „Secuestro express“ (2005). Es geht um diese kurzzeitigen Entführungen (secuestro express) in Lateinamerikanischen Ländern. Leute werden für zwei, drei Stunden verschleppt, die Entführer plündern die Bankkonten und erpressen Geld von Angehörigen. Laut Kommentar machen manche Leute das als eine Art Job und schaffen bis zu drei Entführungen in einer Nacht. Das passiert wohl gar nicht so selten. Veronica hat erzählt, ihre Cousine ist mal für ganze zwei Monate entführt worden. Inzwischen geht es ihr wieder gut, aber damals war es natürlich schrecklich.
Ich habe meine Kolumbianer gefragt, ob das in ihrem Land auch passiert. Sie meinten, es komme vor, aber die Situation hätte sich schon gebessert. Das ist sicher wieder so ein typisches Vorurteil gegenüber Lateinamerika. Mafe ist mal von dem komischen Inder gefragt worden, ob sie mal als ‚Mule’ gearbeitet hat. Für alle, denen das nichts sagt; das ist ein abfälliger Begriff für Menschen, die Drogen in ihrem Magen schmuggeln. ‚Mule’ heißt ‚Esel’. Das sind größtenteils arme Leute, die ihr Leben riskieren, um ein bisschen Geld zu verdienen. Es gibt übrigens einen sehr guten Film zu dem Thema – „Maria voll der Gnade“. Mafe fand die Frage natürlich nicht so charmant.
Am Freitag waren Frances und ich zum vorgezogenen Geburtstag von einem Kollegen eingeladen. Frances hatte beschlossen, nicht mitzukommen.
John hatte sich bei mir gemeldet, auf der Suche nach einer Party. Ich habe ihn gefragt, ob er und Daniel mich stattdessen begleiten wollten. Ich habe dann noch Mike Bescheid gesagt, weil der auch nicht einfach nur zu Hause bleiben wollte.
Eine halbe Stunde vor Abfahrt hat John angerufen und gesagt, er und Daniel würden doch lieber zu Hause bleiben, weil sie am Montag eine Prüfung hätten und lernen müssten. Als ich Mike davon erzählt hatte, ist ihm plötzlich eingefallen, dass er auch noch was zu tun hat. Ich hatte eigentlich vorgehabt, meine Kollegen zu beeindrucken, indem ich mich drei hübschen Jungs auftauche, und dann werde ich in letzter Minute von allen dreien versetzt!
John und Daniel haben sich trotzdem angeboten,
mich hinzufahren. Wir haben uns erstmal total verfahren. Wir haben über eine Stunde gebraucht, um dort anzukommen, obwohl es eigentlich nicht länger als 15 Minuten benötigt. Aber es war sehr lustig dabei. Die beiden wollten sich bei der Gelegenheit eine Flasche Whiskey besorgen und sich beim Lernen die Kante geben. Wir haben an einem „liquor store“ gehalten, einem Laden, in dem es nur Alkohol gibt. Dort standen 2 schmale Kühlschränke mit Cola, der Rest des (sehr großen) Ladens bestand nur aus Regalen mit Alkohol.

Die Schnapsflaschen haben hier tatsächlich Henkel! Manche sind dazu sogar noch aus Plastik! Ist ungemein praktisch, wenn man schon ziemlich besoffen ist. Die Flasche fällt einem nicht so leicht aus der Hand, und wenn doch, dann geht sie wenigstens nicht kaputt!
Die Party fand in einem riesigen Haus statt, welches
zu einer Art Club umfunktioniert wurde. Es gab live Musik. Im Erdgeschoss wurde etwas gespielt, das sich am ehestens als ‚Dixieland’ beschreiben lässt (rechts). Außerdem gab es einen Raum mit Billiardtischen, aber wir haben dann doch nicht gespielt.
Im ersten Stock war die eigentliche Party. Das ganze war im Stil der 50er Jahre gehalten. Die Band spielte 50er Jahre Rock’n’Roll, und die alle waren passend angezogen: die Mädels in pastellfarbenen, flauschigen Kleidern mit zig Unterröcken, gerahmte Brillen und diesen klobigen, hochhackigen Schuhen. Die Jungs mit engen Jeans, Lederjacken, Cowboyboots und zurückgegelten Haaren, mit Elvislocke. Es wurde auch entsprechend getanzt.
Hat sehr viel Spaß gemacht! Und ich habe zwei neue Luftballon abgestaubt, pink und hellgrün! Leider machen die schon schlapp heute.
Übrigens, Ihr könnt alle Fotos in Originalgröße ansehen. Einfach draufklicken.
Geburtstagsgruß
Liebste Familie, ich habe mich leider nicht bei den Geburtstagskindern gemeldet. Entschuldigung.
Deshalb hier:
Alles Gute zum Geburtstag, Tante Gawi!
Alles Gute zum Geburtstag, Tante Ilka!
Alles Gute zum Geburtstag, Opa!
Alles Gute zum Geburtstag, Onkel Torsten!