Sonntag, Juli 31, 2005

Ernährungsgewohnheiten

Leute, schickt mir Lakritze!
Ich habe bisher nur eine Marke gefunden, und die schmeckt nicht mal nach Lakritze :(

Ich habe mich gerade zum Frühstück (jedenfalls meine erste Mahlzeit des Tages) hingesetzt. Ich habe Limonade, die so viel Farbstoff enthält, daß sogar der Schaum beim Eingießen rot ist. Ich habe sie 1:1 mit Wasser verdünnt, ist aber trotzdem noch ziemlich süß. Das Brot, welches zwar sehr dunkel ist, schmeckt wie unser Weißbrot vom Bäcker. Der Kaffee ist auch komisch. Nicht nur, daß ich noch nicht die richtige Dosierung hingekriegt habe, aber der schmeckt wie Automatenkaffee, nur eben zu dünn oder zu stark, je nach meiner Dosierung.

Aber ich mag diese dicken Kekse mit den Schokostückchen! Und ich habe Cornflakes gefunden, die ganze Erdbeerscheiben drin haben.

Aber bitte, ich möchte Lakritze. Und Gummibären!

Einen Kollegen von mir (aus Rostock) hat es übrigens nach Italien verschlagen. Es lohnt sich, einen Blick in Jörch´s Blog zu werfen!

Geräusche des Nachts

Auf der Suche nach Möbeln oder anderen Einrichtungsgegenständen sollte man hier zu Garagenverkäufen gehen. Leute, die sich selbst neues Zeug zulegen (wollen), verkaufen an den Wochenenden ihren alten Kram sehr günstig vor ihrem Haus. Man muß natürlich früh genug da sein, um etwas Gutes zu finden.
Leider habe ich auf diese Art noch keine Möbel (ich brauche erstmal einen Tisch und Stühle) gefunden, aber eine ganz nette Tasse mit der Aufschrift "Ich mag Dich heute lieber als gestern, gestern bist Du mir ziemlich auf die Nerven gegangen!" ;).
Aber am Freitag habe ich ein Bett gekauft! Irena und Srdjan haben mich zu dem Laden gefahren, in dem sie selber im letzten Jahr ihr Bett gefunden haben. Ich habe ein Doppelbett genommen, in Queen-Size (Königinnengröße), welches hier das zweitgrößtmögliche Bett ist. Das Bett war allerdings zu groß, um es gleich mitzunehmen, und um das Geld für die Anlieferung zu sparen, habe ich meinen Kollegen John gebeten, mit mir am Montag oder Dienstag das Bett abzuholen, weil der hat einen Pickup mit großer Ladefläche.

Gestern habe ich zum ersten Mal meine Wäsche gewaschen. In den Apartmenthäusern hier stehen immer eine Münzwaschmaschine und ein Trockner im Keller. Kostet nur 1 Dollar jeweils, also billiger als diesen Läden. Die Geräte sind (wen verwunderts) riesig! Die Trommeln sind dreimal so groß wie in Deutschland. Ich habe soviel Wäsche mit runter genommen, wie ich in eine normale (deutsche) Waschmaschine einfüllen würde. Die Wäsche hat vielleicht ein Viertel der Trommel eingenommen.
Während die Maschine lief, habe ich meine Wohnung geputzt. Dauert wegen fehlender Möbel nicht wirklich lange. Einmal durchfegen und wischen. Aber wow, habe ich geschwitzt!

Ich wollte an diesem Wochenende eigentlich in den Zoo gehen, aber der Eintrittspreis von 13 Dollar ist mir dann doch zuviel. Dann muß ich wohl erst ein paar Gehaltschecks kriegen.

Ich lasse abends immer die Hintertür offen, und dazu die Fenster im Wohnzimmer, weil ich hoffe, es zieht mal ein wenig durch und bringt frische Luft. Es ist fast unerträglich schwül hier. (Ich fange mir deshalb jeden Abend mindestens einen Mückenstich ein.) In diesem Haus knackt aber andauernd irgendwas, oder es rummst. Oder die Toilettenspühlung geht los, während ich unter der Dusche bin. Ich kriege immer kurz Panik, irgendjemand anders ist in meiner Wohnung.
Ich denke, ich sehe zuviele Horrorfilme in letzter Zeit.
Ich kriege aber auch immer erzählt, wie gefährlich diese Stadt ist. Wenn ich mit Srdjan und Irena unterwegs bin, höre ich immer sowas wie "diese Straße hier ist nicht sicher" und "nachts auf keinen Fall hier langlaufen". Die beiden wohnen eine Straße weiter (weniger als 5 min Fußweg), und trotzdem bestehen beide drauf, mich nachts nach Hause zu bringen, obwohl das hier eine gute Gegend ist.
Es sind auch sehr viele Sirenen zu hören. Irena meint, ich werde mich daran gewöhnen und die irgendwann garnicht mehr realisieren. Ich denke, meistens sind es Krankenwagen. Ich sehe oft nachts durch mein Schlafzimmerfenster einen Polizeihubschrauber vorbeifliegen.
Gestern hat es direkt vor meinem Haus sehr laut geknallt. Klang nach Feuerwerkskörpern, aber ich war nicht sicher. Ich habe es jedenfalls nicht gewagt, nachzusehen. Die Nadine in der großen Stadt....

Donnerstag, Juli 28, 2005

Ausflug zum Insektensammeln

Ich war nun schon zweimal mit Srdjan in Parks unterwegs, um nach Tieren zu suchen. Er hat mit gezeigt, wo man sie findet und wie man es anstellt, auf was man achten muß usw..

Heute sind wir, heißt Srdjan, Elke und ich, durch die bewaldete Gegend gefahren, um nach Papierwespen zu suchen. Das sind die Wirtstiere für die Fächerflüglerart (Parasiten), die es hier gibt. Sie bauen kleine Nester, die man unter den Dächern von Hütten mit einem Holzdach findet. Wir waren auf der Suche nach Nestern, in denen sich Wespenlarven befanden, damit wir sie im Labor mit den Fächerflüglerlarven infizieren können und auf diese Weise hoffentlich genug davon für Untersuchungszwecke züchten können.

Die erste Station war ein Friedhof. Die Gräber sind hier vielmal mit riesigen Grabsteinen versehen, darunter nicht halb soviel Kreuze, wie ich erwartet habe. Diese Gräber sind wahrscheinlich die der etwas Vermögenderen, denn sie lagen recht weit auseinander. Oft sieht man auch nur kleine Steinplatten, die die Gräber repräsentieren. Die sind dann meist dichtgedrängt. Über den Friedhof führen viele befestigte Straßen, durch die man ungehindert mit dem Auto fahren kann, nicht so wie in Deutschland, wo man nur zu Fuß gehen kann.

