Mittwoch, August 02, 2006

New York, New York

Jetzt, solange der Countdown meines Experiment noch läuft, nehme ich mir dann doch mal die Zeit und schreibe über New York. Das wird jetzt ein langer Eintrag, seid gewarnt!
Meiner neuen Gesinnung folgend, alles mitzunehmen, was ich kriegen kann, habe ich gleich das Angebot von Sandrine angenommen, mit mir nach New York zu fahren. Das war vor 4 Wochen. Aus unserer Erfahrung von Nashville (überbevölkertes Auto) gelernt, hatten wir beschlossen, nur zu dritt zu fahren. Sandrine, eine französische Freundin und ich. Start am Freitag Abend, 1 Woche Kultur, und zurück am Donnerstag Abend. Sind mit dem Auto etwa 12 Stunden.
Am Tag davor habe ich Xavier getroffen (auch ein Franzose), mit dem ich zusammen in Nashville war. Er sagte, er überlege, mit uns zu kommen, weil er ein paar Freunde in New York treffen wolle. Na einer mehr kann nicht so schaden.
Freitag Abend bei Sandrine. Es stellt sich heraus, daß Sandrine noch eine Kollegin eingeladen hatte, mitzufahren. Ich hatte Mike gesagt, daß ich so hoffe, es würden sich nicht noch mehr Leute als wir drei finden, und nun waren wir doch zu fünft. Ich habe ihm eine sms (mit den Worten 'aaaahhhh') geschickt. Er fands witzig.
Jetzt gabs aber schon Gepäckunterbringungsprobleme. Vier Mädels mit dem Gepäck für zweieinhalb pardon eine Woche, und Xaviers Tasche war auch nicht gerade klein.

Ich hatte Sandrine gesagt, wir müßten uns auf jeden Fall mit dem Fahren abwechseln, denn sie könne unmöglich die ganzen 12 Stunden allein durchziehen. Ich hatte also im Vornherein reichlich Kaffee getrunken, damit ich nach ein paar Stunden einspringen kann. Ich war hellwach bis 3 Uhr morgens (wir sind um 19 Uhr gestartet), aber sie wollte mich partout nicht ans Steuer lassen. Stattdessen ist sie den ganzen Weg gefahren.

Ungefähr eine Stunde, bevor wir New York erreicht haben, waren alle wach und gespannt auf die ersten Eindrücke. New York!!!
Unsere Jugendherberge war schnell gefunden. Sandrine hatte uns ein billiges, aber akzeptables Hotel gebucht, inmitten von Manhattan. Manhattan ist der teuerste Stadtteil in New York, also hatten wir wirklich Glück. Da wir ja eigentlich zu dritt sein sollten, und die Freundin früher abreisen wollte, hatte Sandrine ein Zweibettzimmer reserviert. Zum Glück hatte ich meinen Schlafsack dabei. Xavier teilte sich ein Zimmer in einem anderen Hotel mit seinen beiden Freunden. Es war gerade genug Platz im Zimmer für die beiden Betten (die wir umrangierten mußten), und zwei Leuten auf dem Fußboden.

Allerdings konnten wir erst um 15 Uhr einchecken, und jetzt war es halb neun morgens. Erstmal frühstücken. Dann sind wir herumgewandert und haben uns die Gegend angesehen. Wir sind zum Central Park gelaufen, und wollten uns da mit Xaviers Freunden treffen. Noch mehr Franzosen. Um das mal zusammenzufassen: eine Amerikanerin (namens Crystal), fünf Franzosen (Sandrine, Cindy, Xavier, Jonathan and Nicolas), und ich. Ihr könnt Euch ja vorstellen, daß die meiste Zeit französisch geredet wurde. Und sieben Leute auf einen Nenner zu bringen ist nicht einfach. Wir haben viel Zeit damit verbracht, auf jemanden zu warten, oder zu diskutieren, was wir wann machen. Ganz zu schweigen von den Stimmungsschwankungen und sprachbedingten Mißverständnissen.

