Montag, August 29, 2005

...I don't like Mondays

Montage sind die schlimmsten Tage der Woche. Es fängt schon an, daß ich mich morgens nach zuwenig Schlaf aus dem Bett quälen muß, nachdem ich am Wochende einem morgens-länger-schlafen-
und-abends-länger-aufbleiben-Lebensstil gefrönt habe. Wahrscheinlich sind auf der "Schlummer"-Taste an meinem Wecker die meisten meiner Fingerabdrücke in der ganzen Wohnung zu finden.

Auch ansonsten kriege ich nichts auf die Reihe.

Wissenschaftliche Paper lesen geht garnicht. Nach zwei Seiten oder so stelle ich fest, daß ich keine Ahnung habe, um was es in dem Text überhaupt geht (häh?). Ich gucke mir nur die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge an. Aber immerhin habe ich mir die Fähigkeit antrainiert, beim Überfliegen eines Textes Passagen zu unterstreichen, die für mich relevante Informationen enthalten könnten - ohne konzentriert zu lesen.

Und müde bin ich auch den ganzen Tag. Kaffee hilft da nichts, davon kriege ich nur zittrige Hände, was fatal ist, wenn man mit so kleinen Tierchen arbeitet wie ich.

Heute habe ich wieder mal versucht, den Tag mit möglichst seichter Arbeit zu überstehen.
Wespenlarven sezieren. Die sind groß genug. Es sei denn, ich finde tatsächlich meine Larven darin, dann wirds schwierig, die heil rauszuholen.
Meine Larven nach Standardprotokoll verarbeiten. Ich verbringe viel Zeit damit, die Proben einfach nur zu waschen.

Dann wollte ich auch Schnitte machen von meinen Larven. Diese sind in kunststoffartige Blöcke eingefroren, die ich dann in sehr dünne Scheiben schneide.

Der erste Block ist gleich zu Anfang vom Sockel abgebrochen. War knapp, aber das Tier hat es nicht betroffen, glaube ich. Also soweit kein Problem, nur festkleben und zum Festfrieren wieder in den Kühlschrank. Dann mußte ich den Block noch etwas zurechtschneiden. Leider ist der Kunststoff nicht durchsichtig, man kann also die eingebettete Probe nicht sehen. Ich war ganz sicher zu wissen, wie herum ich das Tier gelegt hatte, also habe ich losgelegt. Und quer ins Tier reingeschnitten. Hmmm. Und anschließend ist der Block abgebrochen. Wieder zusammengeklebt. Ich hoffe nur, ich habe das Hinterende erwischt und nicht den Kopf. Das ist meine einzige Larve in diesem Entwicklungsstadium bisher.
Zweiten Block in die Halterung geklemmt und zurecht geschnitten. Ist ziemlich weit oben abgebrochen, mitsamt der Hälfte vom Tier. Auch nicht gut.

An dieser Stelle habe ich es dann aufgegeben und beschlossen, doch lieber Paper zu lesen. Nach nur einer Seite hat mich eine "häh?"-Sensation befallen und ich habe mich umentschieden. Dann doch lieber einen Blogeintrag machen. Danach gehe ich nach Hause und esse die Reste von meinem Geburtstagsessen.

Ich fühle mich garnicht so alt mit meinen 26. Jedenfalls bin ich mir selbst nicht peinlich, wenn ich immernoch Teenagerklamotten trage. Und mir ist klargeworden, wie alt es meine Mutter macht, daß sie eine 26jährige Tochter hat, und WIE ALT es meine Omas macht, die eine 26jährige ENKELIN haben! Da schneide ich ja noch am Besten ab ;).

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die vielen Geburtstagsgrüße! Ich habe mich sehr gefreut.

Samstag, August 27, 2005

Alles für umsonst!

