Donnerstag, September 22, 2005

Parties und American Football

Ich habe die letzten beiden Wochen hier nichts zu Papier gebracht. Ich war entweder zu uninspiriert, oder zu müde, oder zu beschäftigt.

Inzwischen gab es einige Veranstaltungen für die neuen Studenten, zu denen ich hingegangen bin. Zuerst das Treffen für die neuen internationalen Studenten. Ich denke, davon habe ich erzählt. Es gab Kaffee und Getränke, später ein kleines Paket mit Essen. Und einen Timer für dieses Schuljahr. 6 Dollar gespart.
Es folgte das Treffen für alle neuen graduierten Studenten. Wieder kostenlos Essen und Trinken gekriegt und zum Schluss wurden Preise vergeben. Ich habe (natürlich) nichts gewonnen, aber zumindest jemand an meinem Tisch. Ich habe mit drei Leuten zusammen gesessen. Ein Mädel namens Melissa von hier, die Geschichte der Kriminalistik (oder so) studiert, Mihai aus Rumänien, ein Wirtschaftler und Eric aus China, Bauingenieur. Wir haben uns verabredet, am nächsten Tag gemeinsam zu dem ersten Football Spiel der Saison der Uni-Mannschaft zu gehen, auf dem Campus. Studenten der Uni haben freien Eintritt.
Dann eine Einführungsveranstaltung für die neuen in der Biologie. Dazwischen Essen.
Außerdem einen Workshop für angehende, neue Lehrer. Es gab Süßes und Kekse und Getränke in der Pause.
Ich habe beschlossen, immer zu so was hinzugehen. Macht Spaß und man kriegt was zu Essen.
Morgen Abend trifft sich die Biologie im Park nebenan (andere Straßenseite) zum Grillen.

Wir hatten für das Football Spiel keinen genauen Treffpunkt ausgemacht, wir wollten uns einfach vor dem Stadion treffen. Ich bin etwa spät dran gewesen. Leider trafen sich ALLE Leute vor dem Stadion, und ich konnte meine Leute absolut nicht finden. Ich habe mich dann auf eine Bank gesetzt und das Spiel allein angesehen.
Hmm, einerseits ist das Spiel uninteressant, aber andererseits kann es auch spannend sein, wenn es um die letzten paar Meter geht. Jedenfalls, so ein Spiel ist ein riesiger Aufwand. Permanent lächelnde Cheerleader in kurzen Röckchen (meine Tochter trägt so was nicht!) werden von muskelbepackten Männern durch die Luft gewirbelt (beeindruckend, wie HOCH die sie werfen) oder hüpfen mehr oder weniger planlos herum und schütteln ihre bunten Puschel. Als Cheerleader muss man unbedingt lange Haare haben. Außerdem haben sie riesige Kapellen aufgefahren (die der Uni und die einer Highschool), die alle Uniformen trugen, inklusive großer Feder auf dem Hut, und blitzblanken Instrumenten. Sogar ein paar große Xylophone. Auf dem Spielfeld tummeln sich immer elf Spieler von einer Mannschaft, es warten aber noch schätzungsweise dreißig Spieler am Rand, um ausgewechselt zu werden. Das Spiel hatte alles, wie im Fernsehen. Das Stadion umringt von Fressbuden. Leute mit Zuckerwatte, Eis und dergleichen, die zwischen den Sitzreihen rumliefen und ihr Zeug verkauften. Brüllende Fans. Rentner, die alles schon mal besser gesehen haben neunzehnhundertweißdergeier. Einen obligatorisch unzufriedenen Trainer (der im Profil wie Kevin Costner aussah), der die meiste Zeit entweder die Hände auf die Hüften stützte oder einem seiner Meinung nach unfähigen Spieler gestikulierte. Mehrere Schiedsrichter, die sich allerdings gut vertragen haben (sind vielleicht alle von dieser Uni) und einem „Haupt“schiedsrichter, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Günni Arlt hatte, bis hin zur Stimme und Körpergröße. In der Halbzeit wurden irgendwelche ältlichen Footballspieler von vor 30 Jahren auf den Rasen zum Winken geschickt. Ein kleines Feuerwerk zu Beginn und wenn unsere Mannschaft gepunktet hat. Riesige Reklametafel.
Die Spieler müssen nun die Gegenmannschaft davon abhalten, weiter nach vorn durchzudringen, also näher zum Tor oder-wie-auch-immer-das-heißt. Die einfachste Möglichkeit ist eben, sie über den Haufen zu rennen. Fünf Spieler wurden vom Platz gebracht, aber wenigstens konnten vier davon ohne Hilfestellung laufen. Und man hilft den Spielern der Gegenmannschaft nicht beim Aufstehen, auch wenn man direkt an ihnen vorbei geht.

Cincinnati hat 7 zu 3 gewonnen.

Das Maskottchen fand ich gruselig. Die Football-Mannschaft von Cincinnati heißt „Bearcats“. Dieses Tier gibt es nicht, und es gibt auch keine vernünftige Übersetzung. Im Prinzip ist es eine Kreuzung aus Katze und Bär. Das Maskottchen ist schwarz und hat einen riesigen Katzenbär-Kopf. Besonders der Kopf ist unheimlich. Der stand da und hielt eines der Cheerleader im Arm, die dicke schwarze Tatze um ihre Schultern gelegt, während der Kopf sie weit überragte. *schüttel*
Ich gucke zu viele Werwolf-Filme.

Kleine Anmerkung noch. Neben mir saß eine Frau um die 65. Sie trug Ohrringe mit der Aufschrift Bearcats und eine Cincinnati Jacke. Einen Wimpel hatte sie auch dabei. Als auf der Reklametafel ein dreidimensionales C (für Cincinnati) erschien, welches sich schnell gedreht hat, war sie ganz fasziniert und hat schnell ihren Sitznachbar darauf aufmerksam gemacht. Dann hat sie wieder (mit offenem Mund) auf das C gestarrt. Ich dachte nur – Hallo?! Das ist ein blöder, sich drehender Buchstabe! Willkommen in einer technisierten Welt!

Habe ich erwähnt, dass ich wieder einen Englischtest machen musste? Diesmal ging es um meine Eignung als Lehrerin. Ich musste unter anderem eine Testvorlesung vorbereiten. Der ganze Test hat 20 Minuten gedauert. Ging schnell herum. Ich hatte nicht mal ein Drittel meiner Vorlesung geschafft. Ob ich bestanden habe? Who knows. Die Ergebnisse sollen heute da sein.
Ich bin jedenfalls schon mal eingeteilt zum Unterrichten. Zweimal die Woche. Biologie für Anfänger. Mensch, ich komme mir so autoritär vor!