Zurück zum ersten Tag in New York. Wir haben also die beiden anderen Franzosen getroffen, und uns mit denen für einen späteren Zeitpunkt verabredet, da sie erst in ihr Hotel fahren wollten. Wir anderen sind zu Fuß weiter Richtung Innenstadt. Wir haben uns den Time Square angeguckt, und 'Ground Zero', wo einst das World Trade Center stand. Letzteres sieht aus wie die Baustelle einer entstehenden Tiefgarage. Es ist unvorstellbar, daß da mal zwei riesige Häuser standen. Weiter zum Battery Park, von dem aus die Fähre nach Ellis Island, und damit zur Freiheitsstatue, fährt. Man kann die Statue sogar von dort sehen. Touristen haben in einer langen Reihe für die Fähre angestanden. Deshalb haben wir beschlossen, an einem anderen Tag ganz früh zu kommen, damit wir das umgehen können. Weil Freiheitsstatue angucken ist ja ein Muss!

Anschließend sind wir zurück ins Hotel und haben ein wenig geschlafen. Abends sind wir alle zusammen Essen gegangen und danach zum Empire State Building. Dort kann man bis 1 Uhr morgens rauffahren und sich die Stadt von oben ansehen. Erstmal anstehen. Karten kaufen; ich habe mich entschieden, nur bis zum 86.Stock raufzufahren, das fand ich hoch genug, und der 102. Stock war um einiges teurer. Anstehen. Sicherheitskontrolle. Anstehen. Fahrstuhl zum 54. Stock. Anstehen. Fahrstuhl zum 8 6.Stock. Nach dem ganzen Anreihen war es wenigstens ganz dunkel draußen und der Ausblick war phantastisch.

Im Prinzip habe ich alles wichtige schon am ersten Tag gesehen...

Am Sonntag sind wir nach Chinatown gefahren. Das ist ein Viertel im südlichen Manhattan mit chinesischen Flair. Und die setzen da voll auf die Touristen. Alle paar Meter wird man von jemandem angesprochen, ob man nicht eine Uhr oder DVD oder eine Tasche kaufen möchte. Dazu machen sie mal kurz ihre (undurchsichtige) Plastiktüte auf, damit man einen Blick auf die Uhren/DVDs/Taschen werfen kann, oder sie zeigen einem einfach nur ein Bild davon, in der Handfläche versteckt. Ich bin nicht so der Handtaschen-Fan, aber die Mädels, mit denen ich zusammen war, haben angebissen. Wir haben das Angebot einer Frau angenommen, uns Taschen zu zeigen, und sie hat uns dann durch die Gegend geführt, einige Blocks weit, durch schmale Gässchen und Türen. Letztendlich in ein fabrikartiges Apartmentgebäude. Das ganze fühlte sich so offensichtlich illegal an, das war schon etwas gruselig. Im zweites Stock stand die Tür ein Stück offen, und ich konnte einen Raum sehen, in dem besagte Handtaschen produziert wurden. Ein Stockwerk höher wurden wir in einen schmalen Raum geführt, der vollgestopft war mit Taschen "von" Gucci, Armani, und allerlei anderen Designern. Wir alle haben uns was gekauft; besonders Crystal hat mächtig zugeschlagen (am Ende der Woche hatte sie sieben Stück oder so). Das Ganze haben wir dreimal gemacht, bis alle endlich was gefunden hatten.
An dem Tag fand in Chinatown außerdem eine Parade statt. Irgendwas mit Veteranen.

Ich habe ein Auto beim parallelen Einparken beobachtet. Die Lücke war groß genug für 1.5 Autos. Beim Reinfahren ist das Auto erstmal halb auf den Fußweg gefahren. Es hat dann ganze zwei Minuten gedauert, bis der Fahrer durch unendlichen Vor- und Zurückmanövrieren das Auto in eine akzeptable Stellung gekriegt hat. Ein junger Amerikaner und seine tussige Freundin stiegen aus. Tja, hier lernt man eben nur in der Highschool mal eben Auto fahren.

Danach sind wir Richtung Stadtteil Brooklyn über die Brooklyn Bridge hinweg gelaufen. Auf der anderen Seite haben wir dann die U-Bahn zurück nach Manhattan genommen und sind Essen gegangen und durch die Innenstadt gestreift.
Anschließend nach Greenwich Village (noch ein Bezirk in Manhattan) und eine Bar suchen. Zu fünft haben wir dort eine Weile verbracht; Sandrine und Nicolas waren am Ende ziemlich angeheitert. Der Plan war, die anderen beiden zu treffen und anschließend in einen Club zu gehen. Cindy und ich sind aber zurück ins Hotel, da wir morgen früh aufstehen wollten und wir beide schon müde waren.