Was habe ich doch für ein Glück.
Ich war heute wieder unterwegs, um Möbel zu suchen. Diesmal habe ich wieder John gezwungen, mitzukommen. Aber ich wußte selbst nicht, was auf mich zukommt.
Jedenfalls, Irena hatte mir eine Telefonnummer gegeben von einer Frau, die einige Möbel von ihrem Sohn übrig hatte und die kostenlos abgeben wollte. Die Rede war von einem Schreibtisch, einem Bücherregal und einem Bett. Ich habe die Frau angerufen und sie sagte, sie hätte außerdem noch Tisch und Stühle von ihrer Tochter übrig.

Es hat sich dann herausgestellt, daß die Frau (und ihre Familie) fast den ganzen Block dieser Straße einnimmt und Wohnungen, heißt Teile ihres Hauses, an Studenten vermietet. Jetzt, nachdem ihre Studenten ausgezogen sind, ist noch einiges an Möbeln da, die sie loswerden will. Dieses Haus hatte 3 Stockwerke und einen Keller. Und sie hatte JEDE MENGE Möbel. Allein drei Betten, drei Sofas, diverse Schreibtische, einige Stühle, Tische, Regale,... .

Ich habe alles genommen, das stabil war und aufs Auto gepasst hat. Das heißt, einen großen, rechteckigen Tisch für die Küche, 4 Stühle, die zwar echt hässlich sind aber farblich zum Tisch passen, einen kleinen Schreibtisch mit passendem Stuhl (mit Rollen drunter), einem kleinen Bücherregal und einen großen Schreibtisch mit Nebentisch und ausklappbarem Teil. Alles massiv Holz. Und eine Retro-70er Jahre Truhe mit hellblauem Kunststoffbezug; die passt ganz gut ins Bad, werde ich vielleicht als Wäschekorb verwenden.

John hat dann alles mit raufgeschleppt. Zuerst durch den Hintereingang. Ich habe John darauf hingewiesen, daß er auf das (erst kürzlich entdeckte) Wespennest in der Wand neben meiner Tür aufpassen soll. Ich wurde dann auch prompt gestochen. John war das dann doch zu heikel (Bienenstich-Allergie) und wir haben doch alles vorn herum gebracht.

Als ich wieder herunter kam, um das nächste Teil zu holen, stellte mich John einem jungen Mann vor, der wohl gerade hier vorbei gejoggt kam. Der fragte mich, ob ich nicht eine Mikrowelle gebrauchen könne. Wieso nicht, dachte ich.
Er wohnt im Nachbarhaus. Ich bin gleich mit zu ihm und habe das Gerät gekriegt. Er wollte auch nichts dafür haben.

Nachdem alles oben war, habe ich mich bei John bedankt und meinte, ich bin ihm jetzt einen Gefallen schuldig. Wir hatten uns auf der Fahrt über Essen unterhalten und wie mich die Sache mit dem Sauerkraut-Klischee stört. Er hat dann auch zugegeben, daß die Amerikaner denken, in ganz Deutschland wäre es wie in Bayern. Er sagte, wenn er demnächst eine Party in seiner Wohnung feiert, muß ich für ihn und die Freunde kochen, und zwar etwas typisch Deutsches. Das wäre dann mein Gefallen.

Was ist ein typisches, deutsches Gericht? Mir fällt dazu immer ein: paniertes Schnitzel mit Kartoffeln und Erbsen.

Dienstag, August 23, 2005

Wohnungseinrichtung

Gestern habe ich noch mehr Möbel dazu gekriegt.
Irena´s Kollege, oder besser eine Bekannte von ihm, ist umgezogen und hat einen Teil ihrer Möbel nicht mehr haben wollen. Der Deal war, daß ich einen Teil ihrer Sachen (die sie behalten wollte) zu ihrer neuen Wohnung bringe und dann kann ich den Rest behalten. Für umsonst, wie Forrest Gump sagen würde. Also habe ich Birgit, eine alte Kollegin von Elke, die jetzt wegen einem neuen Job nach Cincinnati gezogen ist, gebeten, mir zu helfen (sie hat ein großes Auto mit Ladefläche).

