Ausflug zum Insektensammeln
Ich war nun schon zweimal mit Srdjan in Parks unterwegs, um nach Tieren zu suchen. Er hat mit gezeigt, wo man sie findet und wie man es anstellt, auf was man achten muß usw..Heute sind wir, heißt Srdjan, Elke und ich, durch die bewaldete Gegend gefahren, um nach Papierwespen zu suchen. Das sind die Wirtstiere für die Fächerflüglerart (Parasiten), die es hier gibt. Sie bauen kleine Nester, die man unter den Dächern von Hütten mit einem Holzdach findet. Wir waren auf der Suche nach Nestern, in denen sich Wespenlarven befanden, damit wir sie im Labor mit den Fächerflüglerlarven infizieren können und auf diese Weise hoffentlich genug davon für Untersuchungszwecke züchten können.
Die erste Station war ein Friedhof. Die Gräber sind hier vielmal mit riesigen Grabsteinen versehen, darunter nicht halb soviel Kreuze, wie ich erwartet habe. Diese Gräber sind wahrscheinlich die der etwas Vermögenderen, denn sie lagen recht weit auseinander. Oft sieht man auch nur kleine Steinplatten, die die Gräber repräsentieren. Die sind dann meist dichtgedrängt. Über den Friedhof führen viele befestigte Straßen, durch die man ungehindert mit dem Auto fahren kann, nicht so wie in Deutschland, wo man nur zu Fuß gehen kann.
Die Vorgehensweise ist folgende:
Man suche sich ein Nest, in dem sich Larven befinden, und auf dem außerdem erwachsene Tiere sitzen. Die Nester sind meist nur einige Zentimeter im Durchmesser und mit einigen wenigen erwachsenen Wespen bestückt. Man nehme einen Becher und stülpe ihn über das Nest. Am Besten mitsamt der erwachsenen Tiere. Wenn diese wegfliegen, zum Beispiel um stechenderweise das Nest zu verteidigen, fange man sie mit einem Netz ein. Heißt, man solle mindestens eine zweite Person dabeihaben. Die becherüberstülpende Person schneide nun, zum Beispiel mit einem Messer, das Nest von der Decke. Die Nester sind nur mit einem kleinen Stil an der Decke befestigt. Sind sie in eine Ecke gequetscht, wird es schon schwieriger. Man schließe den Becher über dem Nest und den Wespen, bzw., man füge die extern gefangenen Wespen dazu. Fertig.
Das Abschneiden der Nester hat Srdjan übernommen. Er ist auch derjenige, der immer die Stiche einfängt. Die Wespen gehen besonders gern ans Gesicht.
Ich habe festgestellt, daß ich kein Naturtalent mit dem Insektennetz bin. Das kommt davon, wenn man seine Tierchen immer schon tot gereicht bekommt. Naja, ist eben Übungssache. Weil die Wespen aber doch zu wertvoll sind, hat Elke das Netz gekriegt. Ich habe mich um die Becher gekümmert und die extern gefangenen Wespen eingetütet.
Als nächstes waren wir bei einem Gewächshaus. Ziemlich großes Gelände. Hinter den Gewächshäusern sah es ziemlich vermüllt aus. Dort standen kleine Baracken, umgeben von lange nicht gebrauchten Gegenständen wie Räsenmäher, Holzpaletten, Einmer (deren Inhalt angetrocknet war), Schaufeln, eine Kinderwippe, ein altes Sofa.... Sah aus, als hätten sie das Zeug einfach abgestellt, mit der Idee, daß das irgendwann mal wieder nützlich sein kann. Das mag schon 10 Jahre her gewesen sein. Der Platz schrie förmlich nach Aufräumen.
Nächste Station: ein riesiger Park.
Dieser Park, wurde mir gesagt, ist berühmt-berüchtigt dafür, daß sich die Homosexuellen dort treffen. Tatsächlich standen verstreut Autos mit einzelnen, wartenden Männern.
Dort gibt es links und recht von dem Wegen (Straßen) kleine Lichtungen mit Bänken und Toilettenhäuschen für das gute amerikanische Familienpicknick und einzelne Mietbungalows. Sah aus wie in den stereotypen Teenager-Splatterfilmen wie "Freitag der 13".
Ich habe sehr viele Rehe gesehen, die zwar etwas auf Abstand blieben, aber doch ziemlich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt zu sein schienen. Man konnte auf 5 Meter rangehen, ohne daß sie sich gestört fühlten. Streicheln wollten wir sie dann doch nicht.
Jedenfalls, in diesem Park haben wir ein richtiggehendes Bilderbuch-Nest gefunden.
In der Uni habe ich Srdjan geholfen, jenes Bilderbuch-Nest zu infizieren, also die Parasitenlarven auf die Wespenlarven zu setzen. Da drin waren 30 bis 40 Wespenlarven (die meisten anderen haben nur 4 oder 5), von denen hoffentlich viele mit Parasiten heranwachsen. Die brauchen wir beide nämlich für unsere Doktorarbeiten, denn das sind unsere Untersuchungsobjekte.
Das Nest wird dann an die Decke eines Holzkastens geklebt, die Wespen draufgesetzt und Futter reingestellt. Jetzt hilft nur Daumendrücken.
Ich hatte schon befürchtet, daß Gertrud, meine kleine Mantis, sich durch das Wohnzimmerfenster aus dem Staub gemacht hat. Aber gestern habe ich sie wiedergefunden (immernoch am Wohnzimmerfenster). Ich konnte beobachten, wie sie sich eine Fliege geschnappt hat und genüsslich drauf herumgekaut hat. Ich habe natürlich schnell ein Foto gemacht, aber danke meiner Unfähigkeit, die Digicam richtig zu bedienen (die hat immer die falsche Stelle focussiert - ist halt schlecht, wenn man was fotographieren will, was auf einer Glasscheibe sitzt), ist das Bild nicht gerade scharf.

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