Sonntag, Oktober 30, 2005

ich hatte eigentlich vor, mehr zu schreiben....

Das Schöne am Wochenende ist das Ausschlafen. Dann macht es eben auch nichts, wenn man bis um 4 Uhr morgens wach ist. Und nach genug Schlaf sieht die Haut dann auch erholt aus und ist zart wie Babypopo. Jedenfalls theoretisch.

Am Freitag war ich auf einer Party. Ich wollte endlich mal wieder ausgehen, also habe ich die Kanadierin gefragt, was sie denn machen würde. Sie habe gerade Besuch von ihrem Freund und bleibe deshalb lieber zu Hause, aber ihre Mitbewohnerin, die Venezuelanerin, gehe auf eine Party. Ich solle sie einfach anrufen und sagen, daß ich mitkommen wolle. Habe ich dann auch gleich gemacht.

Auf der Party waren hauptsächlich Leute aus Südamerika. Die meisten hatte ich schonmal getroffen. Ist schon komisch, daß hier jeder jeden zu kennen scheint. Und alles ist so herzlich. Da wird zur Begrüßung (und zum Abschied) geküßt und umarmt.
Die musikalische Untermalung kam aus einem Laptop und es wurde fast ausschließlich Latinomusik gespielt. Und die Latinos haben dazu getanzt. Aber wie! Ich war schwer beeindruckt. Bei denen scheint das wirklich genetisch veranlagt zu sein. Unsereins, die steifen Deutschen, müssen stundenlang Schrittfolgen einstudieren, um sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Und die schaffen es, beinahe ekstatisch auf engstem Raum ihre Partner rumzuwirbeln, ohne mit den anderen Pärchen zusammenzustoßen.
Es war ein sehr schöner Abend. Ich habe mich prima mit den Leuten verstanden und viel gelacht. Wir sind dann halb 2 morgen nach Hause gefahren.

Diese Woche wurden in der Uni die Midterm Examen geschrieben, also eine Prüfung in der Mitte des Quarters. Ich habe zum Glück nur einen Kurs, und der ist hart genug. Dieser Professor schreibt aber immer Examen, die man mit nach Hause nehmen kann. Das bedeutet, man kriegt die Aufgaben und hat dann soundso viele Tage Zeit, um die Antworten zu Hause herauszuarbeiten. Man kann dafür jegliche Bücher und sonstige Quellen benutzen. Die einzige Bedingung ist, daß man es allein macht. Dafür ist dieses Examen auch recht knifflig. Ich habe gestern die eine Hälfte gemacht und werde heute den Rest machen.

Ich habe, seit die Uni offiziell angefangen hat, überhaupt nicht mehr an meiner Forschung gearbeitet. Ich habe garkeine Zeit dafür. Mein Kurs und meine Lehrtätigkeit halten mich genug auf Trab. Ich war deshalb etwas beunruhigt, als sich meine Chefin mit mir zusammensetzen und über mein Voranschreiten sprechen wollte. Sie hat mir dann aber gesagt, daß sie garnichts anderes erwartet hatte und daß es ihr damals genauso ging. Und ich habe mich außerdem mit meinen Kollegen unterhalten, die auch alle neu sind. Die haben auch keinen Finger mehr gerührt, weil sie zu beschäftigt sind. Das ist beruhigend.
Und das ist wahrscheinlich der Grund dafür, daß Doktorarbeiten hier so lange dauern.

Meine Chefin kommt jetzt ab und an wieder ins Labor. Die Gute sieht ganzschön müde aus. Sie hat versprochen, auch mal ihre Babies mitzubringen. Aber es hängt bei uns schonmal ein Foto von den Beiden an der Wand.
Und sie sagt, sie könne die Beiden (eineiige Zwillinge) jetzt auch schon unterscheiden. Vorsichtshalber ist das eine Mädchen aber noch durch lackierte Fußnägel markiert. Ich meine, jetzt wäre eine Verwechslung ja noch nicht so schlimm. Später, wenn sie ihre eigenen Namen kennen, dann wirds peinlich.

Ach übrigens, mein Untermieter hat einen selbstgeschnitzen Halloween-Kürbis im Fenster stehen. Das macht ihn in meinen Augen gleich sympathischer.

Dienstag, Oktober 25, 2005

Wortmeldung

Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Das liegt vor Allem daran, daß mir nichts Besonderes passiert. Außerdem schlafen, statistisch gesehen, die meisten Blogs nach ein paar Monaten ein. Also Leute, beschwert Euch bei mir, wenn ich Euch vernachlässige.

Ich wäre sehr gern bei der Goldenen Hochzeit dabei gewesen. Ich schätze, alle waren da, außer ich. Aber mir wurden immerhin Fotos versprochen (ähem, da sollte sich ein leicht verkalkter Verwandter, Verzeihung MEIN LIEBLINGSONKEL, angesprochen fühlen).