Die Vorgehensweise ist folgende:
Man suche sich ein Nest, in dem sich Larven befinden, und auf dem außerdem erwachsene Tiere sitzen. Die Nester sind meist nur einige Zentimeter im Durchmesser und mit einigen wenigen erwachsenen Wespen bestückt. Man nehme einen Becher und stülpe ihn über das Nest. Am Besten mitsamt der erwachsenen Tiere. Wenn diese wegfliegen, zum Beispiel um stechenderweise das Nest zu verteidigen, fange man sie mit einem Netz ein. Heißt, man solle mindestens eine zweite Person dabeihaben. Die becherüberstülpende Person schneide nun, zum Beispiel mit einem Messer, das Nest von der Decke. Die Nester sind nur mit einem kleinen Stil an der Decke befestigt. Sind sie in eine Ecke gequetscht, wird es schon schwieriger. Man schließe den Becher über dem Nest und den Wespen, bzw., man füge die extern gefangenen Wespen dazu. Fertig.

Das Abschneiden der Nester hat Srdjan übernommen. Er ist auch derjenige, der immer die Stiche einfängt. Die Wespen gehen besonders gern ans Gesicht.
Ich habe festgestellt, daß ich kein Naturtalent mit dem Insektennetz bin. Das kommt davon, wenn man seine Tierchen immer schon tot gereicht bekommt. Naja, ist eben Übungssache. Weil die Wespen aber doch zu wertvoll sind, hat Elke das Netz gekriegt. Ich habe mich um die Becher gekümmert und die extern gefangenen Wespen eingetütet.

Als nächstes waren wir bei einem Gewächshaus. Ziemlich großes Gelände. Hinter den Gewächshäusern sah es ziemlich vermüllt aus. Dort standen kleine Baracken, umgeben von lange nicht gebrauchten Gegenständen wie Räsenmäher, Holzpaletten, Einmer (deren Inhalt angetrocknet war), Schaufeln, eine Kinderwippe, ein altes Sofa.... Sah aus, als hätten sie das Zeug einfach abgestellt, mit der Idee, daß das irgendwann mal wieder nützlich sein kann. Das mag schon 10 Jahre her gewesen sein. Der Platz schrie förmlich nach Aufräumen.

Nächste Station: ein riesiger Park.
Dieser Park, wurde mir gesagt, ist berühmt-berüchtigt dafür, daß sich die Homosexuellen dort treffen. Tatsächlich standen verstreut Autos mit einzelnen, wartenden Männern.
Dort gibt es links und recht von dem Wegen (Straßen) kleine Lichtungen mit Bänken und Toilettenhäuschen für das gute amerikanische Familienpicknick und einzelne Mietbungalows. Sah aus wie in den stereotypen Teenager-Splatterfilmen wie "Freitag der 13".
Ich habe sehr viele Rehe gesehen, die zwar etwas auf Abstand blieben, aber doch ziemlich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt zu sein schienen. Man konnte auf 5 Meter rangehen, ohne daß sie sich gestört fühlten. Streicheln wollten wir sie dann doch nicht.
Jedenfalls, in diesem Park haben wir ein richtiggehendes Bilderbuch-Nest gefunden.

In der Uni habe ich Srdjan geholfen, jenes Bilderbuch-Nest zu infizieren, also die Parasitenlarven auf die Wespenlarven zu setzen. Da drin waren 30 bis 40 Wespenlarven (die meisten anderen haben nur 4 oder 5), von denen hoffentlich viele mit Parasiten heranwachsen. Die brauchen wir beide nämlich für unsere Doktorarbeiten, denn das sind unsere Untersuchungsobjekte.
Das Nest wird dann an die Decke eines Holzkastens geklebt, die Wespen draufgesetzt und Futter reingestellt. Jetzt hilft nur Daumendrücken.


Ich hatte schon befürchtet, daß Gertrud, meine kleine Mantis, sich durch das Wohnzimmerfenster aus dem Staub gemacht hat. Aber gestern habe ich sie wiedergefunden (immernoch am Wohnzimmerfenster). Ich konnte beobachten, wie sie sich eine Fliege geschnappt hat und genüsslich drauf herumgekaut hat. Ich habe natürlich schnell ein Foto gemacht, aber danke meiner Unfähigkeit, die Digicam richtig zu bedienen (die hat immer die falsche Stelle focussiert - ist halt schlecht, wenn man was fotographieren will, was auf einer Glasscheibe sitzt), ist das Bild nicht gerade scharf.

Dienstag, Juli 26, 2005

noch ein neuer Mitbewohner

Diese Mini-Ausgabe einer furchterregenden Gottesanbeterin ist in mein Badezimmer eingezogen. Dort lebt sie schon seit 2 Tagen. Ich konnte bisher der Versuchung widerstehen, sie einzutüten.


Heute war ich bei der Master-Verteidung von KK, meinem indischen Kollegen. Ich muß sagen, er war wirklich sehr gut.
Die Verteidigungen laufen hier etwas anders ab als bei uns. Zum Ersten haben sie nicht diese 20 Minuten-Einschränkung; man kann reden, solange man es für nötig hält. Außerdem muß man sich hier nicht an das starre Gliederung-Einleitung-Material & Methoden-Ergebnisse-
Diskussion-Zusammenfassung halten. Und nach dem Fragen-Teil müssen alle Nicht-Jurymitglieder raus. Und draußen bleiben. Irgendwann ist KK dann wieder im Lab aufgetaucht und wir konnten ihm gratulieren.

Zum Mittag hat KK Pizza ausgegeben. Heute Abend steigt die Party dazu bei Elke zu Hause. Ich werde wohl nicht allzuviel zum Arbeiten kommen, heute.

Ich bin jetzt übrigens stolze Besitzerin eines DSL-Anschlusses. Keine Möbel in der Wohnung, kaum Geschirr, aber einen High-Speed-Internetanschluß.....

Freitag, Juli 22, 2005

Sozialversicherungsnummer und unerwarteter Gast

Gestern hat mich Elke wieder in die Innenstadt gefahren, damit ich meine Sozialversicherungsnummer beantragen konnte. Da einen Parkplatz zu finden ist fast unmöglich. Aber ich habe festgestellt, daß es auch noch was anderes als Bürogebäude dort gibt.
Im Eingangsbereich des "Federal Buildings" muß man durch einen Metalldetektor laufen, einen Ausweis vorzeigen und die Tasche zum Durchleuchten auf ein Band legen. In der Mitte der Eingangshalle hängt ein Bild von Dabbelju, flankiert von amerikanischen Flaggen.
Bis auf das in-der-Schlange-stehen geht das Ganze aber recht schnell. Die Sozialversicherungskarte kriege ich in 2 Wochen zugeschickt.