Wir haben den Kollegen von Irena eingeladen (sehr eng im Fahrerraum, weil nur der Vordersitz und wir waren zu dritt) und sind zu seinem Haus gefahren.
(Das war ein recht kleines Haus und sah auch nicht wetterfest aus. Die ganze Siedlung war voll mit diesen Häuschen. Erinnerte mich an den Baum´schen Bungalow. Ich wette, dort drinnen ist es kalt im Winter.)
Der Gute war sicher froh, den ganzen Kram endlich aus seinem Wohnzimmer zu kriegen. Das Bett und die Couch haben wir allerdings dagelassen, dafür war eh kein Platz mehr im Auto.

Zurückgefahren sind wir nur zu zweit. Zu der Wohnung von dem Mädel. Sie hat sich ihre Sachen rausgenommen. Für mich blieb dann ein Tisch mit 3 Stühlen, ein kleines Bücherregal und ein Sessel. Das mußte dann noch meine Feuertreppe rauf. Der Hauseingang vorn wäre vielleicht besser gewesen, aber man kann direkt vor meinem Haus nicht parken. Hintenrum ist genug Platz. Aber so groß waren die Möbelteile nun auch nicht.

Habe alles abgeputzt und ins Wohnzimmer gestellt.
Der Sessel ist etwas staubig und hat eine Farbe, die eigentlich nicht ins Wohnzimmer paßt (etwa lindgrün), aber er ist sehr bequem. Ich kann ja eine Decke darüberlegen.
Tisch, Stühle sind aus dunklem Holz, das Regal sogar noch etwas dunkler.
Zusammen mit meinem schon vorhandenen Couchtisch (braun-rötliches Holz) und dem Sofa (helles Braun gescheckt) sieht das Ganze sehr zusammengewürfelt aus. Obwohl, das Regal paßt farblich noch ganz gut zum Türrahmen....

Aber hey, ich bin stolze Besitzerin einer Wohnungseinrichtung! Und ich mußte letzendlich nur für den Couchtisch etwas bezahlen.

Fotos davon werde ich später reinstellen. Sobald ich mit meiner Digicam mal ein Scharfes Bild hinkriege.

Mittwoch, August 17, 2005

Montag, August 15, 2005

sonntäglicher Einkauf

Luxus in den USA: man kann am Sonntag einkaufen gehen. Die meisten Läden sind von Mittag an bis circa 18 Uhr geöffnet. Viele der Supermärkte, auf jeden Fall die beiden Großen hier namens Meijer und Kroger, sind sogar jeden Tag durchgehend geöffnet.

Gestern bin ich mit Irena shoppen gefahren. Sie suchte ein paar kleine Geschenke für die Verwandtschaft, weil sie bald für 2 Wochen nach Hause fliegt, und ich wollte eine neue Jeans kaufen, da meine Alte kaputtgegangen ist (ich hätte sie doch nur flicken müssen, als das Loch noch klein war....nun könnte ich glatt ein ganzes Baguette drin verschwinden lassen).

Im ersten Laden gab es sehr viel Dekoratives. Ich habe erfolgreich dem Drang widerstanden, mir Zeug zu kaufen, das ich nicht wirklich brauche. Habe mir nämlich vorgenommen, meine Wohnung nicht wieder mit Nippes zu vermüllen. Ich hatte in Rostock viel zu viel davon. Das habe ich dann beim Ausziehen gemerkt.

