beinahe Sommer
Das Quarter naht sich dem Ende und ich könnte jetzt mal wieder öfter ausgehen. Hinderlich ist nur die Tatsache, dass kaum noch jemand da sein wird, wenn ich Zeit zum Ausgehen haben. Sehr viele der internationalen Studenten waren nur für ein Jahr hier, und die fliegen jetzt nach Hause zurück. John und Daniel werden den ganzen Sommer in Kolumbien verbringen; die kommen aber wenigstens zurück. Vero ist für einen Monat weg… Tja, jetzt muss ich wohl doch meine Zeit im Labor verbringen und an meiner Dissertation arbeiten ;). Nein im Ernst, ich bin reichlich motiviert, und habe sogar eine genaue Vorstellung, was ich machen werde! Das ist auch die Zeit im Jahr, in der alle Diplomanden/Doktoranden sich mit den Mitgliedern ihres Graduiertenkommitees, in anderen Worten Betreuer, zusammensetzen und ihr Projekt diskutieren. Für Frischlinge wie mich heißt es erstmal, ein Komitee zusammenzustellen. Zweck des Ganzen ist, ‚richtigen Biologen’ meine Idee vorstellen, wie ich das anzugehen gedenke und gegebenenfalls eines Besseren belehrt zu werden. Die müssen meinem Projekt zustimmen. Wenn nicht, muss ich mir ganz schnell was Neues ausdenken. Wenn ich bis Ende August nicht offiziell forsche, fliege ich hier raus. In dem Fall: Mama, ich komm nach Hause!
Aber zurück zu den Parties. In den letzten Wochen war ich nicht so viel aus, aber zu eins, zwei Parties sind wir dann doch gegangen. Die erste Party, vor 2 Wochen oder so, war in Ludlow, die Straße, die quasi das Zentrum dieses Stadtteiles ist. Dort gibt’s einen Supermarkt, ein Kino, indische Restaurants in konzentrierter Form, und mehr. Das Apartmentgebäude, in dem die Party stattfinden sollte, habe ich mal besucht, als ich nach einer Wohnung gesucht habe. Hausflur mit Marmortreppe, macht schon mal Eindruck. Recht große Wohnungen, mit hoher Decke und großen Fenstern. Kamin im Wohnzimmer. Manche Wohnungen haben sogar einen Balkon.
Jedenfalls, erstmal mussten wir den richtigen Eingang finden. Vor dem Haus warteten schon ein paar Leute, die auch nicht sicher waren, wo genau die Party zu finden ist. Die Tür war zu. Zum Glück war eine der Klingeln ausgeschildert.
Um es gleich vorweg zu sagen, wir sind nicht so lange geblieben. Nicht, dass die Party schlecht war. Aber meine Jungs hatten nicht wirklich Zeit zum Feiern, da eine große Prüfung anstand. Die Musik war gut, und wir haben ein wenig getanzt. Das Highlight der Party war jedoch dieser Raum:
sinngemäße Übersetzung: Raum fürs Rumknutschen. Bleib nicht zu lange drin, und respektiere die Privatsphäre der anderen.
Ich habe meinen Liebsten leider nicht dazu überreden können, dort reinzugehen.
Jetzt reichts, ich lern Spanisch!
Ich hänge dauernd mit den Latinos zusammen. Mein Problem ist, daß die früher oder später anfangen, sich auf Spanisch zu unterhalten, und ich dann nichts mehr mitkriege. Die lachen sich schlapp über die Kommentare eines anderen, und mir entgehen die ganzen Witze. So auch an diesem Tag. Daniel und John hatten einen kolumbianischen Freund zu Gast, und Veronica's Freund war zu Besuch. Letzterer ist US-Amerikaner, aber spricht fließend Spanisch. Mit anderen Worten, ich war die einzige im Haus, die kein Spanisch versteht. Das ist natürlich übel für mich, denn wer nimmt schon auf eine Minderheit Rücksicht?
Vero hatte beschlossen (einen Tag vorher, zum Entsetzen der Kolumbianer), daß die Kolumbianer für alle kochen sollen. Da die Jungs sich nicht trauen, Veronica zu widersprechen, mußten fix alle Zutaten besorgt werden. (Na, so schlimm war es auch nicht.)
In der Küche war kein Platz mehr, Hilfe brauchten sie sowieso nicht, und es haben da eh alle in einer mir größtenteils unverständlichen Sprache geredet. Da bin ich nach nebenan ins Wohnzimmer gegangen und habe ferngesehen. Eine kolumbianische Seifenoper, natürlich auf Spanisch. Was 'ne Ironie.
Lots o' Kolumbianer, von rechts, John, Daniel, Veronica (Venezuela), Nate (ihr Freund, USA), Juan, und Mauricio.
Danach waren wir so vollgefressen, daß Daniel und ich ein Nickerchen gemacht haben. Für zwei Stunden oder so. Zum Glück haben uns die anderen was vom Abwasch übergelassen.
P.S. Ganz im Ernst, ich habe mich für einen Sprachkurs eingetragen. Ich wollte sowieso mal eine neue Sprache lernen, und Spanisch ist praktisch, weil es quasi die zweite Sprache in diesem Land ist. Und ich werde reichlich Gelegenheit zum Üben haben. Die wichtigsten Schimpfwörter kann ich schon :D.
Exklusiv Foto!
Veronica war ganz traurig, weil ich kein Hutfoto von ihr hatte. Ich habe etwas herumgefragt und doch noch eins organisieren können. Vielen Dank an Sandrine!
Veronica was sad that I didn't have a picture of her wearing that hat. So I asked some people and came up with this one. Thanks to Sandrine!
Vero, here you are!
Parties mit mexikanischem Thema
Gut, das ist jetzt schon drei Wochen her, aber ich finde die folgenden Bilder zu gut, um sie nicht in meinen Blog zu stellen. Also, Freitag vor 3 Wochen waren wir zu einer 'Fiesta Mexicana' eingeladen. Hieß so, weil sie von Mexikanern veranstaltet wurde. Es gab Musik aus Mexiko, im Hintergrund liefen mexikanische Filme in Endlosschleife (allerdings gute Filme wie 'amores perros'), und reichlich Tequila. Das Allerbeste war allerdings dieser Hut! Ich habe alle so lange bequatscht, bis sie mit dem Hut posiert haben. Macht sich gut in einer Bilderserie, oder was?