Heute morgen habe ich mir das Gesicht gewaschen und ein Handtuch zum Abtrocknen genommen. Dann sehe ich eine (sehr nahe) Bewegung aus den Augenwinkeln und fahre natürlich erschreckt zurück. Da saß eine Küchenschabe auf meinem Handtuch. Ich habe überlegt, was ich jetzt mit der Schabe tun sollte. Umbringen kam nicht in Frage, ich bin ja eine Insektenfreundin. Zum Einfangen war es dann schon zu spät, denn sie hatte sich an die Decke verkrochen.
Ich warte erstmal ab, ob die sich nochmal blicken läßt. Gestern habe ich außerdem noch einen Silberfisch in meinem Schlafzimmer gesehen.
Vielleicht komme ich ja so zu einem neuen Haustier ;)

Anbei ein Foto, das ich gestern gemacht habe, nachdem die Müllabfuhr da war. Die Müllmänner machen sich hier nicht die Arbeit, die Mülltonnen wieder richtig auf dem Fußweg abzustellen, sondern werfen die einfach zurück. Das sieht dann so aus:



P.S. Nachdem ich von einfrigen (oder besser pedantischen) Lesern schon zweimal verbessert wurde: Jene Straße hatte natürlich KEINE 30% Steigung. Das war nur ein geschätzter, grob aufgerundeter Wert! Es bedeutet nur, die Straße ist wirklich (wirklich) steil und es ist sehr anstrengend, dort voranzukommen.

Mittwoch, Juli 20, 2005

Abenteuer Radfahren

Gestern habe ich die Telefongesellschaft angerufen und gefragt, warum mein Telefon noch nicht funktioniere. Nach mehrmaligem Weiterleiten sagte mir endlich jemand, daß es an meiner Sozialversicherungsnummer läge. Ich habe von der Uni erstmal eine Vorläufige bekommen (die gleiche wie meine Matrikelnummer). In den USA gibt es keine Personalausweise. Man identifiziert sich entweder über die Fahrerlaubnis oder eben über die Sozialversicherungsnummer. Meine Nummer konnte mir bei der Überprüfung aber nicht zugewiesen werden, weil die eben nur vorläufig und nicht offiziell ist. Die Lösung wäre, in das Büro in der Innenstadt zu kommen und mich auszuweisen, dann würde der Telefonanschluß auch freigeschaltet werden.

Damit ich nicht immer jemanden fragen muß, ob der- oder diejenige mich irgendwo hinfahren kann, habe ich beschlossen, mit dem Rad zu fahren. Ich habe mir die Strecke ausgedruckt. Waren etwa 3 Meilen, also weniger als 5 Kilometer.

Heute morgen habe ich mich auf den Weg gemacht. Ich wußte, auf welcher Streckenabschnitts-Straße ich landen sollte, weil die kannte ich schon, also habe ich eine Abkürzung genommen. Schonmal großer Fehler, denn nun wußte ich nicht mehr, ob ich von meiner momentanen Kreuzung aus nach links oder rechts abbiegen mußte, um entlang der momentanen auf die nächste Straße zu kommen. Wenigstens wußte ich ungefähr die Richtung, also bin ich mal mutig in die nächste größere Straße eingebogen. Dort habe ich leider kein Namensschild gefunden. Also habe ich jemanden nach dem Weg gefragt. Immer die Straße runter (etwa 30% Gefälle, also wirklich steil!) bis zum Ende des Hügels und dann rechts.

Links und rechts am Straßenrand waren nun schon an jeder Kreuzung mehr oder weniger große Ansammlungen von schwarzen jungen Männern zu sehen, die einfach nur dastanden und die Straße beobachtet haben.

Unten angekommen habe ich die Straße nicht gesehen (mußte eine breite Straße sein) und wieder jemanden gefragt. Tatsächlich war ich nur eine Kreuzung zu weit, also kurzes Stück zurück. Die angewiesene Straße genommen. Und ich bin wirklich auf der gewünschten Streckenabschnitts-Straße gelandet. Hmm, von hier nach rechts oder links? Da ich sowieso schon entgegen meiner Streckenanweisungen gefahren war, war es doch nicht ganz so leicht. Denn ich hatte natürlich auch keinen Stadtplan dabei!

Ich habe mich für links entschieden. Bin der Straße gefolgt; nach 1,5 km ist diese tatsächlich in eine andere Straße übergegangen, wie auf meinem Plan. Von da an konnte ich mich wieder nach meinem Zettel richten. Zwei Ecken weiter und ich war da.

Die Innenstadt besteht hier nur aus Bürogebäuden.

Das Gebäude der Telefongesellschaft war nicht zu verfehlen, sehr gründlich beschriftet. Ich habe mein Rad angeschlossen und habe dann bemerkt, wie mich drei Mitarbeiter amüsiert beobachtet haben. Gut, ich habe auf dem Hinweg nicht ein einziges anderes Fahrrad gesehen. Und ich war durchgeschwitzt und knallrot im Gesicht vor lauter Anstrengung, und es standen mir die Haare nach allen Seiten ab.
Die Stadt ist mit ihren Hügeln alles andere als radfahrerfreundlich.

Drinnen bin ich zum Schalter. Meinen Paß und meine Bestellnummer gereicht. Telefon wird heute Nachtmittag freigeschaltet, das Internet nächsten Montag und ich bekomme noch das Modem zugeschickt.

Zurück aufs Fahrrad. Die nächsten zwei Kreuzungen habe ich noch hingekriegt. Danach war in völlig orientierungslos, dank meines väterlicherseits genetisch-vererbten Orientierungssinns ;). Aber egal, ich bin ja eine Frau und habe keine Probleme damit, nach dem Weg zu fragen. O.K., einfach geradeaus, zwei Kreuzungen weiter.

Gerade dann habe ich festgestellt, daß ich mich gerade auf der Main Street befinde, die Adresse, um meine richtige Sozialversicherungsnummer zu kriegen. Ich dachte, das wäre ganz woanders. Schön, daß meine Formulare dazu auf meinem Schreibtisch in der Uni liegen....

An der Kreuzung angekommen. Wieder das Problem mit dem Abbiegen. Auf dem Hinweg bin ich rechts abgebogen, also wäre jetzt links die bessere Wahl. Bin die Straße entlang gefahren und habe absolut nichts Bekanntes gesehen. Wieder nachgefragt. Der Mann meinte, ich wäre gaanz weit weg, ich solle das nächste Mal lieber mit dem Bus fahren. Erstmal die Straße runter bis zum Ende und dann wieder jemanden fragen. O.K., Straße runter. Und hey, Moment, die Kreuzung kam mir bekannt vor. Plötzlich wußte ich wieder, wo ich war! Links abgebogen in die Straße mit den schwarzen jungen Männern (einer hat gerade ein dickes Bündel Geld gezählt). Dann habe ich diese 30% Gefälle-auf-dem-Rückweg-natürlich-STEIGUNG-Straße nicht gleich gefunden. Also wieder jemanden gefragt; ich war sogar nicht weit entfernt. Das Mädel meinte dann noch zu mir, ich solle aufpassen, weil ich mich gerade in einer gefährlichen Gegend befände.

30%-Steigung-Straße erreicht. Ich bin dann abgestiegen und habe geschoben, denn ich war schon völlig außer Atem. Ich kam an einem Mann vorbei, der mich gefragt hat, warum ich nicht fahren würde. Ich trotzdem weiter den Hügel herauf geschoben, mit mindestens 1,025 km/h! Zum Glück schien mir die Straße auf dem Rückweg kürzer als hin. Oben angekommen (und mich geärgert, daß ich nichts zu Trinken dabei hatte) rechts rum und ich war schon fast an der Uni.