Als nächstes waren wir in einem Geschäft für Kleidung. Ich habe ganze 17 Paar Jeans anprobiert, bis ich eine gefunden habe, die mir gepaßt hat.
Die Größenangaben sind natürlich nicht wie in Deutschland. Den Hosen ist eine fiktive Zahl zwischen 1 und 14 zugewiesen (sicher noch höher, aber zu den nächsten Reihen bin ich nicht vorgestoßen). Was die 1 von der 14 unterscheidet, konnte ich aber auf den ersten Blick nicht erkennen. Keine Abstufung wie zwischen Größe 34 (eingelaufen oder so?) und 48 (deutlich viel mehr Stoff). Irena sagte, sie trägt meist 2 oder 4 (sie ist einen halben Kopf kleiner als ich und schmal gebaut), also wollte ich bei der 7 anfangen. Hosen gingen zu, aber mit Presswurstcharakter. Größe 8 genauso. Größe 9 auch. Entweder an den Beinen zu eng und an den Hüften zu schmal. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon 11 Paar Jeans getestet. Da habe ich beschlossen, oben anzufangen und mich nach unten durchzuarbeiten. Eine 14, eine 13, zwei 12er und zwei 11er genommen. Die haben, bis auf die 13, alle gepaßt (aber keine war zu weit!). Scheint so, als ob die Größen von der jeweiligen Firma abhängig sind, die die Hosen herstellt.

Aber was machen die dicken Leute? Ich habe soweit keine Übergrößen gesehen. Dafür allein 14 Abstufungen nach einem undurchsichtigen Konzept zwischen dünnem und normalem Körperbau. Irena sagte schon von Vornherein, man muß einfach so lange anprobieren, bis man was findet.

Wir waren noch in anderen Läden unterwegs, zum Schluß im Supermarkt.
Hier gibt es in jedem größeren Lebensmittelgeschäft eine Reihe für Lebensmittel aus anderen Ländern. Natürlich auch für Deutschland. Dort gibt es unglaublich teuren Kaffee (Tschibo oder Nescafé, 8 Dollar für ein HALBES Pfund), Kekse, die ich vorher noch nie gesehen habe, andere Substanzen, die ich noch nie gesehen habe, manchmal Ritter Sport Schokolade, Sahnesteif (ja!), Backmischungen für Streuselkuchen und, in jedem Fall, wer hätte das nicht geahnt, Gewürzgurken und Sauerkraut. Letzteres im Überfluss, nämlich von mindestens 3 Herstellern (und nicht unbedingt deutschen Herstellern). Die Gurken und das Sauerkraut nehmen immer (!) das ganze untere Regal ein. Ich finde es traurig, dieses dumme Klischee bestätigt zu finden! Ist Sauerkraut in Deutschland ein Grundnahrungsmittel? Bei mir zu Hause nicht. Oder meine Eltern haben was unterschlagen. In diesem Fall LIEBEN SIE MICH WOHL NICHT GENUG!

Samstag, August 13, 2005

neue Sinneseindrücke bezüglich Wetter

Heute ist es tatsächlich windig hier! Normalerweise kenne ich Wind nur von Autofenster-runterkurbeln-beim-schnellen-Fahren. Und es hört sich nach Gewitter an. Gerade hat es angefangen zu regnen (18.30 Uhr). Bleibt zu hoffen, daß es ein wenig auffrischt.

Was noch wichtiger ist: ich habe ein paar Möbel.
Ich habe mich heute morgen 10 vor 7 aus dem Bett gequält, nachdem ich keine 2 Stunden geschlafen hatte, weil ständig aufgewacht.

Jagdort "Rasenverkäufe".

Der Erste startete um 8. Wir waren anscheinend die Ersten, also haben wir auch das Beste abgekriegt. Gleich dort habe ich 2 Möbelstücke gefunden, eine Schlafzimmerkommode und einen Couchtisch, beides zusammen für 35 Dollar. Aus Ermangelung an Auto mit genügend Transportraum habe ich mit dem jungen Mann verabredet, daß ich später am Nachmittag zurückkomme und ein größeres Auto mitbringe zum Abholen der Möbel.

Auf zum Zweiten. Dieser war am Vortag schon angelaufen, was bedeutet, daß die guten Sachen wahrscheinlich schon verkauft waren, aber wir wollten trotzdem mal gucken. Die Frau hatte noch ziemlich viel da stehen, auch Möbel. Allerdings nichts, was mich wirklich angesprochen hat. Und ihre Preise (obwohl die im allgemeinen verhandelbar sind) waren deutlich zu hoch. Soviel war das mit Sicherheit nicht wert.