Nadine

Daniel

Sandrine

Wladimir

Kathi

Mike

Silvana
Ich hätte den Hut am Liebsten mitgehen lassen.
Aber es kam noch besser. Freitag vor einer Woche bin ich mit meinen beiden Kolumbianern und Erika auf eine Salsa-Party gegangen, die von dem Büro für internationale Studenten organisiert wurde. Wir sind relativ spontan, und irgendwie auch erst kurz vor Schluß erschienen. Ich habe den halben Abend mit den Jungs auf deren Veranda verbracht, Kartoffelchips essen und über kolumbianische Seifenopern und die Form von Wolken sinnieren. Ich habe freudig verkündet, daß diese und jene Wolken wie Lungengewebe aussehen ..... ein sicheres Zeichen, daß ich sehr viel Zeit am Mikroskop verbringe. Wir sind auf der Party aber auch noch zum Tanzen gekommen (das Buffet war allerdings leer). Zum Schluß habe ich mir die Ballons geschnappt, die von der Deko noch übrig waren. Ich habe einen der Veranstalter gefragt, ob ich die haben dürfte. Ein paar Ballons waren an einem (mexikanischen) Hut befestigt. Als ich gerade dabei war, sie herauszufädeln, meinte er, ich könne den Hut auch haben. Ich war so glücklich! Ich habe den die ganze Zeit auf dem Weg nach Hause getragen. Ich hatte einen übergroßen Pullover an, die ich von John geliehen hatte, trug Sandalen, und den Hut. Zusammen mit den Ballons, die ich an meinem Arm festgemacht hatte, ergab das ein unglaublich cooles Outfit! Auf dem Weg zu mir nach Hause wurden wir ständig von Leuten angesprochen. Autos haben im Vorbeifahren gehupt. Ich habe den Hut auch am nächsten Tag getragen, auf der Straße und im Park, und beim Einkaufen. Keine Hemmungen, auch wenn die Kinder mit dem Finger auf einen zeigen!