Ich glaube, ich werde doch lieber jemanden bitten, mich wegen meiner Sozialversicherungsnummer mit dem Auto zu fahren.


Und das Gas funktioniert in meiner Wohnung immernoch nicht, dabei habe ich gestern schon angerufen.

Dienstag, Juli 19, 2005

Ich schmelze.....

Es herrscht gerade ein tropisch-anmutendes Klima. Wenn ich aus der Dusche komme, bin ich kurz nach dem Abtrocknen schonwieder durchgeschwitzt. Ich habe nicht mal richtig kaltes Wasser aus der Leitung, ist fast lauwarm. Ich muß alle Getränke mit Eiswürfeln kühlen, damit ich sie trinken kann.

Ich bin gestern mit meinem geborgten Fahrrad einkaufen gefahren. Auf dem Hinweg gings bergab. Die Bremsen an diesem Fahrrad quietschen ganz laut, sodaß ich die Wahl habe zwischen effektiv abbremsen und NICHT die Aufmerksamkeit aller Leute zu erregen. Auf dem Rückweg bergauf (natürlich!). Ich habe alle 10 Meter oder so einen Gang niedriger geschaltet, und es war trotzdem zu anstrengend. Dann bin ich abgestiegen und habe geschoben. Ich glaube, ich war schiebend schneller als fahrend. Die Klamotten klebten mir am Körper, dabei war es schon 8 Uhr abends.

Ich habe mir Zutaten für mein Abendessen gekauft und habe ich schon darauf gefreut. Leider ging der Herd immernoch nicht. Dabei haben die mir gesagt, es wäre alles angestellt. Dann werde ich da nochmal anrufen müssen.

Und Telefon geht auch noch nicht.

Montag, Juli 18, 2005

erste Nacht in der Wohnung

Ich habe zum ersten Mal in meiner Wohnung geschlafen. Zum Glück habe ich schon Strom, wenn auch kein Gas.

Wohnzimmer

Küche

Schlafzimmer

Bad


Es ist noch etwas dürftig eingerichtet, aber für die ersten Tage wird das reichen. Im Kühlschrank habe ich ein Brot, Butter, ein Glas Marmelade, ein Stück Käse und eine Packung Frischkäse. Und Milch.

Ich habe letzte Nacht aber ganz schön geschwitzt, trotz aller Fenster und Hintertür offen! Im Schlafzimmer habe ich wenigstens eine Klimaanlage.

Problem ist nur, ich habe noch kein Klingelschild. Ich habe heute 4 Stunden auf einen Elektriker gewartet, der meine Stromzufuhr (offiziell) und das Gas für den Herd freischalten sollte. Ich habe so oft wie möglich aus dem Fenster gesehen, aber nichts entdeckt. Nur ein Mann vom Kabelfernsehen. Das Telefon funktioniert auch noch nicht, liegt aber vielleicht nur am Akku, weil schnurlos.

Sonntag, Juli 17, 2005

eigene Wohnung in Cincinnati

Ich habe am Freitag den Mietvertrag für mein Apartment unterschrieben.
Am Samstag hat mich der Mann meiner Chefin in ein riesiges Kaufhaus gefahren, und dort habe ich dann reichlich Startmaterial eingekauft. Möbel gibt es hier wohl gebraucht schon sehr günstig; darum werde ich mich in den nächsten Tagen kümmern. Ein Bett kann ich mir erstmal von Elke leihen, außerdem kriege ich ein Sofa von ihr.

Wir haben dann gestern den ganzen Kram in meine Wohnung gebracht. Die Eingangstür ging leider nicht auf, weil das Schloss verbogen ist. Es sieht so aus, als hätte jemand versucht, dort einzubrechen. Da bin ich ja froh, daß ich mich für die Wohnung mit dem Hintereingang entschieden habe. Ich bin dann also hintenrum über die Feuertreppe (die beruhigend stabil war) in die Küche meiner Wohnung, von dort zur Wohnungstür und die Treppe runter zur Eingangstür, um diese aufzumachen. Das ging aber auch nur, weil ich die ganze Flügeltür geöffnet habe. Ich werde gleich morgen früh mal bei der Wohnungsgesellschaft anrufen.

Aber ich habe mal wieder festgestellt, daß ich mir eine schöne Wohnung ausgesucht habe. Sie ist auch groß genug für 2 Leute, wenn Schatzi mich besuchen kommt. Oder Familie und Freunde.

Freitag, Juli 15, 2005

Familienstand der Leute hier

Nein, die kleine Sarah ist doch schon verheiratet! Jedenfalls so gut wie. Jedenfalls trägt sie einen fetten Verlobungsring. Mit Diamant....

Donnerstag, Juli 14, 2005

seit 4 Tagen in Cincinnati, heute ist Donnerstag

Ich habe den Jetlag noch nicht ganz überwunden, aber ich halte mich wacker. Ich bin abends um neun schon ziemlich müde und wache morgens zwischen 6 und sieben auf.

Ich wohne momentan bei meiner Chefin. Sie hat ein hübches Haus (mit geschliffenen, gläsernen Türknaufen) in der Nähe der Uni. Sie wohnt dort mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn, welcher einfach goldig ist. Der Kleine ist sehr lebhaft, in anderen Worten sehr anstrengend, aber süß. Lockenköpfchen und große braune Augen.

Am Montag bin ich mit in die Uni gefahren und habe gleich eine Menge sehr nette Leute kennengelernt.
Ich muß sagen, ich war etwas enttäuscht, als ich die Biologie zum ersten Mal betreten habe. Ich habe einen flachen, hellen Bau mit topmoderner Einrichtung erwartet, stattdessen ist es ein achtstöckiges, dunkles, bunkerartiges Haus mit langen Gängen, die zum Verlaufen einladen, und die Laboreinrichtung ist vergleichbar mit der in der Rostocker Zoologie, also über drei Generationen vererbte Geräte und provisorische Konstruktionen. Zur Toilette muß man ne Weile laufen, und wenn man Tageslicht haben will, muß man ein paar Gänge weiter zur Treppe gehen.


Rieveschl Hall

Meine Kollegen sind Srdjan aus Bosnien-Herzegowina, der ebenfalls an der Promotion arbeitet, KK (Kurzform für einen sehr komplizierten Namen) aus Indien, der demnächst seinen Master verteidigt (wie Diplom in Deutschland), Sarah, eine Psychologie-Studentin, die hier Praktikum macht, Heather, die TA, die aber gerade im Urlaub ist, und Elke, unsere Chefin, gebürtige Österreicherin.