Beim Dritten dasselbe. Start am Vortag. Sie hatte nur noch Kleidung und ein wenig Deko da. Und anfassen wollte ich da auch nichts, das sah ziemlich schmutzig aus.

Der Vierte. Start um 9. Jüngere Leute. Die hatten ganz hübsches Geschirr da, aber davon habe ich inzwischen schon genug, denke ich. Von saisonal bedingtem Geschirr bin ich noch weit entfernt ( ;) die Mama). Ich hätte im Moment auch keinen Platz dafür. Aber ich habe zwei sehr schöne (und so gut wie neue) Barhocker gefunden. Helles Holz. Beide zusammen für nur 13 Dollar. Und für 25 Cent noch eine stabile Vorratsdose, weil davon kann man ja nie genug haben.

Der Fünfte. Dort gab es einen Tisch aus Glas mit plüschigen Stühlen, aber das gefiel mir nicht. Dort habe ich nur Kleinkram gekauft.

Der Sechste. Das war ein sehr schönes Einfamilienhaus mit Bewohnern in den Vierzigern, die nach Ex-Hippie aussahen. Sie hatten ein paar Lampen, viel Küchenkram und einige Möbel. Ich habe eine Schreibtischlampe (jetzt Nachttischlampe), ein Tablett (zum Frühstücken im Bett) und eine Schüssel gefunden (die farblich fast zu meinem Geschirr paßt). Zusammen 8 Dollar. Irena hat eine etwas ältere Ausgabe eines Biochemie-Fachbuches geschenkt bekommen.

Der Siebente. Nur im Vorbeigehen entdeckt, weil gegenüber von Nummer 6. Verkauft wurden allerdings nur ein paar Computerteile. Außerdem war niemand da. Hatte sich wohl ins Haus zurückgezogen.

Am Nachmittag habe ich John angerufen und ihn gebeten, mir behilflich zu sein mit meinen Möbeln. Er war auch sofort zur Stelle.

Das Ergebnis des heutigen Tages:




Anschließend hat John mich auf einen Markt mitgenommen. Dort gab es Stände für Obst und Gemüse, Käse, Wurst und Fleisch. Günstiger als im Supermarkt und mit sehr nettem Ambiente. Ich habe ein "shaved ice" gegessen; das ist kleingehäckseltes Eis in einem Pappbecher wieder zusammengepresst (mit Hügel) und Sirup oben drauf. Man kann zwischen rund 10 verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen. Erdbeer rules!

Freitag, August 12, 2005

die nächste Vorstellung

Dieses "kleine" Tierchen (7 bis 8 cm lang und mindestens 2 cm im Durchmesser) hat sich gestern Abend in mein Wohnzimmer verirrt, gerade, als ich das Fenster schließen wollte:

Es ist eine Zikade. Um genau zu sein, eine Singzikade, denn nur die werden so groß.
Ich habe sie nach der Fotosession natürlich wieder an die frische Luft gesetzt.

Mittwoch, August 10, 2005

Mir fiel gerade ein Spruch ein, den ich auf der Damentoilette in einer Kneipe gelesen habe.
"Lass Deine Freundin niemanden mit nach Hause nehmen, der häßlich ist. Sei verantwortungsbewußt!"

