Montag, September 05, 2005

nicht mehr so allein

Mein Lukas ist am Mittwoch nach Cincinnati gekommen. Ich habe mir ein Auto von Elke geliehen, um ihn vom Flughafen abzuholen.
Selbstverständlich habe ich mich gleich erstmal verfahren. Hier in den USA sind die Strassen bzw Abfahrten anders ausgeschildert als in Deutschland, habe ich festgestellt. Heisst, man biegt nicht hinter dem Schild ab, sondern vor dem Schild. So habe ich meine Abfahrt auf die Autobahn verpasst. Ich habe nicht schnell genug reagiert, und musste geradeaus weiterfahren. Habe lange kein Schild gesehen, welches wieder auf eine Abfahrt hinwies. Nach 15 Minuten Fahren in die falsche Richtung habe ich dann an einer Tankstelle angehalten und nach dem Weg gefragt.
Auf dem Flughafen habe ich mich wieder nicht zurecht gefunden. Ich habe keine Hinweise auf die Parkplätze gesehen, also bin ich den Schildern zum Terminal gefolgt, an dem Lukas ankommen sollte. Dort konnte man natürlich nicht parken, sondern nur kurz zum Einladen halten. Ich musste also weiterfahren. Dort kam dann schon das Flughafen-Ausgangs-Schild. Ich habe ein Polizeiauto gesehen und habe daneben angehalten und nach dem Parkhaus gefragt. Man kann es zwar neben den Terminals sehen, tatsächlich muss man fast eine ganze Runde um das Flughafengelände drehen, um in das Parkhaus zu kommen, das ist alles Einbahnstrasse. Schnell noch zum Terminal gesprintet, weil ich war schon reichlich spät dran war. Zwei Minuten später kam Lukas dann auch schon.

Zu meiner Verteidigung: ich war das Erste Mal allein mit dem Auto hier unterwegs, sonst sass ich immer auf dem Rücksitz und habe mir die Gegend angesehen und nicht die Strasse. Und musste nun gleichzeitig Schilder lesen, auf die Karte gucken und nicht in andere Autos krachen.

Die Ampels stehen hier nicht direkt an den Kreuzungen, sondern hängen in der Luft gegenüber der Kreuzung. Man muss also wieder vor der Ampel abbiegen. Man darf trotz rotem Signal aber auch beliebig rechts abbiegen (wenn Strasse frei), es sei denn, es wird explizit darauf hingewiesen, es nicht zu machen. Überall stehen Stoppschilder. Die werden hier auch tatsächlich respektiert, nicht wie bei uns, wo diese gleichbedeutend mit Vorfahrt-beachten-Schildern gehandelt werden. Wenn man hier ein Stoppschild überfährt, kann das unter Umständen polizeitechnisch böse ausgehen. Genauso das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit. Ich habe gehört, man kann sich bis zu einer Nacht im Gefängnis einfangen (neben der Geldstrafe), wenn man beim Rasen erwischt wird. Rasen heisst hier (Stadtautobahn) mehr als 65 Meilen pro Stunde (sind etwa 100 km/h). Ausserdem gibt es eher wenige Vorfahrts- bzw Nebenstrassen. Wenn man an einer kleineren Kreuzung ankommt, ohne eine Ampel, müssen alle an ihrem Stoppschild anhalten und derjenige, der zuerst da war, darf auch zuerst fahren.
Ich muss sagen, die Autofahrer sind hier sehr kolant. Man wird nicht plötzlich von jemandem links überholt, der mal keine 3 Sekunden warten konnte (natürlich auf der Gegenfahrbahn) oder böse angehupt, wenn man einen Fehler macht. Auch halten die Autos grundsätzlich für Fussgänger.
Handys am Steuer sind hier nicht verboten, deshalb sieht man ständig Leute telefonieren. Allerdings haben die meisten Autos hier Automatikgetriebe, weshalb man auch eine Hand frei hat fürs Telefon. Und es besteht keine Helmpflicht auf Motorrädern.

Auf dem Rückweg vom Flughafen haben wir uns schonwieder verfahren. Noch eine Verkehrsanmerkung für amerikanische Stadtautobahnen: manche Ausfahrten sind LINKS. Wir sind glatt daran vorbei, mit einer ooh-Expression auf dem Gesicht :).

Auto bei Elke abgegeben und zu Fuss zurück. Man ist etwa 25 Minuten unterwegs von dort zu meiner Wohnung. Ich wollte Lukas aber gern die Ludlow Avenue zeigen, durch die wir hindurch mussten. Das ist eine Hauptverkehrsstrasse in meinem Stadtteil, auf der es so ziemlich alles gibt, was man braucht, und das mit romantischem Flair (schöne Häuser). Dort ist ein Supermarkt, eine Drogerie, diverse Restaurants (indisch, thailändisch, italienisch, Cincinnati-typisches Chili, Subway, Eis), einige Bekleidungsgeschäfte, ein Blumenladen, ein Möbelgeschäft, mindestens einen esoterischen Laden, ein kleines Kino (mit Markise, auf dem die aktuellen Filme stehen), einen Buchladen und eine kleine, öffentliche Bibliothek, ein Friseur, mehrere Banken und eine Bar. Das alles über 3 Blocks verteilt.

