der Tag des Visums
Termin bei der Amerikanischen Botschaft in Berlin um 8.40 Uhr.
Nachdem wir uns verfahren haben und somit glücklicherweise dem Stau entgangen sind, der auf der eigentlich geplanten Strecke entstanden war, haben wir noch rechtzeitig die Botschaft gefunden. Ist von außen sehr sparsam als Amerikanisches Grundstück zu erkennen, denn ich habe nur eine einzige Flagge hängen sehen. Wahrscheinlich eher eine Schutzmaßnahme als mangelnder Patriotismus.
So, um 8.30 Uhr stand ich vor dem Gebäude. Erster Schock: lange Schlange vorm Eingang. (Na gut, die hat man auch schon von der Straße aus gesehen.) Das waren allerdings alle Leute mit Termin. Also haben wir uns brav angestellt. Die lassen dort immer nur 2 Leute auf einmal in den Eingangsbereich. Nach einer Stunde waren wir an der Treppe angekommen.
Offensichtlich werden alle Studenten und Austauschschüler auf einmal abgehandelt, deshalb die vielen Leute.
Während wir gewartet haben, kam eine Frau mit einem Baby auf dem Arm und bat die Polizisten an der Treppe, sie vorzulassen. Hat auch geklappt. Sie kam nach einer Weile wieder raus und ging irgendwo in Richtung Ende der Schlange. Eine Minute später kam von hinten eine andere Frau mit einem Kinderwagen an uns vorbei. Ich hätte schwören können, daß es dasselbe Baby war! Was sagt einem das: Kind ausleihen,um sich das Anstehen zu sparen!
Mein Freund durfte leider nicht mit reinkommen, also bin ich allein rein. Drinnen stand ich gleich in der nächsten Schlange. Vorn am Schalter mußte man dann die erforderlichen Papiere und Formulare abgeben. ´ne halbe Stunde bis vorn.
Danach muß man schonwieder warten, nämlich darauf, daß die Damen in der Interview-Kabine einen aufrufen. Nochmal ´ne halbe Stunde. Dann nehmen sie die Finderabdrücke der Zeigefinger ab. Anschließend stellen Sie einem ein paar Fragen, die man eigentlich genauso gut auf einem Formular beantworten könnte.
Aber egal, Visum bewilligt. Kriege ich nach einer Woche zugeschickt.
to do/to have list
hier einige Dinge, die ich unbedingt tun oder haben will, wenn ich in den Staaten bin:
- einen eight ball (ungemein zukunftsweisend)
- ein Appartment im Stil von dem des Mädels aus "coyote ugly"
(ich nehme mal an, ihre Heizung hat funktioniert)
- ein Benzinschleuder-Auto mit offenem Verdeck
- New York angucken
- nach New Orleans reisen (während der Karnevalszeit)
- eine Familienpizza bestellen (für mich allein)
Termin für Visumantrag
Bevor man den Visumantrag einreichen kann, muß man natürlich bei der zuständigen Behörde einen Termin machen. Das geht ausschließlich über eine Hotline, und zwar kostet das ganze 1,86 Euro/min aus dem Festnetz bzw. 2,00 Euro mit dem Handy!
Man erwartet jetzt natürlich, daß man gleich durchkommt, weil die Homepage der Botschaft ausdrücklich dazu auffordert, bei eventuell auftretenden Fragen diese 0190-Nummer anzurufen. Ganz easy!
Leider ging das bei mir ganz anders aus. Ich habe mehrere Versuche gebraucht, um überhaupt jemanden ans Telefon zu kriegen.