Am ersten Tag hat mich Elke erstmal im Biologie-Studienbüro angemeldet. Danach bin ich über den Campus gelaufen, um das Auslands-Studentenbüro zu suchen. Der Campus ist sehr groß und ist ständig voll mit Baustellen. Jemand hat mir erzählt, daß sich die Studenten darüber lustig machen und meinen, die Abkürzung "UC" (University of Cincinnati) stehe für "under construction" ("im Bau"). Die Unigebäude sehen hier alle unterschiedlich aus, aber Hauptsache groß. Und überall sind Trinkbrunnen.
Danach habe ich bei der Polizei (hier Abteilung für öffentliche Sicherheit) meinen neuen Studentenausweis gekriegt (furchtbares Foto) und die nötigen Schlüssel beantragt. Mittagessen mit meiner Chefin und 2 anderen Biologen aus diesem Stockwerk, John und Theresa.

Am Nachmittag hat Srdjan mir angeboten, mich durch die Gegend zu fahren und nach Wohnungen Ausschau zu halten. Ich habe Glück, daß ich im Sommer hergekommen bin. Der Großteil der Studenten kommt erst im September, so habe ich jetzt die Auswahl zwischen dutzenden von Angeboten. Das muß man sich so vorstellen: die Häuser in der Gegend sind entweder alte Holzhäuser (sehr hübsch), in denen einzelne Zimmer des oberen Stockwerkes vermietet werden oder Apartmentkomplexe. Zur Zeit steht teilweise vor jedem dritten Haus ein "zu vermieten"-Schild auf dem Rasen. Srdjan hat mich also in der Gegend herumgefahren und ich habe alle Telefonnummer von Häusern aufgeschrieben, die mir gefielen. Von der Uni aus habe ich dann einige angerufen und Besichtigungstermine ausgemacht.

(So wie es aussieht, sind hier alle schon verheiratet, außer Sarah und ich, und Sarah ist höchstens 22 Jahre alt. Da kommt auf meinen armen Schatzi noch was zu...!)


Am Dienstag war ich wieder im Studienbüro und habe Papiere ausgefüllt. Anschließend habe ich noch einige Termine für die Wohnungssuche gemacht. Nachmittags dann die ersten beiden Wohnungsbesichtigungen, beide in der gleichen Straße, nahe der Biologie. Beide in einem Haus mit 2 Apartments je Stockwerk, insgesamt 8, meine (natürlich) ganz oben, beide etwa zum gleichen Preis, 1-Raum-Wohnungen.
Die erste Wohnung war eigentlich schon ganz nett. Richtiger Holzfußboden. Das Wohnzimmer gleich hinter der Eingangstür, rechts das Schlafzimmer und links die Küche, komplett eingerichtet, geradezu das Badezimmer mit Wanne. Reichlich in die Wände integrierte Schränke. Mit Klimaanlage im Wohnzimmer. Die zweite Wohnung sah etwa genauso aus, das Schlafzimmer war ein wenig kleiner, das Bad zwischen Küche und Schlafzimmer. Allerdings hatte diese in der Küche einen Hintereingang mit Feuertreppe (ich war begeistert!) und die Klimaanlage im Schlafzimmer. Und ich habe Anrecht auf einen Parkplatz hinter dem Haus.

Ich bin nun erst 4 Tage hier, habe aber schnell mitgekriegt, wie wichtig eine Klimaanlage ist. Es ist kaum ein Sonnenstrahl zu sehen, aber die Luft ist so schwer, daß man ständig am Schwitzen ist. Es hat die letzten 2 Tage geregnet, aber nur als ganz feiner Nieselregen, der keinerlei abkühlende Wirkung hat. Also eine Klimaanlage, besonders wenn sie im Schlafzimmer ist, ist schon ´ne feine Sache.

In den USA bestehen Ein-Raumwohnungen übrigens nicht nur aus einem Zimmer, sondern 2, denn hier wird nur die Anzahl der Schlafzimmer gezählt. Eine Wohnung hat etwa 50 bis 60 Quadratmeter. Die Küchen sind in der Regel schon möbliert, auf jeden Fall haben sie einen Kühlschrank und einen Herd, der meist mit Gas betrieben wird. Diese beiden Geräte sind unglaublich groß, mindestens 1 Meter in der Breite!


Am Mittwoch habe ich meine Schlüssel bekommen. Die werden für jeden frisch angefertigt, und nach Abgabe wohl wieder vernichtet.
Ich war in der Gesundheitsabteilung und mußte wieder reichlich Zettel ausfüllen. Für mein Gesundheitszeugnis ist ein Tuberkulose-Test nötig, also habe ich noch eine Spritze gekriegt. Eigentlich habe ich den gerade erst in Rostock machen lassen, war negativ, aber naja. Ich habe natürlich die Anmeldung für die Krankenversicherung verpaßt, deshalb muß ich mich zur Überbrückung woanders versichern. Ab September gilt die Uni-Versicherung, die dann auch automatisch von meinem Gehalt abgezogen wird. Darum muß ich mich dann nicht mehr kümmern.
Mittags wieder eine Wohnungsbesichtigung. Diesmal ein Apartmentkomplex, mit einem schönen Pool. Allerdings war dieser der einzig hervorzuhebene Punkt. Mir wurden zwei verschiedene Apartments gezeigt, komplett mit Teppich. Das Erste war ein wenig größer, aber die Küche wirkte heruntergekommen. Eigentlich das ganze Apartment. Eigentlich beide. Das Zweite, kleinere, war außerdem im Untergeschoss und daher sehr dunkel. Gefiel mir garnicht.
Abends die zweite Besichtigung. Wieder ein Apartmentkomplex mit Pool. Die Appartments (mit Teppich) waren an sich nicht schlecht, wenn auch die Küche sehr eng war, aber der ganze Komplex wirkte dann doch zu überfüllt. Da sind 100 oder mehr bewohnte Apartments und ich mag doch lieber in einem kleineren Haus wohnen.

Außerdem mein erstes elektronisches Gerät erworben: einen Wecker mit Digitalanzeige!


Heute, Donnerstag, habe ich als Erstes ein Bankkonto eröffnet.
Am frühen Nachmittag eine Wohnungsbesichtigung. Ein großes Haus, inmitten eines kleinen Geschäftsviertels, in dem alles zu finden ist, was man braucht. Sehr weiter Flur, Eintritt durch die Eingangstür nur mit Code möglich. Zwei verschiedene Apartments, Holzboden, beide eigentlich nett. Das erste im Untergeschoß. Küche und Bad waren ziemlich eng, und das Schlafzimmer war recht klein. Vorteil: Thermostat für Selbstregulation der Temperatur (alle anderen hatten "automatischen Betrieb" durch Vermieter). Die zweite war teurer und größer, aber im 3. Stock und mit Geschirrspüler in der Küche und Kamin im Wohnzimmer.


Die ersten beiden und die letzte Wohnung, die ich mir angesehen habe, zwischen denen werde ich wählen. Das Problem der Letzten ist, daß sie so teuer ist. Sie kostet 525 $, Strom, Wasser und Heizung muß ich noch extra zahlen. Macht zusammen 650 $.

Die Erste werden ich doch nicht nehmen, wegen der Klimaanlage ;).