Am Montag wollten wir uns die Freiheitsstatue angucken. Die Fähre fährt ab 8 Uhr morgens, also müßten wir auch um 8 Uhr da sein, um Menschenmassen zu vermeiden. All die nicht-gern-früh-Aufsteher (wie ich) haben es dann auf halb 10 hochgehandelt. Wir haben noch mehr Zeit durch ausführliches im-Bad-aufhalten und frühstücken verschwendet, und es war schon nach 11, als wir endlich ankamen. Die Schlange von der Fähre war noch schlimmer als beim letzten Mal. Sandrine hat beschlossen, wir würden morgen wiederkommen, und diesmal definitiv um acht!
Stattdessen ging es ins Metropolitan Museum of Art. Wir hatten letztendlich nur zweieinhalb Stunden Zeit, also habe ich nicht alles gesehen. Ich habe nach einer Weile auch aufgegeben, die Schilder zu lesen; ich bin sonst kaum vorwärtsgekommen. Ich habe mir nur die ägyptische Ausstellung ausführlich ansehen können, und die afrikanische Abteilung. Jeder von uns ist allein los, und wir hatten keine Zeit ausgemacht, und keinen Ort, an dem wir uns treffen wollten. Ich bin irgendwann zufällig auf Xavier und Sandrine gestoßen, und die haben mir erzählt, daß Cindy und Crystal draußen auf uns warten würden. Ich bin dann schnell noch in den zweiten Stock hoch, um mir die moderne Kunst anzusehen. Tja, Pech, gerade der Flügel war wegen Renovierung dichtgemacht. Crystal saß draußen vor dem Museum in der Sonne, und hatte am Ende Kopfschmerzen (Zufall?), also mußten wir zurück ins Hotel.

Crystal hat sich im Laufe der Zeit als Klischee-Amerikanerin entpuppt. Frühstück bei McDonald's, jeden Morgen. Total ignorant, was Bildung angeht; die hat 1 Stunde in einem Museum verbracht und hat sich danach geweigert, in irgendein anderes zu gehen, weil sie sich so gelangweilt hat. Und sie hat nicht mal versucht, die Franzosen zu verstehen (und ich meine, wenn die Englisch geredet haben!). Ich habe ständig die Mittelsfrau spielen müssen, und ich habe beinah die Geduld mit ihr verloren. Ich habe die Franzosen doch auch verstehen können.

Als es abends hieß, wir wollten ausgehen, war Crystal wieder fit. Die beiden nicht mitgebrachten Franzosen hatten einen bestimmten Club namens 'Avalon' im Auge. Wir mußten den erstmal ausfindig machen. Und dann der Schock: 30 Dollar Eintritt. Ich habe mich geweigert, da reinzugehen, und auch Sandrine war nicht bereit, das zu zahlen. Also haben die beiden Jungs aufgegeben und wir haben uns auf die Suche nach einem anderen Club gemacht. Um die Ecke gab es noch mehr, aber wir konnten uns nicht entscheiden, in welchen wir gehen wollten. Wie gesagt, ist nicht so einfach mit vielen Leuten. Wir sind dann in irgendeinen Club, blieben aber nicht sehr lange, da es uns da nicht gefiel. Weiter ziellos durch die Gegend gezogen. Verzweifelterweise sind wir dann einfach in einem Pub zum Trinken gegangen. Wenigstens konnte man sich da unterhalten.

Dann war es auch schon 4 Uhr morgens, und wir konnten uns nicht einigen, ob wir nun die Nacht durchmachen (weil wir sowieso in 4 Stunden bei der Freiheitsstatue sein wollten), oder ins Hotel zu fahren, um noch 2 Stunden Schlaf zu kriegen. Für Cindy und die beiden französischen Jungs war dies der letzte Tag in New York. Nach einigem hin und her sind wir Mädels zur U-Bahn, um ins Hotel zu fahren, Xavier und Jonathan sind Richtung Battery Park, um die Nacht da zu verbringen, und Nicolas ist allein sonstwo hin.