Dienstag, August 09, 2005

Laborarbeit

Ich habe noch keinen Plan, was ich genau erforschen werde. Nur die Richtung. Also Augen . Bin schließlich hier in der Augen-Arbeitsgruppe. Ich möchte am Liebsten mit den Fächerflüglern arbeiten, was aber schwierig wird, wenn man die Zugänglichkeit bedenkt. Bleibt zu hoffen, daß unser kleines Zuchtprogramm mit Hilfe der Wespen erfolgreich ist. Leider konnten wir schon beobachten, wie die Wespen manche Wespenlarven aus dem Nest geworfen haben; möglicherweise haben sie erkannt, daß diese Larven parasitiert waren. Außerdem haben wir zwei herrenlose (eigentlich damenlose) Nester, bei denen die Ersatzfütterung nicht ganz von Erfolg gekrönt ist. Die sterben nacheinander weg. Das Gute daran ist, daß ich in denen einige weiterentwickelte Strepsi-Larven gefunden habe. Die kann ich vielleicht später nutzen. Naja, erstmal eintüten.

Srdjan und ich müssen jetzt erstmal im Labor ran. Die Chefin hat vorgeschlagen, daß wir uns erstmal in einige Methoden einarbeiten, um einen Eindruck zu kriegen, was wir mit unseren Forschungsobjekten überhaupt anstellen können. Probe-Testobjekt ist die allseits beliebte Drosophila, oder auch "Fruchtfliege". Wir haben sowohl welche mit roten Augen als auch mit weißen. Das macht sich gut, um verschiedene Färbemethoden zu testen. Dazu muß man von diesen winzigen Fliegen erst die Köpfe abschneiden und dann außerdem noch ein Loch in den Kopf machen, ohne die Augen und das Gehirn zu beschädigen (damit die Fixierung besser wirken kann). Nun, die Augen nehmen glatt die Hälfte des Kopfes ein. Ist schon beachtlich, wie lange der morgentliche Kaffee nachwirkt. Meine Hände haben furchtbar gezittert unter dem Mikroskop. Ich habe einige der Köpfe ruiniert, bevor ich den Dreh raushatte.
Wir drei haben unsere Köpfe (wörtlich) zusammengelegt und Srdjan und ich haben dann das Protokoll abgearbeitet. Durch geschicktes Handling ist es mir gelungen, das Probenvolumen etwas zu reduzieren. Das spart Zeit. Wie ich das geschafft habe? Jaa-haa! Ich will nicht zuviel verraten, aber der Fachbegriff dafür reimt sich auf "Ich hab´s runtergeschmissen".

3 Tage hat´s gedauert, dann war die Prozedur komplett. Gut, nicht alles ist perfekt geworden, aber KEIN Ergebnis kann ja manchmal auch ein Ergebnis sein. Aber nicht schlecht für den ersten Versuch.
Als nächstes werden wir das Ganze wiederholen, nur diesmal mit kleinen Variationen.


Letzte Woche habe ich mir Bettzeug gekauft. Es gibt hier zwar auch quadratisches Kopfkissen und Federbett wie in Deutschland, aber es ist weniger gebräuchlich. Ein typisches Komplettset besteht aus einem Laken für die Lattenrost-Matratze (ich mußte die Matratze wieder allein hochstemmen, damit ich es aufziehen konnte), einem Spannbettlaken für die Matratze, zwei Kopfkissenbezüge für normale (rechteckige) Kissen, zwei Bezüge für (größere) Dekokissen, einer dünnen "Unterdecke" und einer Bettdecke (genannt "Comforter", etwa so dick wie ein Sommer-Federbett). Die Kissen kauft man extra; sind auch recht günstig, wenn man nicht unbedingt Ralph Lauren darauf stehen haben will. So sieht das Ganze dann aus:


Ach und nochwas, für alle Biologen hier. Wir haben hier auch einige coole Tierchen in Gläsern im Labor. Das witzigste ist ein Maulwurf mit "Sternnase". das ist keine Deformierung, sondern eine Autapomorphie; der benutzt die "Tentakel" als Finger. Der ist hier allerdings nicht heimisch.
Ich muß mal ein Foto machen.

Ich habe außerdem einen schicken Hundertfüßer in meiner Wohnung gefangen. Hübsch, oder?