Dann wird es wohl die Zweite sein. 450 $ inkl. Wasser und Heizung. Strom extra. Da komme ich insgesamt auf etwa 480 $. Und nur 15 Minuten Fußweg bis zur Uni.

Ich habe heute schonmal etwas für meine zukünftige Wohnung gekauft. Meine Wohnungseinrichtung besteht jetzt aus einem Schlafsack, ein wenig Geschirr und Besteck, einem Duschvorhang und einem Wäschesack.


Auch das noch, mein Tuberkulose-Test scheint positiv zu reagieren....

Dienstag, Juli 12, 2005

Flug nach Cincinnati - Tag 2

Aufgestanden um 7.00 Uhr. Kein Frühstück gegessen. Kurz nach 8 war im am Flughafen. Wow, laange Schlange vor dem Check-in. Ich dachte, es wird knapp aber klappt noch, denn der Flug sollte erst um 10.20 Uhr starten. Eine Stunde später hatte ich vielleicht ein Drittel des Weges geschafft. Der Mann vor mir wurde schon total nervös. Um 9.30 Uhr war ich immernoch gut 120 Leute vom Schalter entfernt, also zum Zeitpunkt, zu dem der Check-in-Schalter geschlossen wird (eine Stunde vor Abflug). In der Zwischenzeit lief eine Angestellte des Flughafens schon durch die Menge und hat sich die Namen und den Zielort der Leute geben lassen. Um 10 Uhr wurde mittendrin ein crash-Sicherheitscheck-Schalter eingeführt: "haste selbst gepackt?" - "ja." - "kein anderer drangewesen?" - "nein." - "kein Gepäck andrehen lassen?" - "nein." - "kein Feuerzeug oder Streichhölzer drin?" - "nein.". Aufkleber auf den Pass und weiter. Endlich angekommen an der Gepäckabgabe (10.15 Uhr) wurden alle Cincinnati-Leute aussortiert und so schnell wie möglich abgefertigt. Es hieß, der Flug würde noch um einige Minuten verschoben werden, nämlich auf 10.35 Uhr. So, schnell weiter. Nächste Station: Sicherheitskontrolle mit Durchleuchten und Schuhe ausziehen. Dann mußte ich auch noch meinen Rucksack leeren. Ich habe dem Mann gesagt, er möge sich mit Durchsuchen bitte beeilen, weil ich sonst mein Flugzeug verpassen würde. Er verwies dann auf einen Bildschirm und sagte, ich müßte mir keine Sorgen machen, der Flug wäre auf unbestimmte Zeir verschoben. Dann ging es wieder einen langen Gang lang. Dann wurden wir in ein Shuttle geladen. Die Fahrt zum Terminal hat mindestens 10 min gedauert. Dann wieder lange Gänge. Dann der Bording-Schalter. Jetzt endlich einsteigen.

Ich saß dann im Flugzeug und nichts tat sich. Einige Leute regten sich schon auf. Dann machte sich der Geruch nach Abgasen im Flugzeug breit, der allmählig stärker wurde. Die Durchsage vom Piloten erklärte uns, das Flugzeug hätte ein Leck, welches so schnell wie möglich repariert werden würde. Tatsächlich klettere bald ein Mann auf den Tragflächen herum. Eine halbe Stunden später kam die Durchsage, wir sollten alle wieder aussteigen.

Wir also alle zurück in das Terminal. Leider gab es noch keine Information, ob das Leck bald repariert sein würde oder ob wir ein neues Flugzeug bekämen. Ich war inzwischen schon far away from aufregen. Ich habe mich brav auf die Bank gesetzt und gewartet. Zwischendurch gabs Sandwiches und Getränke, natürlich kurz nachdem ich mir was gekauft hatte (mein ersten Essen überhaupt an dem Tag). Dann hieß es, wir kriegen ein neues Flugzeug, die neue Abflugszeit ist 17.10 Uhr, die Abfertigung für das Betreten des Flugzeuges beginnt um 16.15 Uhr. 16.30 Uhr saßen wir immernoch rum. 17.10 Uhr auch. Um 17.30 Uhr durften wir dann endlich einsteigen. Inzwischen waren schon alle Shops und die meisten Toiletten in dem Terminal geschlossen. Im Flugzeug mußten wir schonwieder warten, weil noch das Essen, und sicherlich auch Zuckertütchen, eingeladen wurde. Irgendwann hob das Flugzeug tatsächlich ab. Ich habe "Million Dollar Baby" geguckt und anschließend die restlichen 7 Stunden Flugzeit geschlafen.

Ich bin um halb 10 abends in Cincinnati angekommen (Ortszeit). Kurz vor der Passkontrolle habe ich ein Foto gemacht. Plötzlich schrien gleich 2 Wachmänner auf und kamen auf mich zugerannt. Ich muß sagen, das war schon respekteinflößend. Der eine stand dann so lange neben mir, bis ich das Foto nachweislich gelöscht hatte.

Wenigstens wurde ich trotzdem reingelassen. Am nächsten Schalter habe ich die "Ich-führe-nichts-ein"-Karte abgegeben. Dann den Koffer vom Band geholt. Einen langen Gang runter zur Sicherheitskontrolle. Der Koffer ging nach rechts, ich mit Handgepäck nach links. Ich mußte sogar den Computer und den Fotoapparat auspacken und separat in Kisten legen.

Dann schonwieder unendlich viele Gänge entlang.

Jetzt war in den Besucherraum vorgedrungen und habe Elke (meine Chefin) getroffen. Dann muße ich allerdings noch zum nächsten Gepäckband und meinen Koffer wiederholen. Dann ins Auto und nach Cincinnati, zu Elke´s Haus. Unter die Dusche und ins Bett.....

Immerhin, ich habe inzwischen wieder einen ansehnlichen Zuckertütchenvorrat.

Flug nach Cincinnati - Tag 1

Es hat mich ganze 2 Tage, an die 30 km Fußmarsch (mit Handgepäck) und schätzungsweise 5000 Kalorien gekostet, um von Hamburg nach Cincinnati zu kommen! Wobei letzteres garnicht schlecht ist, nach Abzug aller hinzugekommenden Kalorien.

Die Geschichte verlief folgendermaßen:

Wir sind Samstag ganz früh von Lübeck nach Hamburg gefahren, heißt, um halb 5. Zum Frühstück gabs Kaffee und einen Berliner (ging schnell und war fast geräuschlos ... um die Schwiegereltern nicht zu wecken). Um 7.20 Uhr sollte das Flugzeug starten. Ich habe es geschafft, meinen Koffer so voll wie möglich zu packen (ging gerade noch zu) und trotzdem die 32 kg nicht zu überschreiten. Im Handgepäck mein Rucksack, Notebook und Schlafsack, und Rüdiger (nur für Insider). 45 min vor Abflug sollte man sich an den Bording Schalter begeben haben. Zu diesem haben die Besucher bzw. Hinbringer leider keinen Zugang mehr, also gibt es vor dem Einlass die herzzerreissendsten Abschiedsszenen. Genau wie meine. Ich habe vorher schon die ganze Hinfahrt lang geheult. An Bord des Flugzeuges durfte man trotzdem noch nicht gehen, was bedeutete, ich habe fast eine halbe Stunde lang rumsitzen müssen, die ich lieber mit meinem Freund verbracht hätte. Ich habe mich erst kurz vor Paris wieder einigermaßen in den Griff gekriegt.