Ich war verantwortlich dafür, welche Bahn wir nehmen würden und wo wir aussteigen. Ich habe auf meinen Plan gesehen und festgestellt, daß wir 9 oder 10 Stationen fahren müssen, also habe ich mich zurückgelehnt und ein wenig geschlummert. Erst nach einer Weile habe ich bemerkt, daß wir in die falsche Richtung fahren. Also Mädels mobilisiert, mich entschuldigt, und in einen Zug in die entgegengesetzte Richtung. In den Richtigen.
Diesmal habe ich sorgfältig mit meinem Plan verglichen. Half aber nicht, denn der Zug hat unsere Station glatt übersprungen. Leider hatte ich bis dahin das Prinzip 'Expresszug' noch nicht durchschaut. Mädels schnell wieder mobilisieren wollen, mich entschuldigen, und raus aus dem Zug, damit wir eine Station zurückfahren können, aber einer der Passagiere sagte zu mir mit eindringlicher Stimme: "Glaub mir, Du willst hier nicht raus!". Ooookay. Zu der Zeit waren wir schon in Harlem, das Viertel, das Gerüchten zufolge (und ich glaube das) besonders bei Nacht sehr gefährlich ist. Wir sind dann bei der nächsten Station raus. Nur Schwarze um uns herum. Ein junger Mann drehte sich nach uns um und guckte uns komisch an, nach dem Motto: "was macht ihr denn hier?". Er fragte mich, ob wir uns verfahren hätten (ich war schließlich diejenige mit dem zerknitterten Fahrplan). Ich habe ihn gefragt, ob man draußen vielleicht ein Taxi kriegen könne, und er meinte, wir sollten lieber die U-Bahn nehmen. Er hat uns den Weg gezeigt, und wir haben den nächsten Zug zurück genommen. Leider ist diese Linie etwas weiter weg von unserem Hotel, also mußten wir noch 20 Minuten laufen. Um halb 6 sind wir angekommen. Hmm, eine Stunde Schlaf übrig. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, meine Sachen auszuziehen.

Wir Mädels und Xavier sind tatsächlich um 8 Uhr im Battery Park gewesen, und wir waren so auch die Ersten. Leider mußten wir nun doch noch auf Jonathan warten. Der war zurück in sein Hotel gefahren, um sein Gepäck zu holen. Wir haben alle Leute vorgelassen, die nach uns ankamen. Dann gings auf die Fähre und rüber zur Statue. Ich muß sagen, ich war etwas enttäuscht. Die Freiheitsstatue war zwar groß, aber nicht so riesig, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Die Fähre hat uns danach zu einer kleinen Insel gebracht. Dort war mal das Immigrationsbüro; jetzt ist es ein Immigrationsbüro-Museum. Es gab alte Gepäckstücke, viele Fotos von Immigranten und statistische Information zu Immigrantion damals und heute. Zum Beispiel kommen jetzt mehr Asiaten als Europäer in die USA als noch vor 80 Jahren. Wir repräsentieren hier die Europäer, wenn auch schwer franzosenlastig.

Dann haben sich Cindy und Jonathan auch schon verabschiedet. Cindy habe ich inzwischen hin und wieder mal gesehen, sie wohnt nicht sehr weit weg von Cincinnati. Jonathan und Nicolas wohnen in Washington, und ein Trip dort hin ist schon geplant für Ende August. Mal sehen, ob ich da mitfahren kann.

Jedenfalls, nun waren wir nur noch zu viert. Xavier wollte unbedingt den Financial District ansehen (mit der Wallstreet), also sind wir dort hin. Dienstag war aber auch der 4. Juli, der amerikanische Unabhängigkeitstag. In anderen Worten, ein pompösen Feuerwerk war zu erwarten. In Manhattan gab es drei verschiedene Stellen, an denen das Feuerwerk stattfand, und zwar absolut synchron! Wir sind wieder in den Battery Park gegangen, denn dort sollte eins neben der Freiheitsstatue stattfinden. Es war dann doch nicht soo beindruckend (das September Feuerwerk in Cincinnati ist besser), aber es gab auch was Hübsches, wie diese Blume hier.
Für den Rückweg haben wir ewig gebraucht, wegen der Menschenmassen. Die Leute haben zwei Blocks weit für die U-Bahn angestanden.