Ich treffe mich immernoch jeden Freitag mit meinen Freunden bei der Kaffeestunde, und wir gehen dann zusammen essen oder was trinken. Leider halte ich nicht lange durch, weil mich die ganze Woche ziemlich fertig macht. Ich bin dann schon um 9 reif fürs Bett.
Jetzt zeigen sie des Öfteren Filme bei der Kaffeestunde. Es sind natürlich ausländische Filme, was ich sehr schön finde, weil aus den Staaten schon lange nichts Gutes mehr gekommen ist (naja, es gibt Ausnahmen, aber das ist dann kein Mainstream Kino). Überhaupt, ich sehe mir fast nur noch ausländische Filme an. Meine neue Leidenschaft sind kanadische Filme. Mein Freund bemerkte neulich, daß ich immer einen Faible entwickle für Filme, die aus einem Land nördlich dessen sind, in dem ich mich gerade befinde. In Deutschland waren es dänische (und schwedische, norwegische) Filme, jetzt sind es kanadische.

Ich habe sowieso beschlossen, nach Kanada auszuwandern. Letzte Woche war ein Biologe hier, der an der Uni in Toronto arbeitet, und der hat sehr optimistische Geschichten über die Forschungsbedingungen in Kanada erzählt. Nichts wie hin.

Das Wetter ist hier jetzt eindeutig in den Herbst übergegangen. Der Himmel ist ständig grau, und es regnet oft. In meiner Wohnung ist es genauso kalt wie draußen. Nur die Heizung im Bad funktioniert schon, manchmal auch die im Schlafzimmer. Die machen merkwürdige Geräusche. Ich habe hier mal geschrieben, daß ich etwas unter Paranoia leide, seit ich mir Horrorfilme ansehe und schauerliche Geschichten von meiner Freundin zu hören bekomme. Das hatte sich wieder gelegt. Nun höre ich mitten in der Nacht zischende und atmende Geräusche von den Heizungen. Im Schlafzimmer genau neben dem Bett. Klingt wie jemand, der zwischen Bett und Heiung liegt und ein Lungenproblem hat. Oder die Tür plötzlich auf, weil sie nicht richtig geschlossen war und leichter Durchzug herrschte (altes Gebäude, die meisten Türen schließen nicht mit dem Boden ab).
Im Wohnzimmer ist es mitunter sehr kalt. Ich habe den ganzen Tag meinen Bademantel an, obwohl ich ansonsten voll bekleidet bin. Der Tee kühlt leider auch immer schnell ab. Ich habe mich mit meinem Nachbar abgesprochen, bei den Vermietern anzurufen und Heizung zu bestellen.

Ansonsten habe ich ordentlich viel zu tun. Ich bin ziemlich beschäftigt mit meinem Praktikum, das ich unterrichte. Ich muß jede Woche Arbeiten oder Tests korrigieren, zusätzlich zur Unterrichtsvorbereitung. Jetzt gerade mußte ich mich durch 37 Protokolle durchkämpfen, für die ich gut ein halbe Stunde pro Stück gebraucht habe. Besonders, wenn sie schlecht waren.
Und dann habe ich noch meine Kurse. Eigentlich ist es nur ein Fach, aber dreimal die Woche und sehr arbeitsintensiv. Naja, ist halt Graduiertenstudium.

Sonntag, Oktober 09, 2005

Rasenmähen an einem Sonntag

Ich wurde gerade unsanft aus meinem Schönheitsschlaf gerissen. Mein lieber Untermieter hat beschlossen, den Rasen zu mähen. Rasenpflege wird hier sowieso groß geschrieben. Die Leute mähen fleißig und besprengen ihren Rasen. Unser Gras befindet sich vor dem Haus, er hat aber komischerweise den Rasenmäher schon hinter dem Haus angeschmissen (die Schlafzimmerfensterseite) und ist dann damit ums Hause gefahren. Dann hat er das Ding für 3 Minuten herumgeschoben und nun ist es wieder aus. Toll.

Ich habe den Eindruck, der Typ mag mich nicht. Ganz am Anfang habe ich von ihm Schelte gekriegt, weil ich die Haustür nicht abschließe, wenn ich rausgehe. Seitdem mache ich das. Danach hat er sich beschwert, weil ich mein Auto (das geborgte Auto meiner Chefin) einmalig auf dem Hinterhof unter dem Dach abstellt habe, das für die Autos gedacht ist. Als ich eingezogen bin, hat man mir erklärt, mir stehe ein Platz dort zu. Mein Untermieter war nicht der Meinung. Er sagte, ich nehme den anderen den Parkplatz weg (die Hälfte der Plätze sind noch frei), ich habe mich speziell auf den Parkplatz von jemand anders gestellt (da ist nichts ausgeschildert) und ich sollte stattdessen hinten den Garagen parken, da wäre Platz für mindestens drei Autos (*vogelzeig* - da passen drei Autos hin, aber direkt nebeneinander, das Aussteigen wird dann schon schwierig; und man muß ewig rangieren, wenn man wieder raus will und man läuft Gefahr, die Kurve nicht zu kriegen und an der Wand entlang zu schaben). Dann fand er meinen Freund und mich zu laut. Wir haben es außerdem gewagt, unser Mietauto wieder unter dem Dach abzustellen. Jetzt habe ich verschissen. Plötzlich kann ich meine Hintertür nicht mehr blockieren. Vorher konnte man eine kleine Spange vorschieben und die Tür blieb offen. Jetzt fällt sie immer zu, weil die Spange nicht mehr greift. Keine Ahnung, ob der da was dran geschraubt hat oder warum das nicht mehr funktioniert. Außerdem, normalerweise dusche ich erst spät abends, bevor ich ins Bett gehe, weil ich so lange noch arbeite. Und jedesmal, wenn ich gerade unter der Dusche stehe, dreht der Alte da unten das Wasser in seinem Bad auf. Der Wasserdruck geht runter und ich muß mit dem bißchen Wasserplätschern zurechtkommen. Und das jeden Tag.