Im Flugzeug nach Paris gab es ein winziges Schokobrötchen und Kaffee. Ich war ziemlich fasziniert von dem Kaffee. Die Flugbegleiter nahmen einen Plastikbecher, gossen farbloses Wasser ´rein und voilà, Kaffee drin. Ich frage mich, immernoch ob sie sich die Mühe machen, Instantkaffee von Hand in jeden Becher einzeln zu füllen oder ob der Kaffee vom Werk aus in den Boden des Bechers gepresst wird. Habe 2 Zuckertütchen abgestaubt.

Jedenfalls, mit so wenig Nahrung im Bauch würde mir beim Starten und Landen etwas schummrig.

In Paris angekommen. Um den Koffer brauchte ich mich nicht zu kümmern, der sollte automatisch in das Flugzeug nach Cincinnati geladen werden. Also mußte ich nur von Terminal 2A (da bin ich ausgestiegen) zu Terminal 2F (von da gings wieder los) kommen. Sah ganz leicht aus auf den Schildern, also bin ich mit meinem Handgepäck losgezogen, unendlich viele, lange Gänge. Charles-de-Gaulle soll angeblich der kleinere Flughafen in Paris sein, das halte ich aber für unmöglich. Zwischen A und F liegen bestimmt 2 km. Ich war total durchgeschwitzt, als ich dort ankam. Es waren immernoch reichlich 2 Stunden Zeit, also habe ich in Ruhe in den Läden gestöbert (Ansichtskarte gekauft) und einen Kaffee getrunken (noch ein Zuckertütchen), Buch gelesen, Musik gehört. Dann kam der Aufruf zum Flugzeug. Ich dachte, das wäre gleich um die Ecke, also bin ich langsam losgegangen, weil war noch 45 Minuten Zeit. Nein, nach der Sicherheitskontrolle (mit Schuhe ausziehen) kam erst noch ein langer Gang mit mehreren Abzweigungen. Endlich angekommen, dufte ich mich auch noch in einer langen Schlange anstellen. Mich hat schon leichte Panik befallen, als ich nach 15 Minuten nicht wirklich viel weiter gerückt war. Nach 30 Minuten stand ich dann vorn. Sie haben mich nach meinem Reisepass und dem Visum gefragt, habe ich natürlich auch herübergereicht. Dann fragte die Dame nach meinen I-20-Formular (habe ich von der Uni bekommen, damit ich mein Visum beantragen konnte). Naja, da fing es dann an. Ich hatte den Umschlag mit dem Formular in Hamburg noch in der Hand gehabt, war dann aber der Meinung, daß diese Papiere für den Flug nicht gebraucht würden und habe sie deshalb in den Koffer gesteckt. Habe mir auch nichts weiter dabei gedacht, doch die Dame schickte mich nach meiner Erklärung weiter an einen Schalter etwas abseits. Dort wurde mir dann erklärt, ich müsse das I-20 vorlegen oder ich dürfe den Flug nicht nehmen. Ich meinte wieder, das wäre in dem Koffer, den ich aufgegeben hätte. Er sagte, ich soll meinen Koffer holen und das Formular herausnehmen. Ohne Formular keinen Flug, und da meiner in 15 Minuten starten werde, würde ich den sowieso verpassen und ich müsse eben den nächsten Flug heute nehmen. Ich bin dann zu der mir genannten Kofferstelle gegangen. Dort haben sie im Computer nachgesehen und mich an eine andere Stelle geschickt. Von dort wurde ich wieder an eine andere Stelle verwiesen. Dort (1,5 km Fußmarsch mit Handgepäck zurück) war der Koffer auch nicht. Ich war schon leicht verzweifelt. Die nette Frau vom Schalter hat dann im Computer nachgesehen und telefoniert und mich auf eine Wartebank verwiesen. Nach einer halben Stunde (und paarmal nachfragen) hat sie mir einen Zettel mit Koffertypen gegeben und ich sollte mein Gepäckstück anhand dieser Abbildungen beschreiben und sie würde dann jemanden losschicken, der den sucht. Das würde aber bis zu 2 Stunden dauern. Ich habe den Mann noch losziehen sehen.

Ein Tipp: Man sagte mir, ich solle mir einen farblich auffälligen Koffer anschaffen, z.B. einen roten, damit der auf dem Gepäckband gleich ins Auge fällt. Gesagt, getan. Leider hatten diesen Rat auch viele andere Leute bekommen und befolgt, denn der Rotanteil unter den Gepäckstücken lag bei gut 30 Prozent. Also lieber was Markantes draufkleben!

Nach 2 Stunden hin- und herlaufen (ich inzwischen mit den Nerven am Ende), kam ich nochmal zum Gepäckschalter zurück. Noch keine Neuigkeiten. Sie meinte, der Koffer wäre vielleicht schon bei einem anderen Schalter gelandet (derer insgesamt vier), und ich solle dort mal nachfragen, ob er vielleicht dort gelandet ist. Ich bin dort angekommen. Sie hatten den auch nicht. Sie hat auch herumtelefoniert und mir die Koffertabelle gezeigt, und wollte auch gleich jemanden zum Suchen losschicken. Ich meinte, es wäre schon jemand beauftragt worden und bin wieder zurück zur ursprünglichen Kofferstelle. Dort nichts Neues. Ich habe nachgefragt, wann der nächste Flug nach Cincinnati starten würde. Heute nichts mehr, hieß es, erst wieder morgen um 10.20 Uhr und 11.35 Uhr.

Also auf, mein Flugticket umtauschen.
Bin zum Buchungsschalter gegangen und mein Problem erklärt. Der Mann hat mir dann gesagt, da ich meinen Flug nicht angetreten habe, müßte ich mir ein neues Ticket kaufen. Umtauschen kann man gegen Bearbeitungsgebühr (150 Euro) nur vor dem Abflugstermin. Ein neues Ticket kostete 956 Euro. Jetzt habe ich wirklich geheult. Ich habe krampfhaft überlegt, wie ich das bezahlen sollte. Mit Kreditkarte (deren PIN auch im Koffer war), mit EC-Karte oder bar mit den Dollar, die ich in der Tasche hatte. Meine Eltern anrufen und sie um Hilfe bitten. Ich habe dem Mann am Schalter dann anscheinend so leid getan, daß er mir mein Ticket doch einfach umgetauscht hat, zum Preis von 150 Euro. (Ich hoffe, er hat deswegen keinen Ärger gekriegt.)