Wenn man dort anruft, erzählt eine nette Frauenstimme vom Band, daß gerade alle Mitarbeiter im Gespräch sind und man sich bitte gedulden muß. Zur Überbrückung erzählt sie, was man alles zu einem Visumantrag beilegen muß. Dauert etwa 2 Minuten. Dann meint sie, alle Mitarbeiter sind immernoch im Gespräch, also kann sie im Anschluß noch ein paar Tipps geben. Bring keine Waffen mit und stecke alles in eine Klarsichtfolie. Das dauert nochmal 2 Minuten. Danach sind ihrer Meinung nach immernoch alle Mitarbeiter andersweitig beschäftigt. Anschließend wird man aus der Leitung geschmissen. Nach 4,5 Minuten also. Sind etwa 9 Euro pro unnützem Anruf.
In meinem Fall vier Stück, macht das 36 Euro.
Beim fünften Versuch (muß ja sein), wurde ich nach 3 Minuten endlich durchgestellt. Man muß allerlei Daten angeben, die in dem Reisepass stehen, und außerdem die SEVIS-Nummer. Diese Nummer ist auf dem I-20 Formular angegeben, welches man von seiner amerikanischen Uni bekommt.
(Die SEVIS ist eine Art Studentengemeinschaft, die sich wohl besonders um ausländische Studenten während ihres Aufenthaltes in den USA kümmert. Achtung: es fällt eine SEVIS-Gebühr von 100 $ an, die VOR der Beantragung des Studentenvisums eingezahlt werden muß; am Einfachsten geht das mit Kreditkarte. Der Zahlungsnachweis muß zusammen mit dem Antrag eingereicht werden.)
Jedenfalls, das Gespräch hat mit Wartezeit 9 Minuten gedauert. 18 Euro.
Ich habe also 54 Euro investieren müssen, um einen Termin mit der Botschaft zu machen. Das ist schon fast soviel wie die Antragsgebühr.
total verwirrt
Heute habe ich das langersehnte Formular erhalten, welches für meinen Visumantrag benötigt wird. (Habe gleich in der Botschaft angerufen, um einen Termin zu kriegen. 2 Euro pro Minute. Nachdem mich eine weibliche Stimme vom Band mit Tipps und Regeln vollgequatscht hat, wurde mir von derselben netten Stimme gesagt, daß gerade niemand zur Verfügung stehe. Leider erst 4 oder 5 Minuten später (8 oder 10 Euro, wow).
Dazu noch allerlei Infomaterial. Und da fängts schon an. Ich habe mich durch die ganzen Einwanderungs- und Ausreise-zwecks-Besuch-zu-Hause -regeln gequält und stehe nun ganz ratlos da. Im Moment habe ich den Eindruck, also müßte ich für alles, was ich drüben machen will, ein Formular ausfüllen. Und regelmäßig zu Interviews gehen, in denen ich beweisen muß, daß ich keine Terroristenabsichten habe. Aber nur, wenn ich aus Risikoländern komme. Oder überhaupt? Und bezahlen muß man sowieso für alles. Und bloß rechtzeitig einen Antrag stellen!
Und was ich jetzt alles an der Uni dort belegen soll, weiß ich auch nicht genau.
Immerhin, die Krankenversicherung ist doch ein paar Dollar billiger, als ich dachte.
Aber hey, die ISSO hilft mir immer. Was war das gleich?
Jetzt bin ich gerade etwas frustriert.......
Inangriffnahme anstehenden Arbeit
Nun beginnt in meiner Wohnung die etappenweise Aufräumaktion. Zum Glück bekomme ich in nächster Zeit jede Menge Abschiedsbesuch. Da fällt das Putzen leichter, denn man will ja einen guten Eindruck machen.
Überflüssige Dinge wegschmeißen ist allerdings garnicht einfach. Es ist unglaublich, wieviel man im Laufe der Zeit ansammelt, weil man sie als brauche-ich-vielleicht-noch-mal einstuft. Also Augen zu und weg damit. Die niedliche Keramikfigur vom kleinen Bruder oder die witzige Geburtstagskarte der Freundin muß man nicht wirklich aufheben, wenn man weit wegziehen will. Es ist schade drum, aber ich muß jetzt praktisch denken.