mein Gewicht in Insekten
Ich belege dieses Quarter einen Zoologiekurs. Am Dienstag hatten wir lebende Blutegel da. Der Prof sagte, es würde sich immer jemand finden, der sich einen ansetzt und sich so in den Mittelpunkt der Klasse stellt. Nu ratet mal wer!?Uns wurde gesagt, die Egel hätten eine ganze Woche gehungert und würden sicher gleich auf uns anspringen. Ich habe meinen Egel erstmal eine Weile gepokt, aber er hat sich immer nur zusammengekringelt. Aber ich muß sagen, die fühlen sich wirklich sehr weich an. Nach einer Weile, mein Finger wurde schon ganz schrumpelig, habe ich dann versucht, meinen Egel aus dem Wasser zu hebeln. Er hat auch nicht angebissen. Dann habe ich ihn herausgenommen und direkt auf meine Handfläche gelegt. Er ist zwischen Hand und Unterarm herumgekrochen, aber er hat wieder nichts gemacht. Ich habe gedacht, ich habe ihn durch mein Herumfummeln vielleicht nur nervös gemacht und habe mir einen neuen genommen und auf meinen Arm gesetzt. Der wollte auch nicht knabbern. Ich war so enttäuscht!
(Übrigens, im Deutschen heißen die „24-Stunden-Ameisen“, weil der Schmerz bis zu 24 h anhalten kann.)
Die haben dort auch eine Waage, die einem das Gewicht in Insekten anzeigt. Ich wiege 27 Millionen Insekten! Das letzte Mal habe ich 30 Millionen gewogen. Das bedeutet, ich habe DREI MILLIONEN Insekten abgenommen. Das ist doch mal eine interessante Art, das eigene Gewicht zu sehen. Und den Abnehmerfolg zu betonen!
Danach habe ich mich zu meinem wöchentlichen Filmabend begeben. Wir haben einen Film aus Venezuela gesehen – „Secuestro express“ (2005). Es geht um diese kurzzeitigen Entführungen (secuestro express) in Lateinamerikanischen Ländern. Leute werden für zwei, drei Stunden verschleppt, die Entführer plündern die Bankkonten und erpressen Geld von Angehörigen. Laut Kommentar machen manche Leute das als eine Art Job und schaffen bis zu drei Entführungen in einer Nacht. Das passiert wohl gar nicht so selten. Veronica hat erzählt, ihre Cousine ist mal für ganze zwei Monate entführt worden. Inzwischen geht es ihr wieder gut, aber damals war es natürlich schrecklich.
Ich habe meine Kolumbianer gefragt, ob das in ihrem Land auch passiert. Sie meinten, es komme vor, aber die Situation hätte sich schon gebessert. Das ist sicher wieder so ein typisches Vorurteil gegenüber Lateinamerika. Mafe ist mal von dem komischen Inder gefragt worden, ob sie mal als ‚Mule’ gearbeitet hat. Für alle, denen das nichts sagt; das ist ein abfälliger Begriff für Menschen, die Drogen in ihrem Magen schmuggeln. ‚Mule’ heißt ‚Esel’. Das sind größtenteils arme Leute, die ihr Leben riskieren, um ein bisschen Geld zu verdienen. Es gibt übrigens einen sehr guten Film zu dem Thema – „Maria voll der Gnade“. Mafe fand die Frage natürlich nicht so charmant.
Am Freitag waren Frances und ich zum vorgezogenen Geburtstag von einem Kollegen eingeladen. Frances hatte beschlossen, nicht mitzukommen.
John hatte sich bei mir gemeldet, auf der Suche nach einer Party. Ich habe ihn gefragt, ob er und Daniel mich stattdessen begleiten wollten. Ich habe dann noch Mike Bescheid gesagt, weil der auch nicht einfach nur zu Hause bleiben wollte.
Eine halbe Stunde vor Abfahrt hat John angerufen und gesagt, er und Daniel würden doch lieber zu Hause bleiben, weil sie am Montag eine Prüfung hätten und lernen müssten. Als ich Mike davon erzählt hatte, ist ihm plötzlich eingefallen, dass er auch noch was zu tun hat. Ich hatte eigentlich vorgehabt, meine Kollegen zu beeindrucken, indem ich mich drei hübschen Jungs auftauche, und dann werde ich in letzter Minute von allen dreien versetzt!
John und Daniel haben sich trotzdem angeboten,
mich hinzufahren. Wir haben uns erstmal total verfahren. Wir haben über eine Stunde gebraucht, um dort anzukommen, obwohl es eigentlich nicht länger als 15 Minuten benötigt. Aber es war sehr lustig dabei. Die beiden wollten sich bei der Gelegenheit eine Flasche Whiskey besorgen und sich beim Lernen die Kante geben. Wir haben an einem „liquor store“ gehalten, einem Laden, in dem es nur Alkohol gibt. Dort standen 2 schmale Kühlschränke mit Cola, der Rest des (sehr großen) Ladens bestand nur aus Regalen mit Alkohol.
Die Schnapsflaschen haben hier tatsächlich Henkel! Manche sind dazu sogar noch aus Plastik! Ist ungemein praktisch, wenn man schon ziemlich besoffen ist. Die Flasche fällt einem nicht so leicht aus der Hand, und wenn doch, dann geht sie wenigstens nicht kaputt!
Die Party fand in einem riesigen Haus statt, welches
zu einer Art Club umfunktioniert wurde. Es gab live Musik. Im Erdgeschoss wurde etwas gespielt, das sich am ehestens als ‚Dixieland’ beschreiben lässt (rechts). Außerdem gab es einen Raum mit Billiardtischen, aber wir haben dann doch nicht gespielt.
Im ersten Stock war die eigentliche Party. Das ganze war im Stil der 50er Jahre gehalten. Die Band spielte 50er Jahre Rock’n’Roll, und die alle waren passend angezogen: die Mädels in pastellfarbenen, flauschigen Kleidern mit zig Unterröcken, gerahmte Brillen und diesen klobigen, hochhackigen Schuhen. Die Jungs mit engen Jeans, Lederjacken, Cowboyboots und zurückgegelten Haaren, mit Elvislocke. Es wurde auch entsprechend getanzt.
Hat sehr viel Spaß gemacht! Und ich habe zwei neue Luftballon abgestaubt, pink und hellgrün! Leider machen die schon schlapp heute.
Übrigens, Ihr könnt alle Fotos in Originalgröße ansehen. Einfach draufklicken.
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