Am Mittwoch, dem letzten vollständigen Tag in New York, mußten wir dann auch endlich mal shoppen gehen. Zuerst aber mehr Bildung. Ich bin ins American Museum of Natural History, Xavier und Sandrine sind in ein Armeemuseum gegangen. Crystal wollte lieber nach Chinatown und noch mehr Taschen kaufen (wie gesagt, sieben Stück!). Ich hatte wieder nur zweieinhalb Stunden Zeit. Man konnte wählen zwischen einem Museumsrundgang und/oder 45minütigen Filmen mit Themen wie 'Darwin' und 'der Weltraum'. Ich habe neulich erst eine gute Dokumentation über Darwin gesehen, deshalb habe ich mich für den Rundgang entschieden. Es wäre auch nicht genug Zeit für alles gewesen. Erst in der Ausstellung habe ich erfahren, daß der Flügel mit der menschlichen Evolution wegen Renovierung geschlossen war. Was'n Pech, schonwieder, das hätte mich interessiert. Eine Evolutionsausstellung frei von Kreatismus in den USA, das muß man doch ansehen. Ich habe nur einen flüchtigen Blick auf die Weltraumausstellung werfen können, obwohl die interessant aussah. Das wichtigste Ausstellungsstück habe ich mir dort aber nicht entgehen lassen (siehe Foto: mein Gewicht auf dem Mond, in Pfund).
Weil ich mich total verlaufen habe (ich kann Museumspläne absolut nicht lesen, noch weniger als Stadtpläne), bin ich in der Ausstellung vergangener südamerikanischer und afrikanischer Kulturen gelandet. Ich habe eine ganze Zeit da verbracht, weil es sehr spannend war. Was die alle gemeinsam haben ist die Darstellung von Menschen als kleine Statuen oder auf Gefäßen. Egal wo man hinsieht, der Mensch hat sich schon immer für wichtig gehalten ;). Besonders oft sieht man auch Frauen mit prominenten Rundungen.
Ich mußte natürlich auch in die Tierausstellung gehen. Jahrelanges Eintrichtern von Biologie in mein Gehirn haben mich abhängig von Zoologie gemacht! Dabei kenne ich das alles schon, aber weggucken kann ich auch nicht. Schwer beeindruckt war ich allerdings von der lebensgroßen Replikation eines Blauwals. Der hing in einem der Räume von der Decke. 30 Meter lang, Leute!

Anschließend Klamotten einkaufen. Xavier hat sich dann doch von uns abgekapselt, obwohl ich ihn versprochen habe, er dürfe unsere Tüten tragen und ewig vor Umkleidekabinen auf uns warten.
In Manhattan gibt es ein Gebäude mit sehr interessanter Architektur, das Flatiron Building. Nun gut, es gibt jede Menge beeindruckende Gebäude in New York, aber das interessante an diesem ist, daß das Haus im Grundriss ein rechtwinkliges Dreieck ist. Ich weiß nicht genau, was alles drin zu finden ist, aber es sieht nach vielen Büros aus. Mußten wir angucken, logisch.
Ganz in der Nähe gab es eine Restaurant namens 'Niles', welches Sandrine (als wahrhafte Kennerin) als eines der Drehorte für 'Sex and the City' identifiziert hat.
Sandrine und Xavier wollten sich bei der Gelegenheit noch den Madison Square Garden ansehen, das Baseball-Stadium in New York. Ich habe lieber davor gewartet, es war eh schon zu dunkel. Stattdessen habe ich mich auf die Treppe vorm Haupteingang gesetzt. Dort waren Schilder angebracht, auf denen man darauf hingewiesen wurde, daß das Sitzen auf der Treppe verboten ist. Ich habe gleich ein Foto von mir machen lassen, wie ich neben dem 'Sitzen verboten'-Schild sitze. Dann kam ein Sicherheitsmann und hat uns weggescheucht. Crystal erzählte mir dann, daß er grinsend beobachtet hatte, wie ich für das Foto posiert hatte, und erst anschließend seiner Pflicht nachgekommen ist.