Hmmm, da ich nun also in Paris übernachten mußte, habe ich beschlossen, mir ein Hotelzimmer zu suchen. Die Option, auf dem Flughafen zu schlafen, habe ich schnell wieder ausgeschlagen. Ich habe der Kofferfrau Bescheid gesagt, daß ich in ein paar Stunden wiederkommen würde, da ich jetzt in ein Hotel einchecken werde. Habe am Infoschalter nachgefragt, welches das günstigste Hotel wäre und bin dann in genannte Richtung gegangen. Dort kommen regelmäßig kleine Busse vorbei, die mit dem Namen einiger Hotels beschriftet sind (geordnet nach Preislage) und die Leute zu diesen Hotels fahren. Sehr praktisch und kostet nix.

Ich habe ein Zimmer im "B&B" genommen. Es waren keine Einzelzimmer mehr frei, also habe ich ein Doppelzimmer gekriegt, mit 46 Euro relativ günstig. Dort habe ich erstmal was Kaltes getrunken, die nötigen "ich sitze in Paris fest"-Anrufe mit Aufmunterungsfunktion getätigt, ausführlich geduscht und einmal durch die Fernsehkanäle gezappt. Danach bin ich gemütlich zu einem naheliegenden Hotel gelaufen und in den gerade ankommenden Bus gestiegen, der zurück zum Flughafen fuhr. Dort bin ich zum Kofferschalter gegangen und nachgefragt, wie es um meinen Koffer stehe. War noch nicht da. Ich bin diesmal ganz ruhig geblieben.
Jetzt wollte ich doch endlich mal wieder was essen, war ja schon 9 Stunden her seit meinem Schokobrötchen. Als ich unterwegs war auf der Suche nach etwas Passendem, das nicht zu teuer war (im Charles-de-Gaulle allerdings schwer zu finden), kam eine Ansage über die Lautsprecher, ich solle mich beim Kofferschalter melden. Ich also wieder zurück. Dort wurde mir gesagt, mein Koffer befinde sich in der Kofferabteilung weiter hinten. Die (neue) Kofferfrau gab mir ein Kärtchen, mit dem mir der Zugang gestattet werden würde und hat ihren Kollegen dort angerufen, daß ich jetzt kommen würde. Dort hingelaufen (wie gesagt, der Flughafen ist riesig!). Am Eingang stand eine Polizistin, der ich die Karte gezeigt habe. Sie konnte damit nichts anfangen, also hat sie eine andere gefragt. Die wußte auch nichts. Leider haben sie mich nicht passieren lassen. Sie meinten, ich könne nur in Begleitung einer Angestellten eintreten. Ich habe es vorsichtshalber noch bei dem zweiten Eingang probiert. Der Mann dort hat ebenfalls planlos auf die Karte geguckt. Schlimmer noch, der sprach kein Englisch. Und da ich kein Flugticket für einen heutigen Flug hatte, hat er mich auch nicht reingelassen. So mußte ich wieder einmal zurück zum alten Kofferschalter. Die Frau hat sich gleich bereiterklärt, mitzukommen. (Die hatte einen wirklich schnellen Schritt drauf, ich, sowieso schon k.o., mußte mich ziemlich ranhalten, um Schritt halten zu können.) Und dann habe ich endlich meinen Koffer zurückgekriegt. Ich habe mir etwas zu essen geholt und bin zurück ins Hotel. Um 10 Uhr lag ich im Bett.

Montag, Juli 04, 2005

letzter Tag in Rostock

Heute habe ich die Wohnung abgegeben. Wie ich mir gedacht habe, mit dem Putzen hätte ich mir garnicht solche Mühe geben müssen, das wurde überhaupt nicht gewürdigt. Ich habe mich aber vorsichtshalber dekorativ vor die Löcher in der Wand gestellt...

Der Hauswart wollte mich garnicht recht gehen lassen (eigene Worte!). Er hat mir dreimal die Hand zum Abschied gegeben.

In der Uni mußte ich geschockt feststellen, daß mein lieber Kollege aus dem Graduiertenbereich meinen Namen von der Tür gestrichen hat. Der hätte auch noch ein paar Stunden warten können, dann wäre ich definitiv weg gewesen und hätte mir diese Demütigung erspart!

;)

Das Auto meiner Eltern, welches ich mir glücklicherweise borgen konnte, ist bis unters Dach mit meinem Kram beladen. Meine Mutter wird sich freuen, hehe. Ich werde ja das alles bei meinen Eltern bunkern müssen. Heute am späten Nachmittag fahren wir (mein Schatzi und ich) zu meinen Eltern und machen einen Kurzurlaub. Am Freitag gehts nach Lübeck und am Samstag geht mein Flieger.

Übrigens habe ich sehr liebe Abschiedsgeschenke von meinen Freunden bekommen. Vielen Dank nochmal, ich werde das in Ehren halten!

Sonntag, Juli 03, 2005

letztes Wochenende in Rostock

Am Wochenende habe ich meinen Massage-Gutschein im Neptun-Hotel eingelöst. War ein Geschenk meiner liebsten Schwester zum Uniabschluß. Hat fast 2 Stunden gedauert. Ich bin dann völlig entspannt und mit weicher, flauschiger Haut nach Hause gegangen. Hat leider nicht lange angehalten, weil zu Hause mußte ich dann gleich mit Malen weitermachen. Zum Abend hin war ich natürlich alles andere als entspannt.

Gestern habe ich stundenlang meine absolut leere Wohnung geputzt. Dabei habe ich noch einige Löcher entdeckt, die hinter Schränken versteckt waren. Naja, ordentlich Farbe draufgeschmiert, das passt schon.

In der Zoologie haben wir eine Feier zum Diplom/Abschiedsparty gefeiert und im leicht angeheiterten Zustand eine Runde durch die zoologische Sammlung gedreht. Ich glaube, die Biologen haben eine sehr hohe Schmerzgrenze, da mußte schonmal eine Ratte am Spieß als Telefon hinhalten. Jedenfalls, war sehr lustig.

Freitag, Juli 01, 2005

Wohnungsrenovierung

Meinem Stromschlag kann ich jetzt noch eine exakt kreisrunde Brandwunde an der Wade hinzufügen. Wie heiß doch eine 100-Watt-Birne werden kann! Ich habe sämtliche Lampen erfolgreich (heißt, ohne Stromschlag) abgebaut. Ansonsten ist nichts passiert. Auch beim Deckenstreichen hat sich keine von-der-Leiter-runterfall-Situation ergeben.

Ich habe wieder mal festgestellt, wieviel Spaß mir das Malern macht. Muß wohl das hemmungslose Beschmieren von Wänden mit Farbe sein. Und man ist am Ende mit weißen Pünktchen besprenkelt.

Im Bad habe ich 2 Stellen mit neuer Tapete überklebt. Sieht nicht wirklich gut aus. Ist aber egal, wenn man die Wohnung gesamt betrachtet, ist nämlich auch nicht besser. Memo an mich: nur in Wohnungen ziehen, bei denen der Putz nicht von der Wand bröckelt.