Es ist von einem Tag auf den anderen kalt geworden hier. Am Donnerstag bin ich noch in T-Shirt draußen herumgelaufen, einen Tag später mußte ich schon einen Pullover und eine Jacke anziehen. Jetzt ist es seit 3 Tagen kalt. Ich frage mich, wann die die Heizung endlich anschalten...

Gestern ging der Feueralarm in meiner Wohnung los. Ich hatte gerade eine Pizza um Ofen. Der Ofen ist schon ziemlich alt, und der qualmt immer, wenn ich den benutze. Die Pizza selber war noch nicht mehr angebräunt, geschweige denn verbrannt. Plötzlich ohrenbetäubendes Piepen. Erstmal wußte ich garnicht, was los ist. Dann habe ich den Rauch in der Wohnung bemerkt. Erstmal alle Fenster aufgerissen und den Ofen aufgemacht. Wie gesagt, Pizza war gerade mal warm, aber nicht verbrannt. Hat immernoch gepiept. Ich habe dann mit einem Stapel Papier vor dem Rauchmelder gewedelt. Habe dann schnell mitgekriegt, daß das nichts bringt. Zum Glück habe ich einen Ventilator. Ich habe lange nach einer Steckdose suchen müssen (Piepen direkt über meinem Kopf – waah, war das laut). Das hat Abhilfe geschafft.

Samstag, Oktober 01, 2005

die erste Woche

Ich werde ja von der Uni dafür bezahlt, daß ich Studenten unterrichte. Die graduierten Studenten, also die hier ihr Diplom oder den Doktor machen, sind zuständig für die Praktika. In meinem Fall ist es Freshman Biology (Basiskurs für Biologen).

Ich habe zwei Kurse pro Woche. Es sind dreihundertoderso Studenten, die diesen Kurs belegen, also laufen immer 3 Praktika parallel, vormittags uns nachmittags. Wir alle (heißt, alle Lehrer) haben zwischen 20 und 25 Leute pro Kurs.

Dienstag Nachmittag durfte ich das erste Mal Lehrerin spielen. 22 Achtzehn- und Neunzehnjährige, die total gelangweilt aussahen; und ich war total nervös. Ich muß sagen, es lief nicht besonders gut. Ich bin mit der Sprache ins Holpern gekommen, habe den Stundenplan durcheinandergebracht, ein paar Dinge vergessen, die ich machen sollte, und nicht alles geschafft. Die werden sich sicher gefragt haben, was ich da vorn mache. Ich habe es allerdings auch geschafft, meine Studenten zum Mitmachen zu animieren.
Ich war am Ende so erledigt, daß ich nicht mal die Kraft hatte, mir selbst Vorwürfe zu machen, daß ich schlecht war.
Es war ziemlich anstrengend, denn der Kurs dauert fast drei Stunden. Ich mußte mir anschließend erstmal etwas Energie in Form eines Schokoriegels zuführen. Die technische Assistentin hat mir aber versichert, daß das erste Mal immer mies läuft, das zweite Mal dann aber deutlich besser.
Und so war es dann auch. Mein zweiter Kurs ist Donnerstag nachmittags. 24 Studenten. Diesmal habe ich mich an den Plan gehalten, mein Englisch war besser (natürlich bin ich noch nicht perfekt), meine Studenten haben mitgearbeitet und auch was gelernt (hatte ich den Eindruck). Und ich habe alle Aufgaben vollständig abgearbeitet. Es hat mir sogar Spaß gemacht. Ich war zufrieden mit mir.
Ich habe auf dem Campus einer meiner Studenten aus dem Dienstagskurs getroffen. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihn seinen Augen eine traurige Vorstellung abgegeben habe. Er meinte, daß ich so schlecht nicht gewesen bin, denn er hat verstanden, was ich ihm beibringen wollte. Das hat mich auch wieder aufgemuntert.

Fällt es auf, daß ich ständig von “meinen Studenten” rede? Ich liebe das. Ich fühle mich so verantwortungsbewußt und autoritär!