Samstag, September 24, 2005

ich werde langsam cool

Ich war am Freitag bei der Coffee Hour ("Kaffeestunde"). Das ist ein Treffen für alle internationalen Studenten, das jeden Freitag Nachmittag stattfindet, organisiert vom Büro für Auslandsstudenten. Es gibt Kaffee und Kekse, und Spiele, auf die besonders die Inder abfahren. Wir anderen kommen eigentlich nur wegen dem kostenlosen Essen ;).

Ich habe mich mit einer Kollegin aus der Biologie verabredet, dort hinzugehen. Sie kommt aus Kanada. Wir sind ungefähr zur gleichen Zeit nach Cincinnati gekommen und arbeiten beide im selben Stockwerk (ihr Büro ist nur ein Stück den Flur runter), trotzdem haben wir uns erst letzte Woche bei den Einführungsveranstaltungen der Biologie kennengelernt. Sie hat mich dort einigen Leuten vorgestellt. Mehrere Leute hatten mir schon erzählt, sie würden ein Mädel aus Rostock kennen. Ich habe dann am Freitag auch endlich dieses mysteriöse Mädchen getroffen. Irgendwie kannte jeder jeden, nur ich kannte kaum jemanden. Eigentlich nur die Kanadierin, der Rumäne war auch da. Ich bin seit zweieinhalb Monaten hier und habe den Großteil meiner Freizeit allein zu Hause verbracht, anstatt auszugehen und Leute zu treffen. Da habe ich beschlossen, mich einfach an diese Leute hier ranzuhängen. Abends sollte irgendwo eine Party mit live Musik sein, zu der wollten sie hingehen.

Am Freitag war allerdings auch Grillabend für die Biologie. Die Kanadierin, ihre Mitbewohnerin (aus Venezuela) und ich sind erstmal dort hingegangen. Es war nur ein kleiner Teil der Biologie da. Wir haben gegessen, ein wenig geredet und die Hochzeitsfotos einer anderen Biologin angesehen. Ich habe gesagt, daß ich bemerkt habe, daß soviele schon verheiratet oder wenigstens verlobt sind und daß ich mir deswegen irgendwie zurückgeblieben vorkomme. Fanden sie ganz witzig.

Wir sind nicht sehr lange geblieben.

Schnell zurück nach Hause und mich umgezogen. Dann habe ich mich mit den beiden Mädels am verabredeten Punkt getroffen und wir wollten zu der live Party gehen. Erstmal haben wir das Gebäude nicht gefunden. Wir waren auf dem Gelände einer neuen "Wohnsiedlung" (also Studentenwohnheim bestehend aus vielen kleineren Häusern anstatt dem üblichen Hochhaus - sieht aus wie die Touristen-Bungalows in Disneyland) und sind dort noch auf zwei Leute gestoßen, einen jungen Mann aus Mexiko (war auch bei der Kaffeestunde) und ein Mädel aus Kolumbien. Zusammen haben wir uns dann bis zum richtigen Haus durchgefragt.
Das ist ein Gemeinschaftshaus speziell für spanisch und französich sprechende Menschen. Dort fand die Party im Keller statt. Es waren zwar auch einige junge Menschen da, aber der Altersdurchschnitt lag bei ungefähr 55. Dort war eine unglaublich alte Frau, die stark gebückt ging und deshalb nur 1,40 m hoch war. Und eine junge Frau, die nur aus Haut und Knochen bestand. Wir haben uns alle nur angeguckt. Die Kolumbianerin meinte, sie würde hier nur zwei Arten von Amerikanern sehen, entweder fett oder spindeldürr.
Die Musik war auch nicht so gut, also sind wir schnell wieder gegangen, allerdings nicht ohne am Buffet vorbeizugehen.
Auf dem Weg nach draußen bin ich an einer älteren Frau vorbeigekommen, die gerade sagte, wie großartig die Party doch wäre. Hehe, wie unterschiedlich doch Geschmäcker sind.

Ein paar Leute, Lehrer aus dem Spanischinstitut (und allesamt aus Südamerika) sind gleich mitgekommen. Wir sind runter in eine Bar auf der Ludlow (Straße). Dort haben wir eine ganze Weile gesessen und uns unterhalten. Dann sind wir noch rüber (zu viert) auf die andere Straßenseite, um was zu Essen. Wir haben fast eine halbe Stunde darauf warten müssen, aber wenigstens war es gut. Wir haben da noch eine Weile verbracht und sind wieder zurück zur Bar. Dort warteten schon die anderen auf uns und haben sich beschwert, daß wir so lange weg waren.
Anschließend sind wir nach Hause gegangen, vier von uns (also wir vier aus dem Restaurant) wohnen nicht weit auseinander und wir mußten auch in dieselbe Richtung. Die Kanadierin und die aus Venezuela sind zuerst angekommen. Der Mexikaner hat mich dann direkt vor meiner Tür abgeliefert. Ich war halb 1 zu Hause.