Am nächsten Tag sind wir in die Uni gegangen. Ich hatte noch ein wenig im Labor zu tun und wollte mir ausserdem meinen Gehaltsscheck abholen. Dann sind wir rüber in die Informatik und haben uns erkundigt, welche Möglichkeiten es hier für Lukas gäbe. Die Leute waren wieder einmal sehr hilfsbereit, was Lukas sehr gefreut hat. Mal sehen, was wir draus machen können.
Zurück in die Ludlow. Ich haben meinen Scheck zur Bank gebracht und dann haben wir ein paar von den Läden besucht. Und Kinokarten für "The Constant Gardener" gekauft. Nochmal nach Hause, um Essen zu kochen und dann ins Kino. Der Film war ausser von zwei anderen Mädels nur von Rentnern besucht.

Lukas wollte unbedingt ein Auto mieten, damit wir hier rumfahren können. Er hat eine Vermietung gefunden, die ziemlich billig sein soll und trotzdem gut in der Wertung abschneidet. Sie heisst "rent a heap", was soviel heisst wie "miete eine Schrottmühle". Die vermieten sehr alte Autos (deshalb billig), die sie im Falle eines Unfalls auch selber reparieren. Wir haben beschlossen, mit dem Bus hinzufahren. Zuerst Richtung Downtown und von dort aus in einen anderen Bus wieder nach Norden zu der Autovermietung. Nach über einer Stunde sind wir dann angekommen. Tja, leider konnten wir dann nichts mieten, weil wir keine Autoversicherung hatten. Normalerweise kriegt man die zusammen mit dem Auto bei der Vermietung, aber in dem Fall nicht. Ein Anruf bei einer Autoversicherung (wir dachten, schnell eine abzuschließen) war dann erfolglos, weil man keine kurzzeitigen Abschlüsse (also für 1 Woche) machen kann. Wieder in den Bus Richtung Downtown. Dort sind wir dann herumgelaufen und haben uns die Innenstadt angesehen. Ich bin zuvor erst zweimal wegen Behördengängen dort gewesen, aber hatte nie Zeit, mir alles anzusehen. Ich habe es tatsächlich geschafft, KEINEN Einkaufsbummel draus zu machen, Lukas zuliebe, der für sowas keine Geduld hat. Wir haben auch das Touristenzentrum besucht und nach weiteren Autovermietungen gefragt. Eine davon haben wir gefunden und nach den Preisen gefragt. War dann doch (mit Versicherung) reichlich teuer.

Lukas hatte die Idee mit dem Auto aber noch nicht ganz aufgegeben. Er sagte, am Flughafen gäbe es diverse Autovermietungen, die teilweise günstig sein sollen. Ich habe also wieder Elke angerufen, um mir ihr Auto zu leihen.
Ich war die ganze Zeit dafür, kein Auto zu mieten, sondern das von Elke zu nehmen (was sie mir angeboten hatte), weil wir für das nur das Benzin bezahlen müssen. Wir könnten das solange benutzen, bis sich Elke´s Babies bemerkbar machen (was jeden Tag passieren kann). Aber Lukas wollte lieber eins mieten.
Wir sind also am Samstag wieder zum Flughafen gefahren, diesmal ohne Verirrungen. Es hat sich rausgestellt, dass die Autos dort genauso viel kosten wir in der Innenstadt. Fehlanzeige.
Danach sind wir noch einkaufen gefahren. Für Lukas natürlich hart an der Schmerzgrenze.

Zu Hause angekommen habe ich leider feststellen müssen, dass irgendwas mit meinem Computer nicht stimmt. Was genau der Fehler ist, konnte mir Lukas nicht sagen (das kommt davon, dass ich mir einen Software-Spezialisten geangelt habe).

Eigentlich wollten wir gern mit Srdjan und Irena ausgehen, aber ich habe die beiden partout nicht ans Telefon gekriegt, also sind wir an dem Abend wieder ins Kino gegangen, zu "Broken Flowers". Danach waren wir eine ganze Weile spazieren.

Gestern, Sonntag, fand hier in Cincinnati das sogenannte "Riverfest" statt, anlässlich des Labordays heute. Dazu gibts irgendwelche Feierlichkeiten in der Stadt und eine abendliches Feuerwerk am Ohio River (Downtown). Irena uns Srdjan wollten nicht mitkommen, also sind wir zwei allein mit dem Bus in die Stadt gefahren. Halb Cincinnati war da. Direkt am Fluss wurde Essen verkauft, aber natürlich zu überhöhten Preisen. Wir haben beschlossen, in der Stadt erstmal was zu essen und dann zurückzukommen, wenn das Feuerwerk starten sollte.
Das Feuerwerk hat ziemlich lange gedauert, mindestens 20 Minuten, und war sehr hübsch anzusehen. Beeindruckend war auch das Echo, dass von den ganzen Hochhäusern zurückgeworfen wurde.
An den Bushaltestellen hatten sich natürlich wahre Menschenmassen angesammelt. Die meisten Leute sind mit dem Auto gekommen, aber das lässt immernoch genug Leute für den Bus übrig. Auf den ersten haben wir verzichtet, der war einfach zu voll. Wir haben uns gedacht, dem nächsten einfach entgegenzugehen, um vielleicht früher einsteigen zu können und noch einen Platz abzukriegen. Tatsächlich haben wir einen gefunden, der auch mitten auf der Strasse Leute hat einsteigen lassen (bei dem Stau in der Stadt verständlich). Wieder an der ursprünglichen Haltestelle angekommen, waren inzwischen drei oder vier Busse vorgefahren, um die Leute wegzubringen. Letztendlich lief es also doch besser.

Leider haben wir meinen Computer immernoch nicht zum Laufen gekriegt (3 ganze Tage!). Wahrscheinlich muss ich den doch zur Reparatur bringen. Hmpf.

1 Comments:

At Juli 15, 2010 10:22 AM, Anonymous Anonym said...

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