Freitag, August 05, 2005

Wettergeschichten

Jedesmal, wenn ich von dem Wetter hier erzähle, beneiden mich die Leute. In Deutschland ist es wohl gerade vergleichsweise kalt. Hier sind es etwa 40°C, im Schatten. Und noch mindestens 30°C nachts. Das Schlafzimmer ist mein einziger Raum mit Klimaanlage, also halte ich mich abends besonders da auf. Wenn ich dann mal den Raum verlassen, ist es, als ob ich in ein Gewächshaus eintrete. Man wird fast von der Hitzeschicht erschlagen. Ich gehe nicht mehr ins Bad, ohne meinen großen Ventilator mitzunehmen (ich habe extra eine Verlängerungsschnur gekauft). Den brauche ich, weil ich sonst sofort anfange zu schwitzen, und zwar am ganzen Körper. Wenn ich aus der Dusche komme, bin ich 10 Sekunden nach dem Abtrocknen schonwieder naß. Der Ventilator ist nicht wirklich effektiv, weil er nur die warme Luft hin- und herschiebt, aber ohne ihn ist es nicht auszuhalten.
Ich habe neulich einer Freundin gegenüber gescherzt, ich könne meine Sandalen förmlich wegschmelzen fühlen, wenn ich über Parkplätze oder Straßen gehe (die hier oft geteert sind). Heute habe ich festgestellt, daß meine Schuhe tatsächlich an Substanz verlieren! Die Sohlen sind innen, im Bereich des großen Zehs, nur noch halb so dick wie außen! Diese Sandalen hatte ich mir erst kurz vor meiner Abreise aus Rostock gekauft.
Also Leute, ich würde lieber mit Eurem Wetter tauschen! Zumal es in meinem Labor sowieso kalt ist.

Ich habe Zahnpasta gekauft. Die Auswahl ist etwa so groß wie in Deutschland, es fällt nur auf, daß die Firma Colgate deutlich dominiert. Und die Tuben sind größer, etwa Familienpackung. Die Verpackungen glänzen alle sehr stark, weil sie dick laminiert sind und überhäuft mit silberner oder goldener Schrift.
Ich habe die Gewohnheit, Verpackungen zu zerreißen, bevor ich die wegwerfe. Das wollte ich heute morgen auch mit der Zahnpasta-Hülle tun. Ich habe es NICHT geschafft, die einmal in der Mitte durchzureißen! Die ist so stark laminiert, es ist, als ob man Plastikfolie reißen will.
Ich habe mich gefragt, ob Zahnpastapackungszerreißen als Bodybuilder-Disziplin einführen sollte, gleichwertig zum Telefonbuch zerreißen...

Einer meiner Fans ;) hat vorgeschlagen, doch mal ein Bild meiner Tierchen zu machen.
Das ist ein Teil unseres Strepsipteren-Zuchtprogramms. Wir haben zur Zeit 13 Wespennester. Eigentlich 15, aber für diese anderen zwei haben wir keine Wespen mehr (sind gestorben). Wenn wir also geschickt genug sind, kriegen wir die durch manuelles Füttern auch groß.
Hier nochmal ein Einzelbild. Man kann das kleine Nest an der Decke der Kiste sehen, und die Wespen, die draufsitzen. Gefüttert werden die mit Honig, Wasser und Heimchen.

Mittwoch, August 03, 2005

So langsam möbelts

Ich habe ein Bett erstanden! Eigentlich schon letzten Freitag, aber gestern haben wir es abgeholt, das heißt, John hat mir geholfen. Er hat einen Pick-up. Das Bett besteht aus einer Matratze, einem Lattenrost (der allerdings in eine Matratzenform eingebaut ist, sodaß es aussieht, als hätte ich 2 Matratzen übereinander) und einem einfachen Metallgestell (mit Rollen drunter). John als ehemaliger Pfadfinder (nein, er hat keine Kekse verkauft, denn das machen nur die Mädchen; Jungs verkaufen Süßigkeiten) hat dank seiner bestandenen Knotenprüfung (mit Abzeichen) das Bett ordentlich festknüpfen können.

