Mittwoch, Juli 26, 2006

mein Absprung - ANGUCKEN !!!

Mein Freund Vivek hat während seines Fallschirmsprunges ein Video aufnehmen lassen, welches teilweise online zu sehen ist. (Mir war das zu teuer). Allerdings waren wir beide im selben Flugzeug, und ich bin vor ihm raus. Ich bin daher teilweise in seinem Video. Das wichtigste überhaupt, hier könnt ihr sehen, wie ich aus dem Flugzeug spinge!!!

Cool, wah?

Sonntag, Juli 16, 2006

mit 200 Sachen gen Erdboden

Eigentlich schulde ich Euch noch den New York Bericht, aber gestern habe ich etwas gemacht, was noch viel cooler ist. Deshalb kommt das mal zuerst. Ich war Fallschirmspringen! Das heißt, wir. Alle 14 Leute auf dem Foto. Ich hatte zu Anfang 13 gezählt, aber es ist ja keine schlechte Sache, wenn man mit mehr Leuten unten ankommt, als vorher da waren. Jedenfalls besser als einer weniger. Irgendjemand ist auf die Idee gekommen, Fallschirmspringen zu gehen, und hat in unserer Gruppe nachgefragt, wer noch mitmachen will. Ich habe erstmal abgewunken. Ich und Höhe. Dann sind aber alle meine Freunde eingestiegen, und ich habe mich von denen bequatschen lassen. Ich habe mir jetzt vorgenommen, jede Chance zu ergreifen, die sich mir bietet, etwas zu erleben. Das geht zwar ziemlich ins Geld nach einer Weile, aber ich muß das machen, solange ich noch kann. Ich rase ja auch schon auf die 85 zu.

Wir sind dann also nach Greensburg, Indiana gefahren. Als wir ankamen, hat man schon winzig aussehenden Fallschirme am Himmel ausmachen können. Ziemlich hoch, also. Zum Check-in haben sie uns einen kurzen Film gezeigt, wie man sich beim Springen verhalten muß. Außer Mike, der einmal gesprungen ist, waren wir alle noch jungfräulich. Deshalb haben wir auch den Tandemsprung gebucht, bei dem man einen erfahrenden Instruktor auf den Rücken geschnallt kriegt, der im Grunde genommen die ganze Arbeit macht. Man muß nur machen, was der einem sagt, und man kommt theoretisch heil unten an.
Zuerst der ganze Papierkram. Zehn Seiten oder so mit Paragraphen, daß man die Veranstalter bei Verletzungen oder Tod nicht verklagen darf, und solche Sachen. Auf dem Sprunggeschirr kleben Zettel, daß es passieren kann, daß die Fallschirme nicht aufgehen. Zum Überfluß rannte da noch ein Mann herum (der offensichtlich zu den Angestellten gehörte), der ein morbides T-Shirt trug ("Wenn es beim ersten Mal nicht gut geht, ist Fallschirmspringen nichts für Dich!") Ich fand das Shirt natürlich cool.

Wir wurden irgendwie in Gruppen aufgeteilt. Vier Tandemspringer pro Flugzeug, das abgehoben ist. Die sind alle 15 min oder so gestartet. Ich war eine der ersten, denen das Geschirr angezogen wurde. Mein Instruktor war ein älterer Mann namens Jay, der einen halben Kopf kleiner war als ich und mit Sicherheit auch um einiges leichter. Ich fand ihn sehr nett. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch nicht gewußt, wie berühmt er außerdem ist. Ich bin mit dem Mann gesprungen, der 2003 den Weltrekord für die meisten Fallschirmsprünge an einem Tag aufgestellt hat (534 Sprünge in 24 h). Wow!

Da waren eine Handvoll Instruktoren, die die ganze Zeit rauf und runter gegangen sind, mit einem 'Fallschirmtouristen' nach dem anderen. Für meinen war ich schon der 14. Sprung an diesem Tag.
Da bin ich also ins Flugzeug gestiegen. Dort drinnen gab es zwei lange Bänke, auf denen die Neuspringer vor ihren Instruktoren sitzen. Das macht das Zusammenschnallen nachher leichter. Jay hat sich mit mir unterhalten, bis wir die richtige Höhe erreicht hatten. Etwa 11000 Fuß, also circa 3,5 km. Er hat mir nochmal erläutert, wie ich mich zu verhalten habe. Bis dahin war ich erstaunlicherweise kaum nervös. Eher vorfreudig aufgeregt. Wir sind als Zweites gesprungen. Jay sagte mir, ich solle gebückt vorwärts gehen bis zur Tür, die weit offen stand. Aufrichten konnte ich mich sowieso nicht, weil ersten die Decke des Flugzeuges zu tief war und ich außerdem an Jay festgeschnallt war, der wie gesagt kleiner war als ich. Ich konnte mich aber auch nirgends festhalten. Da werde ich also Richtung klaffendes Loch geschoben, und konnte erst dreieinhalb Kilometer unter mir den Erdboden sehen, und ich kann nichts machen. Jay sagte mir ein paar Mal, er hätte mich im Griff, aber ich hatte trotzdem etwas Panik. Ich dachte, ich falle einfach so raus, ohne meinen Jay. Hatte ich erwähnt, daß ich selbst keinen Fallschirm auf dem Rücken hatte? Den haben nämlich nur die Instruktoren. Bevor ich wußte, was mir geschah, hatte Jay uns schon rausfallen lassen. Zuerst haben wir uns ganz schnell gedreht, dann hat Jay die Kontrolle wiedergewonnen. Mein Herzschlag hat für einen Moment ausgesetzt. Aaaaahhhhhh! Man beschleunigt im freien Fall auf 200 km/h. Das Gefühl ist so überwältigend! Man kann nur durch die Nase atmen. Der Gegenwind läßt einem das Gesicht flattern. Nix im Vergleich zu einem Ventilator auf höchster Stufe!
Ich habe keine Vorstellung, wie lange der freie Fall gedauert hat. Dort hat man kein Zeitgefühl. Ich fand es nur Schade, als Jay die Leine gezogen hat. War viel zu kurz. Es gibt einen Ruck, wenn man plötzlich abbremst, und man wechselt automatisch von Bauchlage zu einer aufrechten Haltung. Jay hat mich an den Leinen ziehen lassen und wir haben die Richtung dementsprechend gewechselt. Man merkt deutlich, wie die Temperatur sich ändert, je tiefer man kommt. Ein dicker Käfer ist mir an die Brust geknallt. Nach einigen Minuten sind wir sanft unten angekommen. Mein Geschirr war so fest angezogen, daß ich mich nicht aufrichten konnte. Außerdem war ich etwas wacklig auf den Beinen. Ich wäre fast vornüber gefallen.
Ich war auf Adrenalin für mindestens eine halbe Stunde, und konnte nicht aufhören zu grinsen. Ich wäre am Liebsten gleich mit dem nächsten Flugzeug wieder hoch.
Wahnsinn!