Sonntag, April 22, 2007

Amerikanische Nationalsportarten und die Mentalität der Fans

Ich war noch nie der große Sportfan. Werde ich sicher auch nie werden. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, wenigstens ein Spiel von jeder Sportart anzusehen, für die die Staaten so berühmt sind.

1. American Football
Heißt zwar auch Fußball, hat aber nur das geringste mit Füßen und Ball zu tun. Es gibt vielleicht einen oder zwei Gelegenheiten, den Ball mit dem Fuß zu kicken, ansonsten wird jener unter den Arm geklemmt und ab dafür. Ball anfassen kommt beim (nicht-amerikanischem) Fußball ja einer Todsünde gleich. Ich kenne die einzelnen Regeln nicht (amerikanischer Freund: "es geht alles nur um Strategie"), aber im Grunde genommen ist das Ziel, mit dem Football durch die gegnerische Mannschaft hindurch, oder drumherum, auf die andere Seite des Feldes zu gelangen. Dazu hat man 10 Versuche pro Runde. Die andere Mannschaft muß im Gegensatz verhindern, daß Erstere es bis zur anderen Seite schaffen. Die einfachste Lösung: den Ballträger zu Fall zu bringen. Das geschieht durch frontales oder seitliches Rammen, dann draufspringen, damit der Mensch auch ja liegen bleibt, und mehr Leute zum Draufspringen hinzurufen. Der arme Ballträger liegt ganz unten. Klingt spannend, ist es aber eigentlich nicht. Die meiste Zeit wartet man nur darauf, daß die Leute zum Spielfeld zurückkehren, weil die ansonsten da nur herumstehen und mit dem Trainer reden. Niemals laufen diese 10 Versuche ohne Pause ab. Nicht nur zum Reden, sondern, wie Ihr Euch denken könnt, auch zum Abtransportieren von Verletzten.
Zusammenfassung: Leute packen 15 Kilo Schutzkleidung auf und rennen dann frontal ineinander.

2. Baseball
Letzen Samstag sind wir zum einem Spiel in der Innenstadt gegangen. Fantastischer Ausblick auf den Fluß. Meine Freunde haben mir garantiert, daß Baseball noch langweiliger ist als Football, also habe ich mein dickes Lehrbuch mitgeschleppt (habe diese Woche Prüfungen). Der Mann am Eingang fand das irre lustig. Meine Freunde allerdings auch ;). Cincinnatis Team heißt "Cincinnati Reds". Wie sich das als Fan gehört, zieht man die Farben des Teams an, wenn man zu einem Spiel geht. Mindestens die Hälfte der Leute waren also in Rot. Gegen Ende des Spiel war auf der Tafel zu lesen, daß 39500 Menschen im Stadion anwesend waren. Das sind mehr Leute, als in Schönebeck leben (Stand März 2007: 33823). Und das macht ungefähr 25000 rote Shirts. Nun aber zum Spiel. Man sieht gleich, daß Baseball nicht viel Bewegung erfordert. Wie sonst kann es sein, daß manche der Spieler einen deutlichen Bauchansatz zeigen. Tatsächlich stehen die meisten Spieler nur auf dem Feld herum, besonders im äußeren Rahmen. Wenn diese sich dann aber doch mal bewegen müssen, dann wirds spannend. Die Regeln scheinen nicht soo kompliziert, wenn ich sie auch nicht einwandfrei widergeben könnte. Wenigstens ist ständig irgendeine Bewegung dabei. Insgesamt fand ich es spannender als Football.

Nun zu den Fans. Wie gesagt, sehr viele schmeißen sich in Schale (nicht nur beim Baseball sondern alle Sportarten), damit sie wie waschechte Fans aussehen. Leider wars das dann schon. Da wird das eigene Team nicht angefeuert (wenn ich da an das konstante Hintergrundbrüllen beim Fußball denke...), es sei denn, irgendjemand fordert sie dazu auf. Ich meine damit Anzeigen auf der Reklametafel (die den Text vorgeben), oder Mädels, die in kurzen Röckchen scheinbar planlos herumhüpfen (und auch den Text vorgeben). Leute verlassen ihre Sitze ständig, weil sie sich an den Imbißbuden anstellen, um Bier und Snacks zu kaufen. Oder noch mehr Fanartikel. Wenn das eigene Team am Verlieren ist, da gehen die Fans auch schonmal vorzeitig. In der zweiten Hälfte eines Spiels klären sich die Sitzreihen schon deutlich. Wenn das eigene Team gewinnt, wird das mit auf der Straße herumgrölen und betrunken Auto fahren mit konstantem Hupen quittiert. Hmm, letzteres ist eigentlich genauso wie beim Fußball ;).