Aufgebaut habe ich es dann allein. Ich mußte einfach nur das Gestell zusammenstecken, Rollen drunter, die Lattenrost-Matratze draufhieven, und zum Schluß die richtige Matratze. Was ich geschwitzt habe! Die Matratze hat Queensize, das ist ein etwas kleineres Doppelbett, ich schätze auf 1,20 m Breite und 1,80 m Länge, anhand der Tatsache, daß ich mit ausgestreckten Armen beide Seitenkanten erreichen kann und meine Füße beinahe das Fußende berühren. Mein Futon, der bei Lukas steht, also jetzt "unser" Futon ist, war (mit 1,40 m Breite) etwas aus meiner Reichweite.


Bettzeug habe ich noch nicht, aber ich kann ja weiterhin den Schlafsack benutzen.

Gestern waren wir außerdem wieder zum Wespenfangen unterwegs. Diesmal sind wir zu dem Pferdestall gefahren, in dem auch Elke ein Pferd hat.
Ich war ganz mutig und habe eigenhändig ein Nest heruntergeholt, ohne eine Wespe zu verlieren! Und ohne gestochen zu werden.
Im Labor habe ich dann auch eines der Nester mit Strepsis infiziert.

Wir haben hier auch ein Nest ohne Wespen, aber mit Larven drin. Heißt, damit die überleben, müssen wir die irgendwie füttern. Wir haben Heimchen breitgequetscht und Honig dazu. Dann habe ich eine Pipette genommen und den Larven ihre Behelfsnahrung direkt in den Mund getröpfelt. Man kann sehen, wie sie das gierig aufsaugen. Witzig.

Montag, August 01, 2005

mein erster Gehaltsscheck

Wie schon angedeutet, habe ich meinen ersten Gehaltsscheck erhalten. Ich muß mir den Beleg dazu irgendwie einrahmen oder so, denn das ist das allererste Mal überhaupt, daß ich für den Beruf bezahlt werde, in dem ich ausgebildet wurde!
Und es ist ein höherer Betrag als der, mit dem ich im Augenblick gerechnet habe (nämlich das doch volle Assistentengehalt). Heißt, ich habe nach Abzug der Miete, Versicherung und sonstiger Rechnungen immernoch genug, um nicht nur von Cornflakes und Leitungswasser leben zu müssen.

Bald kommt mein Schatz mich besuchen. Ende August. Ich bin schon ganz aufgeregt!!!

Gestern waren wir zu viert aus. Zuerst sind wir in die Innenstadt gefahren, um dort in eine Bar zu gehen. Dort lief Musik im Stil des Filmes "brother, where are thou". Irena mochte das nicht, also auf zur nächsten. Die war schon zu. Die nächste auch. Also sind wir wieder zurück in unseren Stadtteil in der Nähe der Uni gefahren (in dem wir vier wohnen) und waren dort in einer Bar. Für mich war es ja ganz lustig, weil auf diese Weise konnte ich mal wieder die halbe Stadt angucken ;). Srdjan und Irena haben dann diese Bar kommentiert; nämlich daß es bei ihnen solche Bars nicht gebe, sondern nur saubere, blankpolierte, mit besserem Ambiente. Für mich sah der Laden aus wie eine typische Bar, zu der Studenten gehen würde. Viele Bars in Rostock sehen so aus.
Die Unterhaltung bestand größtenteils aus "so ist das in meinem Land"-Vergleichen. Alkohol und Rauchen in der Öffentlichkeit, Meinung zu Drogen, Verhalten von Polizisten gegenüber betrunkenen Autofahrern, und das Studieren. Der vierte im Bunde, Erik, Student der Ingenieurwissenschaften und waschechter Amerikaner, fand unsere Geschichten (aus Bosnien, Montenegro und Deutschland) sehr amüsant.

Ich muß schon sagen, es gefällt mir, so viele Leuten aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen. Es kommen viele interessante Geschichten zusammen.