Am Donnerstag sind wir relativ spät aufgestanden, haben unsere Sachen gepackt (weil war ja Abreisetag) und haben aus dem Hotel ausgescheckt. Xavier, Sandrine und ich wollten unbedingt noch in ein weiteres Museum gehen: das Museum des Sex. Nicht mal dazu ließ sich Crystal überreden. Wahrscheinlich weil es 'Museum' im Namen hatte. Sie hat irgendwas anderes gemacht, wahrscheinlich Taschen kaufen. Jedenfalls, am Eingang war dieses Schild zu finden: (sinngemäß) "Anfassen, lecken, streicheln oder besteigen der Ausstellungsstücke ist verboten!"
Drin gab es doch mehr zu lesen, als ich gedacht habe. Nein, im Ernst, es war interessant. Ein Raum widmete sich den alten japanischen Darstellungen von sexuellen Akten, und wie sich daraus die Mangas entwickelt haben. Wußtet Ihr zum Beispiel, daß man verheiratete Frauen (auf diesen Bildern) an den rasierten Augenbrauen erkennt? In einem Raum fand man die Entwicklungsgeschichte von Pornofilmen, und die gängigen Klischees (z.B. Handwerker und Frau, deren Ehemann nicht zu Hause ist).
Und natürlich auch Spielzeug für die Ehefrau, deren Mann nicht zu Hause ist, wenn sie sich nicht auf die Handwerker verlassen will, bzw. Ersatzfreundinnen für Männer, die noch bei Mama wohnen.

Nach dem Mittagsessen sind wir zurück zum Hotel und haben das Auto geholt, das noch dort geparkt war. Da wir von den anderen Stadtteilen kaum was gesehen hatten, wollten wir nun nochmal eine Runde durch New York drehen und uns dann auf den Weg nach Hause machen. Xavier wurde als Beifahrer schrägstrich Navigator eingesetzt. Wir fanden es einfacher, ihn das machen zu lassen, da er mit Sandrine, die wieder gefahren ist, auf Französisch reden konnte, und Verständigungsprobleme beim Navigieren fatal enden können.
Durch Harlem war es dann noch leicht. Um nach Brooklyn zu gelangen, mußten wir wieder durch Manhattan fahren. Da fing es dann an. Die Leute in New York fahren wie die Henker. Ständig wird gehupt, sogar aus nichtigen Gründen. Hier mal einige Beispiele, wie ich sie mir vorstelle: Geh mir aus dem Weg! Blödes Lied im Radio! Meine Klimaanlage ist kaputt! Hey, was für ein hübsches Shirt Du anhast! ... Anders kann ich mir das nicht vorstellen, warum um alles in der Welt die Leute permanent hupen. Sandrine hat sich einen Spaß draus gemacht, bei jeder Gelegenheit dasselbe zu tun. Ich war so genervt davon.

Keine Stadtrundfahrt ohne Verfahren! Trotz nicht vorhandener Sprachbarriere haben wir uns total verirrt. Sandrine meinte zu Anfang, wir sollten dem Time Square auf Wiedersehen sagen, da wir vielleicht nie wieder da hinkommen. Zum Glück sind wir anschließend noch dreimal dort langgefahren ;). Wir haben dann beschlossen, die Rundfahrt sein zu lassen und direkt nach Hause zu fahren.

Der Rückweg hat dadurch viel länger gedauert als der Hinweg. Sandrine ist wieder die ganze Zeit gefahren. Sie hat zwei Energydrinks intus gehabt und war hellwach. Ich habe sie in meinem Halbschlag mit Xavier reden hören, stundenlang, ohne Punkt und Komma. Ich war nah dran, ihr zu sagen, sie solle zwischendurch auch mal atmen. Ich habe die Fahrt über mehr oder weniger geschlafen.
Wir sind morgens um 9 Uhr in Cincinnati angekommen. Ich muß sagen, ich war froh, wieder zu Hause zu sein. Ich bin gleich wieder ins Bett gegangen.


Ich habe an die 200 Fotos geschossen, und die meisten habe ich in mein Fotoalbum gestellt. Ich werde die auch richtig beschriften, ... irgendwann.